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Brennpunkt Asien

Gute Zahlen für den Fernen Osten meldet Salzgitter Mannesmann International. Eine Reportage aus China und Singapur
Lokomotive des gewaltigen Aufschwungs in Fernost ist nach wie vor China. Im Stahlbereich hat sich das Land innerhalb weniger Jahre vom Importeur zum Exporteur gewandelt. Gute Zahlen schreibt auch die Pekinger Gesellschaft von Salzgitter Mannesmann International.
Ein Besuch vor Ort Von Carste n Wurr

Der Magen von Peter Meyer muss mittlerweile aus Stahl sein. Skorpione standen in den letzten 20 Jahren ebenso auf seinem Speisezettel wie Schweinsohren, Hirn von der Ente, Kuhmagen und – jawohl – Hund („Das habe ich aber erst hinterher erfahren“). Zweifelhafter Höhepunkt war allerdings ein Schlangenessen. „Das Fleisch schmeckte ja ganz gut“, erinnert sich Meyer, „aber dann musste ich mit meinem Verhandlungspartner mit einem Likörglas voll Schlangenblut anstoßen …“ Aber was tut man nicht alles für einen guten Geschäftsabschluss?

Peter Meyer, 54, ist seit Januar 1988 für den Konzern in Asien tätig. Als „Managing Director“ von Salzgitter Mannesmann International (HK) Limited leitet er heute von Peking aus 24 Mitarbeiter in den Büros von Kanton, Shanghai, Hongkong und Taipeh. Das Geschäft läuft seit Jahren sehr zufriedenstellend. Verkaufte das Team von Meyer in Zusammenarbeit mit den Gesellschaften der Salzgitter Mannesmann International Gruppe im Jahr 2006 rund 600 000 Tonnen Stahl für den internationalen Markt, werden es in diesem Jahr voraussichtlich 800 000 Tonnen sein. Zahlen, die die derzeitige starke Nachfrage auf dem Weltmarkt zeigen und im Einklang mit Chinas enormem Wirtschaftswachstum stehen: Um 11,1 % legte die Wirtschaft des asiatischen Riesen allein 2006 zu (mehr darüber auf den Seiten 16 und 17).

China wandelte sich vom Importeur zum Exporteur

Fahrt vom Pekinger Flughafen zum Büro im 8. Stock des modernen Sunflower Tower in der Maizidian Street. Die Stadt ist überraschend westlich. Dauerstau (jeden Tag werden in Peking 1000 neue Autos zugelassen), überall Baukräne (2008 finden dort die Olympischen Sommerspiele statt), Lärm, Smog und Hitze. Peter Meyer wird bei solchen Fahrten melancholisch: „Als ich vor 20 Jahren das erste Mal hierherkam, war das noch ein Abenteuer. Es gab kaum westliche Hotels, keine Straßenbeleuchtung, Hinweisschilder nur in Chinesisch – und im Zoo strichen die Menschen immer wieder über das rote und braune Haar meiner kleinen Töchter, um zu sehen, ob es echt ist…“

Auch das Geschäft hat sich in den vergangenen Jahren gewaltig verändert. China wandelte sich vom Importeur zum Exporteur von Stahl. Meyer: „2004 machten die Importe noch mehr als die Hälfte unseres Geschäftes aus, ein Jahr später beliefen sich die Einfuhren nach China jedoch nur noch auf rund ein Viertel des Handelsvolumens. “ Die Gründe liegen auf der Hand, das viertgrößte Land der Erde kann sich längst selber versorgen: Produzierte China 1988 rund 70 Millionen Tonnen Stahl, waren es 2006 bereits 429 Millionen Tonnen Rohstahl – Tendenz weiter steigend.

Meyer und sein Team mussten sich wegen dieser Situation völlig neu aufstellen: „Die bekannten Kunden, die man in vielen Jahren gewonnen hatte, waren plötzlich keine mehr – und wir mussten neue Kontakte zu den Verkäufern der Stahlproduzenten suchen.“ Umso erstaunlicher, dass diese dramatische Umstellung, die 2004 ihren Höhepunkt fand, ohne Einbruch des Geschäftes verkraftet wurde. Das Import- wurde vom Exportgeschäft größtenteils ersetzt.

Feierabend. Peter Meyer sitzt mit seinen langjährigen Mitarbeitern Liu Yan Haua und Victor Huang im „Paulaner“ gegenüber des Büros. Sie sprechen Englisch, wie auch alle anderen Mitarbeiter. Man bestellt Weißbier, Haxen und Wurstsalat. Die Tische sind voll besetzt, weitaus mehr Chinesen prosten sich zu als Langnasen, wie Europäer und Amerikaner hier genannt werden. Am nächsten Tag muss Meyer zu einem Stahlproduzenten nach Xiangtan fliegen, aber jetzt bleibt ein bisschen Zeit zum Entspannen. Was muss man beachten, um mit Chinesen ins Geschäft zu kommen?

