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Interview mit Dr. Fuhrmann und Bernhard Kleinermann

„Glaubwürdige Kapitalmarkt-Kommunikation zahlt sich aus“
Großer Erfolg für die Investor-Relations-Arbeit des Salzgitter Konzerns:
Die Zeitschrift „Capital“  zeichnete das Unternehmen mit dem 3. Preis in der Kategorie MDAX aus.

Seit dem Börsengang der Salzgitter AG im Juni 1998 genießt die Kommunikation mit aktiven und potenziellen Aktionären, institutionellen Anlegern sowie Finanzanalysten einen hohen Stellenwert für die Außendarstellung des Konzerns.
Die Qualität dieser neudeutsch als „Investor Relations“ bezeichneten Arbeit ist am 9. Juli dieses Jahres anlässlich der Verleihung des Investor-Relations-Preises vom Wirtschaftsmagazin „Capital“ und der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) mit dem 3. Platz in der Kategorie MDAX prämiert worden. STIL sprach mit Konzern-Finanzvorstand Dr. Heinz Jörg Fuhrmann und dem Head of Investor Relations Bernhard Kleinermann, die Urkunde und Laudatio in Frankfurt entgegennehmen durften.

STIL: Welchen Stellenwert hat der dritte Platz beim Investor-Relations-Preis für unser Unternehmen?
Dr. Fuhrmann:
Wenn eines der bedeutendsten deutschen Wirtschaftsmagazine in Zusammenarbeit mit dem größten deutschen Interessenverband der Finanzanalysten und institutionellen Anleger zu dem Urteil kommt, dass die Qualität der von der Salzgitter AG geleisteten Kapitalmarktkommunikation zum Besten gehört, was deutsche Aktiengesellschaften derzeit erbringen, dann ist das ein Gütesiegel, mit dem man zu Recht sehr zufrieden sein kann. Zumal dieser dritte Preis kein zufälliges Einzelereignis ist, sondern zugleich den vorläufigen Höhepunkt der Wertschätzung der Investor-Relations-Arbeit durch unsere externen Adressaten markiert. Denn wir haben im vergangenen Jahr bereits Platz 4 im MDAX und zuvor die Plätze 4 und 8 im SDAX belegt.

STIL: Nach welchen Kriterien wurde beurteilt?
Kleinermann:
Es sind alle in den Indizes EUROSTOXX 50, DAX, MDAX, SDAX und TecDAX enthaltenen Aktiengesellschaften bewertet worden. Zu diesem Zweck hat die DVFA Analysten von Banken und institutionellen Anlegern zu drei Kriterien befragt: Wie schnell berichtet das Management? Wie ist die Qualität der Informationen? Wie glaubwürdig sind Strategien und Zahlen? Die ermittelten Einzel-urteile wurden in eine Skala von 0 bis 500 Punkte umgesetzt. Die Salzgitter AG erreichte mit 391 Punkten einen Wert, mit dem wir sogar auch in der Kategorie DAX unter die ersten acht gekommen wären! Man muss dazu allerdings wissen, dass DAX-Unternehmen ihre IR-Arbeit in der Regel mit einem ungleich höheren Ressourceneinsatz betreiben.

STIL: Was sind die Kriterien einer erfolgreichen Finanzkommunikation?
Dr. Fuhrmann:
Die an die Analysten gerichteten Fragen nach Schnelligkeit, Qualität und Glaubwürdigkeit der Finanzkommunikation spiegeln diese Kriterien im Prinzip wider. Ich ergänze die Aufzählung um den Begriff Nachhaltigkeit, zweifelsohne einer der wichtigsten Aspekte der Kapitalmarktkommunikation. Nachhaltigkeit bedeutet, alle Aussagen stets so zu wählen, dass sie auch längerfristig – möglicherweise über Jahre – Bestand haben. Übertriebene Ankündigungen von unternehmerischen Aktivitäten oder beschönigende Situationsdarstellungen können zwar kurzfristig Börsenerfolge auslösen, aber die Erfahrung – gerade der letzten Jahre –  zeigt, dass früher oder später eine harte Bestrafung durch die in die Irre geführten Kapitalmarktpartner erfolgt. Nachhaltigkeit bedeutet auch, in guten wie in schwierigen Zeiten einen konstanten Kommunikationslevel zu halten. Gegenstand nachhaltig glaubwürdiger Investor Relations ist eben nicht oberflächlich-unseriöses „Hochreden“ des Aktienkurses, sondern es gilt, angenehme und unangenehme Botschaften vorbehaltlos zu vermitteln. IR ist keine Glamourveranstaltung, sondern solides betriebswirtschaftliches Handwerk, das freilich eine unverwechselbare Handschrift mit einem bewussten Schuss Originalität aufweisen sollte.