Meyer, der Anfang der 70er-Jahre beim Handelshaus der damaligen Salzgitter Stahl in Düsseldorf lernte und dann u. a. drei Jahre für den Konzern in London tätig war, muss nicht lange überlegen: „Ein Chinese hat mir mal gesagt: ,Auch wenn wir uns nicht verständigen können, wichtig ist der Gesichtsausdruck.‘ Damit wollte er sagen, dass bei der Anbahnung von Geschäften zunächst einmal Äußerlichkeiten wichtig sind. Man muss freundlich sein, viel lächeln – und sollte möglichst nichts von dem ablehnen, was der Gastgeber auf den Tisch bringt.“ Auch wenn es Skorpione sind…

Meyer weiter: „Grundsätzlich gilt, dass es sehr wichtig ist, das Vertrauen der eher skeptischen Chinesen zu erwerben. Hat man es aber einmal errungen, dann kann man sich auf langfristige Verbindungen einstellen.“ Verhandlungen sind hart. „Chinesische Produzenten versuchen prinzipiell, erst einmal Vorteile für sich zu erreichen.“ So etwas merkt ein Schlitzohr wie Meyer natürlich schnell. Und dann setzt er auf eine andere Eigenheit der Chinesen, die Fairness: „Meistens reicht es, wenn ich sage, dass wir doch beide mit den Konditionen glücklich sein müssen.“

Bis heute kann es passieren, dass die chinesischen Partner ganz bewusst in mehreren Hierarchieebenen verhandeln. Meyer: „Dann müssen wir beim Einkauf von Stahl den Preis nicht zu hoch ansetzen, um jedem Gesprächspartner ein wenig entgegenkommen zu können – bis hin zum entscheidenden Boss. Wenn man nur einem von ihnen preislich nicht entgegenkommt, könnte es sein, dass aus dem ganzen Geschäft nichts wird. Gesicht wahren ist in China eben alles.

Am nächsten Vormittag verhandeln Peter Meyer und sein Mitarbeiter Laurence Chen im Stahlwerk der südchinesischen Stadt Xiangtan über die Preise der kommenden Monate. Das in den letzten Jahren stark modernisierte Werk mit seinen 20 000 Arbeitern ist eines der Hauptlieferanten der Salzgitter Mannesmann International Gruppe für Bleche, die regelmäßig auch für den lagerhaltenden Handel in Europa eingekauft werden. Vor dem Weiterflug ins Büro nach Hongkong macht Meyer noch schnell einen Abstecher ins Werk. Zwei chinesische Mitarbeiter der internationalen Zertifizierungsfirma „Bureau Veritas“ prüfen dort gerade die Qualität einer Ladung Bleche, die nach Indonesien verschifft werden soll. Meyer: „Insgesamt liefern wir 4000 Tonnen. Daraus werden in Indonesien Rohre hergestellt, die für einen Pipeline-Bau in Indien gebraucht werden.“

Der Salzgitter Mannesmann Handel in China stützt sich auf vier Bereiche. Am wichtigsten ist das Geschäft mit der Salzgitter Mannesmann International in Düsseldorf. Meyer: „Jeden Tag bekommen wir rund fünf oder sechs Anfragen aus Deutschland.“ Da geht es zum Beispiel darum, Angebote für eine Lieferanfrage aus Mexiko einzuholen. Meyer: „Innerhalb von zwei Tagen haben wir mit allen infrage kommenden Lieferanten gesprochen und Angebote eingeholt.“

Weitere Anfragen kommen regelmäßig von der Schwesterfirma aus Singapur, mit der die Büros in China eng zusammenarbeiten (mehr darüber ab Seite 12) und die u. a. für die Märkte in Vietnam, Thailand, Indonesien, Malaysia und auf den Philippinen zuständig ist. Meyer: „Dieser innerasiatische Handel ist unser zweitwichtigstes Standbein. Die drittwichtigste Region ist zurzeit Nordamerika/Kanada, mit denen wir in diesem Jahr ein interessantes Geschäftsvolumen abwickeln.“

Ein vierter Bereich ist der Handel, also der Import von technischem Gerät. Meyer: „Das hat traditionelle Gründe, denn früher war die Salzgitter Gruppe auch im Anlagenbau aktiv.“ Zurzeit wickelt das Büro in Peking gerade die Lieferung von acht Tunnelbaggern des deutschen Herstellers Terex für die chinesische Eisenbahn ab. Das Projekt hat einen Wert von etwa fünf Millionen Euro und wurde im Rahmen der Entwicklungshilfe über die Kreditanstalt für Wiederaufbau eingefädelt. Wie sieht die Produktpalette von Meyers Team in China aus? „Wir sind sehr gut aufgestellt beim Export von Grobblechen; weitere Produkte sind warmgewalzte Bandbleche, Warmband, Kaltband sowie oberflächenbeschichtete Produkte. Im Rohrbereich können wir alles das beschaffen, was von konzerneigenen Produzenten für die internationalen Märkte nicht zur Verfügung steht – von spiralgeschweißten Rohren für den Leitungsbau bis hin zu nahtlosen oder längsnahtgeschweißten Rohren für den Öl- und Gastransport. Und konkurrenzfähig sind die chinesischen Produzenten auch im Bereich von Stabstählen.“

Gegen Abend kommt Peter Meyer in Hongkong an. Kurzer Blick ins Büro, eine Besprechung mit den drei Mitarbeitern, dann geht’s zum Feierabend in einen typisch asiatischen Nudelshop. Hier gibt’s keine Skorpione und Schlangen, Meyer isst eine Suppe und Hähnchen mit Reis. „Ich mag die asiatische Küche“, sagt er, nennt aber sofort „leckeren Käse und die tolle Wurstauswahl“, wenn er nach dem gefragt wird, was er an Deutschland am meisten vermisst. Irgendwann in den nächsten Jahren will Peter Meyer mit seiner Familie in die Heimat zurückkehren. In das Reihenhäuschen bei Düsseldorf, das er sich schon vor einiger Zeit gekauft hat. „Das ist zwar eine Binsenweisheit“, sagt er und schaut dabei auf den hektischen Verkehr draußen, „aber wenn Sie jahrelang wie ich in Asien gelebt haben, dann wissen Sie die Vorteile in Deutschland zu schätzen: klare, frische Luft, das gute Klima, den geordneten Straßenverkehr – und die Küche.“

Mit Feng-Shui auf Erfolgskurs

Die Nachfrage nach Stahl ist in den ASEAN-Staaten wie Vietnam hoch

Zwei kleine goldene Löwen auf der Fensterbank sollen es richten: Nämlich dass die große Figur, die im Firmenlogo auf dem Haus gegenüber abgebildet ist, nicht den ganzen Wohlstand aus dem Büro von Salzgitter Mannesmann International (Asia) Pte. Ltd. absaugt. Auch andere Details in den vier Räumen weisen darauf hin, dass sie sorgfältig nach den Richtlinien von Feng-Shui, dieser uralten chinesischen Wissenschaft um Einflüsse von Natur und Umwelt auf die Menschen, eingerichtet wurden. „Ob’s hilft, weiß man ja vorher nie so genau“, sagt Chef Alexander Soboll, 38, „Tatsache aber ist, dass wir im vergangenen Jahr das beste Ergebnis unserer Niederlassung überhaupt hatten.“

Und 2007 wird wohl noch besser: Das Team von Soboll verkauft erhebliche Tonnagen Stahl in seinen Märkten, die die ASEANLänder (Association of South East Asian Nations) wie Vietnam, Thailand, Indonesien, die Philippinen, Malaysia und Singapur selbst umfassen. Zudem werden über die Salzgitter Mannesmann International Gruppe Stahlprodukte aus Malaysia nach Europa, Afrika und in die USA verkauft. Der gesamte Stahl, der in die ASEAN-Länder geliefert wird, stammt aus China. Soboll: „Relativ kurze Lieferzeiten sind attraktiv für unsere Kunden. Kurze Frachtwege und somit günstige Frachtraten für die Region führen zu konkurrenzfähigen Preisen.“ Da liegt es nahe, dass Singapur eng mit dem Pekinger Büro zusammenarbeitet (siehe vorstehenden Bericht).

Außer dem Büro in Singapur, in dem sieben Mitarbeiter tätig sind, gehören zu Sobolls Bereich zwei kleinere Repräsentanzen in Vietnam mit jeweils zwei Tradern – in Hanoi und Ho Chi Minh City. Die Nachfrage nach Stahl ist in den ASEAN-Staaten ähnlich hoch wie in China. Soboll: „In Vietnam wird viel in die Infrastruktur investiert, in Singapur, übrigens dem größten Hersteller für Ölplattformen weltweit, wird viel Stahl für den Schiffbau benötigt.“