STIL: Wird die so genannte „Old Economy“ mittlerweile wieder fairer bewertet?
Dr. Fuhrmann: Ja, zweifelsohne. Die Finanzskandale im ausklingenden Boom der „New Economy“ haben ganz offensichtlich bei den Investoren eine bleibende Wirkung hinterlassen. Wo zuvor irrationale Wachstumsfantasien und irrwitzige Kennzahlen wie die „Cash-Burn-Rate“ eine maßgebliche Rolle spielten, sind nun wieder so vermeintlich altmodische Qualitäten wie gesunde Bilanz- und Finanzstrukturen, Profitabilität und Dividendenrendite gefragt. Da die Salzgitter AG diesbezüglich gut abschneidet, erfreuen wir uns seit geraumer Zeit wieder eines beachtlichen Anlegerinteresses.

STIL: Wie hat sich die Wahrnehmung der Salzgitter AG durch den Kapitalmarkt in den vergangenen Jahren verändert?
Kleinermann:
Nachdem wir 1998 einen aus den sattsam bekannten Gründen problematischen Start hatten und anschließend auch noch Phasen wie den erwähnten „New-Economy“-Boom durchzustehen hatten, sind wir mittlerweile auf einem sehr erfreulichen und guten Niveau angelangt. Neben unseren unablässigen kapitalmarktspezifischen Aktivitäten hat auch die auf Breite angelegte Arbeit der Kollegen aus der Konzernkommunikation großen Anteil an diesem Erfolg. Die effektvollen Imagekampagnen und die systematische Pressearbeit haben die öffentliche Wahrnehmung sehr positiv beeinflusst. Das Image von Produkt und Unternehmen kann zwar rational-wirtschaftlich begründete Investoren-Entscheidungen nicht dominieren, aber es ist sicher kein Zufall, dass Konsumgüterunternehmen in der Gunst des Kapitalmarktes latente Vorteile besitzen. Wir müssen daher ständig am Ball bleiben.

STIL: Der Begriff „Corporate Governance“ ist in aller Munde. Werden Kodex und verschärfte Gesetze die Vertrauenskrise beseitigen?
Dr. Fuhrmann:
Die Absicht der Promotoren des Kodex, die Regelungen des deutschen Aktiengesetzes insbesondere ausländischen Investoren näher zu bringen, ist uneingeschränkt zu begrüßen. In der Tat müssen wir uns nicht schon deswegen hinter angelsächsischen Prinzipien verstecken, weil unsere anders sind. Allerdings habe ich erhebliche Zweifel, ob eine Flut von zusätzlichen Reglementierungen und Informationspflichten bis hin zu verschärften Strafandrohungen geeignet sind, mancherorts fehlende Geschäftsethik oder ausufernde Bereicherungsmentalität von Spitzenmanagern wirksam einzudämmen. Abgesehen davon sind derlei Fehlentwicklungen schwerpunktmäßig nicht hier zu Lande, sondern in den Regionen zu beobachten gewesen, deren Systeme uns oftmals als vorbildlich präsentiert worden sind.

STIL: Was war Ihre erste Reaktion, als Sie von der Auszeichnung erfuhren?
Dr. Fuhrmann:
Zufriedenheit und Genugtuung darüber, dass sich Ehrlichkeit, Engagement und Qualität manchmal doch auszahlen. Außerdem war auf dem langen Weg, den meine Mitarbeiter mit mir zurückzulegen hatten, wegen der äußerst wechselhaften Kapitalmarktverhältnisse bisweilen eine ausgesprochene Frustrationsresistenz vonnöten. Da freut es mich umso mehr, wenn schließlich sichtbare Erfolge wie die MDAX-Aufnahme und diese Auszeichnung eintreten.
Kleinermann: Da ich die IR-Arbeit von Beginn an maßgeblich mitgestaltet habe, hat mich dieser Erfolg ausgesprochen gefreut. Er beruht natürlich auf der Leistung des IR-Teams, das die nicht gerade geringen Anforderungen unserer internen und externen Adressaten stets kompetent und mit einem ausgesprochenen Qualitäts- und Service-Bewusstsein bearbeitet.

© Salzgitter AG - Quelle: www.salzgitter-ag.de - 09.02.2012