Alexander Soboll arbeitet seit 1995 für den Konzern in Singapur und ist seit 1998 Leiter der Niederlassung. Der Junggeselle, der in seiner Freizeit an Drachenbootrennen teilnimmt und ein schweres Motorrad fährt, lebt gern in Asien. Für Soboll, der bei der früheren Salzgitter Handel GmbH in Düsseldorf den Beruf des Groß- und Außenhandelskaufmanns lernte, stand früh fest, dass er ins Ausland wollte: „Zum einen, weil mich fremde Kulturen faszinieren. Aber auch die Tatsache, dass man hier auf dem Außenposten für alles verantwortlich ist, hat mich immer gereizt – vom Aushandeln der Preise über die Logistik bis hin zum Personal.“

„Der Bedarf in Indien wird zunehmen

„Der Bedarf in Indien wird zunehmen"

Interview mit Heinz Groschke, Vorstand Handel der Salzgitter AG, über den Markt in Asien

stil
Welche Rolle spielt Asien für Salzgitter Mannesmann International?

heinz groschke
Für die Salzgitter- Mannesmann International-Gruppe spielen die Märkte Asiens eine bedeutende Rolle. Zum einen kaufen wir in Asien und zwar insbesondere in China, Indien und Malaysia Stahl für die internationalen Märkte ein. Zum anderen nehmen wir teil an der Entwicklung des regionalen asiatischen Geschäftes, d.h. der Zusammenarbeit unserer Niederlassungen in China mit der Niederlassung in Singapur. So werden aus Singapur heraus Stahlprodukte zum Verkauf für den heimischen Markt, für Malaysia, Indonesien, Vietnam, Thailand und die Philippinen eingekauft.

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Welche asiatischen Länder werden an Bedeutung noch zunehmen?

heinz groschke
Der Bedarf an Stahl, insbesondere in Indien, wird in den nächsten Jahren zunehmen. Auch Vietnam entwickelt sich in hervorragender Weise und wir partizipieren an diesem Geschäft. Natürlich sind Länder wie Korea und Japan generell von herausragender Bedeutung, allerdings kaum für unser Geschäft.

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Wird der Aufschwung dort im gewohnten Tempo weitergehen – oder sehen Sie auch Gefahren?

heinz groschke
Ich bin davon überzeugt, dass der Aufschwung insbesondere in China mit eigener Stahlbasis weitergehen wird. Auch der Export von Stahlprodukten wird weiterhin stattfinden. Ich glaube schon, dass wir an diesem Export partizipieren werden. Die Entwicklung in Indien hat erst begonnen und wird aller Wahrscheinlichkeit nach an Tempo zulegen. Indien fehlt es an vielen Dingen: Die Infrastruktur ist noch unzulänglich, das Straßen- und Bahnsystem ist mangelhaft und Flughäfen müssen ausgebaut werden. Die Kommunikationsnetze in Indien funktionieren allerdings gut. Als Indikator für die Zukunftsaussichten in diesem großen Land bietet sich der Vergleich mit China an: Bei einer Bevölkerung von jeweils über einer Milliarde Menschen hat Indien nicht mehr als 48 Millionen Tonnen, China dagegen im Jahr 2006 rund 429 Millonen Tonnen Rohstahl produziert.

stil
Ist der Konzern mit seinen Niederlassungen und Büros in Asien gut aufgestellt oder wird es dort in absehbarer Zeit Änderungen und/oder zusätzliche Anstrengungen geben?

heinz groschke
Grundsätzlich ist der Konzern mit seinen Niederlassungen und Büros in Asien adäquat aufgestellt. Dennoch: Die beschriebene Situation in Indien erfordert, dass wir uns in diesem Markt künftig verstärken müssen, um ihn intensiver bearbeiten zu können.

Stahlhersteller reagieren auf Globalisierung

Forschungskooperation zwischen Salzgitter AG und dem südkoreanischen Stahlkonzern POSCO erfolgreich. Gemeinsam neue Produkte für die Automobilindustrie

Seit 2002 arbeiten der koreanische Stahlkonzern POSCO und die Salzgitter Flachstahl GmbH auf technischem Gebiet zusammen. „Der Stellenwert der Kooperation besteht darin, dass die beiden Unternehmen weder im Stahlmarkt noch im Geschäftsfeld als Konkurrenten aufgestellt sind. Beide Unternehmen sind Stahlhersteller, aber ihre Hauptmärkte liegen zu weit auseinander, um einen nennenswerten Einfluss aufeinander auszuüben“, erklärt Hans Fischer, Vorstand Stahl der Salzgitter AG. Darüber hinaus ist POSCO eines der wenigen großen Stahlunternehmen ohne eigene Stahlrohrproduktion. Deshalb können beide Unternehmen in einer Vielzahl von Tätigkeitsfeldern von einer Kooperation profitieren.

Neben dem vielfältigen Informationsaustausch ist die internationale technische Kooperation ein entscheidender Aspekt. Es werden gemeinsam für die internationale Automobilindustrie neue Produkte entwickelt. Außerdem produziert POSCO Stahlwerkstoffe, die von Salzgitter entwickelt wurden, und führt diese in den asiatischen Markt ein.

Die Kooperation wurde zunächst mit dem Ziel vereinbart, auf dem Feld von Hochleistungsstählen für den Automobilbau zusammenzuarbeiten. Sie ist mittlerweile auch auf den Stahlrohrbereich ausgeweitet worden. Diese Projekte verfolgen nicht nur das Ziel, neue hochfeste Stähle zu entwickeln, sondern auch technische Konzepte für eine effizientere Produktion bestehender Stahlprodukte zu erarbeiten. Ein Ergebnis der Zusammenarbeit ist beispielsweise die Anwendung PRETEX-Technik in der Oberflächenbehandlung. Auch die Entwicklung von dünnen Blechen aus hochfesten Stahlgüten für Automobil- Außenhautteile ist Bestandteil der Zusammenarbeit. Die Stahlhersteller müssen auf die schnell fortschreitende Globalisierung im Automobilsektor reagieren. Im Stahlrohrgeschäft arbeiten jetzt zwei Unternehmen auf der Grundlage einer Lieferanten- Kunden-Beziehung zusammen.

Von POSCO produzierte Hochleistungs- API-Stähle, beispielsweise X80, werden bei Salzgitter Großrohre und Mannesmann Fuchsrohr probeweise zu Stahlrohren verarbeitet. Durch diese Form der Zusammenarbeit sind zwei Unternehmen in der Lage, ihre Wettbewerbsposition als führende Lieferanten von Stählen hoher Güte für die Öl- und Gasindustrie zu sichern. Außerdem wird gemeinsam an der Entwicklung sogenannter Mehrphasenstähle mit ausgezeichneten Bake-Hardening- Eigenschaften gearbeitet, bei denen die Festigkeit im Einbrennvorgang während des Lackierens steigt.

POSCO hat eine Feuerverzinkung gebaut, bei der die Erfahrungen und Kenntnisse aus dem Bau und Betrieb der Anlage in Salzgitter eingeflossen sind. Auch dies unterstützt die gemeinsame Produktentwicklung.

Ab Ende der 1970er-Jahre besuchten regelmäßig chinesische Delegationen Mannesmann in Düsseldorf. Von vergleichbarer Qualität sind die Geschäftsbeziehungen mit Indien. Mannesmann war zum Beispiel am Bau des ersten modernen Hüttenwerkes „Rourkela“ beteiligt. Auch die montanindustrielle sowie die Entwicklung der Maschinenbau-Industrie in Südkorea ist von Mannesmann intensiv unterstützt worden. Hüttenwerker für die Werke des POSCO-Konzerns wurden in Duisburg ausgebildet.

Selbstverständlich wurden auch die Geschäftsbeziehungen zu den übrigen Staaten der Region gepflegt. Gegenseitige Besuche, die Beteiligung an Ausstellungen sowie die Errichtung von Büros und nicht zuletzt die Gründung von Joint Ventures bzw. die Beteiligung an Unternehmen in der Region liefern dafür anschauliche Beispiele. Es spricht für sich, dass 1996 anlässlich des German Technology Symposiums die thailändische Kronprinzessin Maha Chakri Sirindhorn den Stand von Mannesmann mit ihrem Besuch beehrte. In Singapur errichtete Mannesmann in dieser Zeit das „Mannesmann Centre“ als zentrales Anlaufund Koordinationszentrum. Die letzte Technogerma des Jahrtausends fand 1999 in Jakarta statt – da, wo mehr als 90 Jahre zuvor die erste Pipeline aus Mannesmannröhren gebaut worden war. Prof. Dr. Horst A. Wessel

Mannesmannröhren schätzt man im fernen Asien seit mehr als 100 Jahren

Traditionell gute und vielschichtige Verbindungen bestehen mit vielen Ländern des Kontinents – ob mit China, Indien, Südkorea oder Indonesien

Als Johannes Senfft, der Vertriebsvorstand der damaligen Deutsch-Österreichischen Mannesmannröhren-Werke AG, 1902 China und Hongkong bereiste, waren die Mannesmannröhren dort längst eingeführt. Dasselbe erfuhr er ein Jahr später in Indonesien, das damals noch Niederländisch Indien hieß, und in Malaya (Malaysia und Singapur). Zwar bestanden noch keine eigenen Handelsniederlassungen, aber die in Großbritannien und auf dem europäischen Kontinent gewalzten Rohre und die daraus gefertigten Masten, Flaschen und anderen Produkte wurden durch im Lande ansässige Kaufleute, die aus Europa in den Fernen Osten gekommen waren, verkauft. Ihnen wurde geschultes Mannesmann-Personal zur Seite gestellt; einigen großen Handelshäusern wurde sogar die Möglichkeit gegeben, ein wohl sortiertes Lager zu unterhalten.

Die Rohre waren teuer, jedoch die Maschinen- und Anlagenbauer konnten aus Sicherheitsgründen nicht und viele Städte wollten nicht darauf verzichten. Stahlrohre waren nicht nur haltbarer als Holz, sie sahen auch gefälliger aus und waren Ausdruck der Moderne. Gegenüber den Gussrohren zeichneten sich die Mannesmannröhren insbesondere dadurch aus, dass sie leichter und länger und auch stoßunempfindlicher waren. Sie konnten mit dem Schiffsladegeschirr umgeschlagen, auf Pferdekarren oder mit Maultieren transportiert und ggf. mit Muskelkraft verlegt werden. So wurden beispielsweise 1902 insgesamt 22 425 Meter Muffenrohre mit einem Gewicht von 425 Tonnen nach Soemenep auf Java geliefert, die für eine Wasserversorgungsanlage verwendet wurden. Streckenweise verlief die Leitung mitten durch den Dschungel. Die Rohre wurden unter Anleitung weniger europäischer Ingenieure von Einheimischen ohne maschinelle Hilfsmittel verlegt.

Eine weitere Anlage, für die rund 9 Kilometer Rohre geliefert wurden, entstand wenig später in Soerabaya (Surabaya), gleichfalls auf Java. Die Hauptstadt Batavia (Djakarta) erhielt nicht nur eine moderne Wasserversorgungsanlage, sondern auch eine elektrische Straßenbeleuchtung, eine elektrische Straßenbahn und eine Telefonanlage. Die Verbindungsleitungen wurden über aus Mannesmannröhren gefertigte Masten geführt. Selbst Peking, die Hauptstadt des chinesischen Kaiserreichs, vertraute 1910 beim Bau seiner neuen Wasserversorgung auf Mannesmannröhren. 30 000 Meter wurden mittels Seedampfer angeliefert.

In beiden Weltkriegen wurden die Geschäftsverbindungen unterbrochen und nach der Einstellung der Kriegshandlungen wieder neu aufgenommen und ausgebaut. In den 1950er- und 1960er-Jahren war der Erdteil Asien, gemessen am Export, der zweitwichtigste Partner von Mannesmann. Aber auch andere Rohre und Rohrerzeugnisse der Mannesmannröhren-Werke fanden Abnehmer in diesem Raum. So wurden beispielsweise die traditionellen Baugerüste aus Bambus durch Stahlrohre von Mannesmann ersetzt, etwa 1965 in Djakarta.

Mit den sich verdichtenden Wirtschaftsbeziehungen nahmen auch die politischen Kontakte zu. 1973 und erneut 1979 begrüßte der Mannesmann-Vorstand eine offizielle Messedelegation der Volksrepublik China in der Mannesmann-Rotunde auf der Hannover-Messe.

Asien – das Kraftzentrum der Welt

Nach China gilt Indien als zweite Supermacht in der Region. Größter Stahlabnehmer ist die Baubranche. Bis 2010 sollen dort allein 600 neue Einkaufszentren entstehen

Wenn der Drache erwacht, erzittert die Welt“, sagte Napoleon über China. Wirtschaftlich ist das Land schon hellwach und wirbelt mit einem gewaltigen Boom die Weltwirtschaft durcheinander. China ist bereits die drittgrößte Exportnation vor Japan und könnte über kurz oder lang Deutschland den Rang als Exportweltmeister streitig machen. Über 14 Prozent aller Einfuhren der Europäischen Union vom T-Shirt über Werkzeuge bis zu Autoteilen kamen im vergangenen Jahr aus dem Reich der Mitte. China ist zur Werkbank für die Welt geworden, und alles schielt auf den Drachen. Im Gefolge der beeindruckenden Expansion sind auch andere asiatische Länder wie Indien oder die Tigerstaaten genannten industriellen Aufsteiger rund um Singapur, Taiwan und Südkorea wieder zu kräftigem Wachstum erwacht. „Asien ist zum Kraftzentrum der Welt geworden“, sagt Volkswirt Holger Sandte von der WestLB in Düsseldorf.

Seit der asiatischen Finanzkrise 1997/98 und der Abwertung vieler Währungen hat sich die Region kräftig erholt. China legt seit Jahren ein Wachstum von über 10 Prozent hin. Indien kam nach Regierungsangaben zuletzt auf gut 9 Prozent, und in vielen Schwellenländern sind es immer noch 4 bis 5 Prozent. China ist die Werkbank, Indien mit seinem hohen Bildungsstand und traditionell weit verbreiteten englischen Sprachkenntnissen das Dienstleistungszentrum der Welt.

Aber seine Ingenieure machen das Land auch zu einem Hightech-Standort. Microsoft beschäftigt allein 4000 Menschen in Indien, Chip-Produzent Intel und andere Branchenkonzerne wie Cisco investieren kräftig. Zwischen den neuen Schwergewichten China und Indien richten sich andere Länder ein. Sie profitieren von inzwischen wieder unterbewerteten Währungen und davon, dass Billigproduzenten von China in andere aufstrebende Regionen weiterwandern. „Asien wird in diesem und dem kommenden Jahr solide wachsen“, lautet das Fazit von Sanjit Maitra von der Singapurer DBS Bank.

Die Asiatische Entwicklungsbank sagt der Region ohne Japan für 2007 und 2008 ein Wachstum von durchschnittlich 7,7 Prozent pro Jahr voraus. Apropos Japan, immer noch zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, büßt stark an Einfluss in der Region ein.

Ganz anders China. „Produktionssupermacht“ nannte die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs das Land schon vor Jahren. Über 2000 deutsche Firmen haben sich nach Angaben des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft in China in Joint Ventures eingekauft oder sind mit eigenen Unternehmen vertreten. Trotz aller Risiken. Denn die sind unbestritten. Und so gibt es auch Unternehmen, die ihr Engagement überdenken und wieder zurücknehmen, wie es einst der Düsseldorfer Henkel-Konzern vormachte.

Als „kapitalistischer Ausbruch aus der Massenarmut“ beschrieb vor einiger Zeit der Psychologe und Politikwissenschaftler Erich Weede den Weg Chinas. Noch ist der Wohlstandsabstand groß. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 6000 US-Dollar. Multipliziert mit der Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden wird aus der statistischen Größe ein gigantischer Produktionswert.

Aber Energie- und Rohstoffversorgung sowie die Modernisierung der vielfach überalterten Produktionsanlagen halten nicht mit der immer weiter steigenden Nachfrage nach Industriegütern für den heimischen Markt und den Export Schritt. Unfälle im Bergbau, hohe Immissionsbelastungen in Städten und Ballungszonen oder Umweltkatastrophen wie die Verseuchung der Flüsse sind die Folge. 30 Millionen Menschen warten noch immer auf den Zugang zu Elektrizität, ein Fünftel der Bevölkerung lebt von weniger als einem Euro am Tag. In dem rasanten Aufholprozess gilt es, diese Unterschiede einzuebnen, um sozialen Spannungen vorzubeugen.

China ist zum Wachstum verpflichtet, sagen selbst eigene Wirtschaftsführer. Kohle und Stahl bilden eine enge technische und wirtschaftliche Synthese und standen nach dem Krieg für den Wiederaufbau in Deutschland. Was jahrelang für das Ruhrgebiet galt, funktioniert heute auch im fernen China. Das Land ist weltweit der größte Produzent von Kohle und Koks, und seit zehn Jahren kochen die Chinesen auch den meisten Stahl. 1997 löste das Reich der Mitte mit damals 101 Millionen Tonnen Japan als den größten Stahlerzeuger ab. Um die Jahrtausendwende produzierte das Land noch 152 Millionen Tonnen Stahl, 2005 waren es mit rund 348 Millionen Tonnen bereits mehr als doppelt so viel. Im vergangenen Jahr stieg die Produktion rasant um über 18 Prozent auf knapp 419 Millionen Tonnen.

China hat damit einen Anteil von 34 Prozent an der weltweiten Stahlerzeugung. Vor zehn Jahren waren es erst 13 Prozent. Allein der jährliche Zuwachs war mit über 60 Millionen Tonnen deutlich höher als die gesamte deutsche Rohstahlproduktion von 47 Millionen Tonnen. Allerdings hapert es noch bei der Produktivität. Während in Westeuropa bis zu 600 Tonnen pro Mann und Jahr erzeugt werden, kam die chinesische Stahlindustrie zuletzt nur auf 80 Tonnen. Auch wenn die chinesischen Produzenten inzwischen technologisch Anschluss an die führenden Hersteller gefunden haben, überwiegen einfache Stahlqualitäten. Bei hochwertigen Stahlsorten ist das Land Nettoimporteur.

Große Mengen Stahl werden zum Ausbau der Infrastruktur für Staudämme, Eisenbahnstrecken, Kraftwerke sowie für die unzähligen Neubauten in Peking, Shanghai oder den anderen heranwachsenden Großstädten gebraucht. Von 1954 bis 1986 errichtete China 250 Millionen Quadratmeter Wohnraum. Weitere 250 Millionen entstanden in den folgenden neun Jahren. Die Landflucht ist ungebrochen.

Entsprechend schnellt der Stahlverbrauch hoch. Wie hoch? „Die Chinesen“, sagt Dieter Ameling, der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, „wagen selbst keine Prognosen für einen längeren Zeitraum mehr und schauen nur noch auf das jeweils nächste Jahr.“ Ameling leitete für den Stahl-Weltverband IISI das Projekt China 2010 und Indien 2020. Einen kräftigen Schub für die chinesische Industrie hatte 2002 nach 15 Jahren Verhandlung der Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation WTO gebracht.

Der Liberalisierungsfortschritt erwies sich bald als Standortvorteil, lockte über Joint Ventures mehr ausländisches Kapital ins Land. Bisher sind allerdings erst wenige ausländische Stahlkonzerne vertreten, darunter Arcelor Mittal. Ende 2001 nahm ThyssenKrupp ein mit dem chinesischen Marktführer Baosteel gebautes Edelstahlwerk in Betrieb, mit Kosten von über einer Milliarde Euro bislang die größte Auslandsinvestition des deutschen Konzerns. Chinas rasant wachsende Stahlproduktion schockt manchen in der westlichen Stahlwelt. Vom „China-Gespenst“ ist die Rede.

Die Volksrepublik könnte mit ihren Stahlmassen in kurzer Zeit den Weltmarkt aus dem Gleichgewicht bringen und die Preise in den Keller schicken, so die Befürchtungen. Besonders betroffen vom Exportboom sind aber die asiatischen Nachbarn Südkorea und Taiwan. Allerdings steigen auch die Lieferungen in die USA. Weniger betroffen ist die EU, setzen die Hersteller hier auf ihren technologischen Vorsprung. „Mittlerweile kommt chinesischer Stahl auch auf den europäischen Markt. Der ist vorwiegend noch von niedriger Qualität“, sagt Salzgitter-Chef Wolfgang Leese.

Die Deutsche Bank sagt in ihrer jüngsten Stahl-Studie ein Wachstum der Weltrohstahlproduktion bis zum Jahr 2015 um rund 5 Prozent pro Jahr auf dann 1,9 Milliarden Tonnen voraus. Wachstumstreiber bleibt Asien, wo die Produktion nach der Prognose im Schnitt jährlich um 8 Prozent steigen wird. Hatte die Region 1996 noch einen Anteil von 38 Prozent an der Weltstahlerzeugung, waren es zehn Jahre später schon 54 Prozent. Indien gilt nach China als neue Supermacht der Region. Beide Länder haben viele Gemeinsamkeiten, allerdings gibt es mindestens ebenso viele Unterschiede. Indien ist demokratisiert, China eine gelenkte Wirtschaft. Entscheidungen verkommen in Indien zu einem langwierigen Prozess, werden im kommunistischen China dagegen schnell umgesetzt.

Beide Länder sind durch enorme geografische Ausbreitung gekennzeichnet. Allerdings ist China dreimal so groß wie Indien, und die Bevölkerungsdichte in Indien 2,5-mal so hoch. Die indische Bevölkerung wächst pro Jahr um 1,4 Prozent, deutlich stärker als China mit der Ein-Kind-Politik. Ein Aufschließen Indiens zur ökonomischen Größe Chinas wird von den meisten Ökonomen vorerst nicht erwartet. Unbestritten ist das Wachstum auch in Indien rasant. Und davon profitiert auch der Stahlmarkt.

Der Bau ist größter Stahlabnehmer. Und in Indien sind in den nächsten drei Jahren 600 neue Einkaufszentren geplant. In den kommenden zwei Jahrzehnten sollen 10 Millionen neue Wohnungen gebaut werden. Großer Bedarf besteht für Straßen, Schulen und andere Infrastruktureinrichtungen. Uwe Perlitz, der Stahlexperte der Deutschen Bank, sagt in seiner Studie bis 2015 einen Zuwachs der Rohstahlproduktion um jährlich 6 Prozent auf dann 74 Millionen Tonnen voraus.

Zum Vergleich: Der Weltmarktanteil läge dann bei etwa 4 Prozent gegenüber 44 Prozent von China. Kräftig ankurbeln wollen die Hütten den Stahlexport. Große Unternehmen wie Tata schicken sich mit der Übernahme des britisch-niederländischen Konkurrenten Corus an, zu Global Playern zu werden. Vorgemacht hat das schon ein Inder: Lakshmi Mittal. Der Wahl-Londoner hat Stahlhütten auf der ganzen Welt aufgekauft und schließlich im vergangenen Jahr mit dem Arcelor-Coup den Welt-Branchenprimus geschmiedet. Hans-Willy Bein

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