„Wir machen den Stahl von morgen“
Ohne Innovationen keine Zukunft: Die Salzgitter Mannesmann
Forschung (SZMF) gehört weltweit zu den führenden Instituten
der Stahlbranche. Es entstand 2004 als Zusammenschluss aus
Teilen des Werkstoffzentrums der Salzgitter Flachstahl GmbH
und dem Mannesmann Forschungsinstitut (MFI), das in diesen
Tagen sein 75-jähriges Bestehen feiert. Für STIL Anlass genug,
die SZMF ausführlich vorzustellen – und ihre Menschen
Sandrine Bremer „Stahl ist alt – aber modern!“
Forschung und Entwicklung bilden eine wesentliche
Basis für unsere Gesamtstrategie, als erfolgreicher
Nischenplayer zu agieren.“ Das, was Professor Wolfgang
Leese, Vorstandsvorsitzender der SZAG, 2007
bei der Präsentation des neuen Technikums (SZMF)
in Salzgitter sagte, gilt bis heute: Dem Bereich Forschung
wird im Konzern ein unvermindert großes Augenmerk
zuteil. Mit über 300 Mitarbeitern, davon 100 Wissenschaftler,
gehört die SZMF mit den Standorten Salzgitter und Duisburg
zu den führenden europäischen Einrichtungen im Stahlbereich.
Das Unternehmen entstand 2004 als Zusammenschluss aus dem Mannesmann Forschungsinstitut (MFI), das dieses Jahr 75-jähriges Bestehen feiert, sowie Teilen des Werkstoffzentrums der Salzgitter Flachstahl GmbH. Geschäftsführer der SZMF ist seit dem Zusammenschluss Prof. Matthias Niemeyer. Seit 2004 wurden an beiden Standorten mehr als 20 Millionen Euro investiert. Bernd Schneiders
Tätigkeit: Techniker Abteilung: Mechanische Prüfung und Bruchmechanik in Duisburg Ausbildung: Maschinenbautechniker Aktuelle Projekte: Umlaufbiegeversuche an Bohrrohren am Spannfeld zur Charakterisierung der Ermüdungseigenschaften. Schneiders, der seit 2006 bei der SZMF arbeitet, ist für zwei weitere Prüffelder und die Wartung des Abteilungs-Maschinenparks zuständig. Faszination desWerkstoffs Stahl: „Die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten von Stahl –von der Schraube bis zur Offshore-Pipeline.“ Reiz an der Forschung? „Ständige Herausforderung durch neue Fragestellungen.“ Hobbys: „Familie, Lesen, Radeln, Wandern.“ Dr. Charles Stallybrass
Tätigkeit: Werkstoffentwickler Abteilung: Werkstoffentwicklung in Duisburg Ausbildung: Ing. Werkstoffwissenschaften Aktuelle Projekte: Untersuchung der Grundwerkstoffeinflüsse auf die Zähigkeit in der Wärmeeinflusszone von längsnahtgeschweißten Großrohren; Entwicklung hochfester Großrohrgüten mit besonderer Zähigkeit bei Tiefsttemperaturen Faszination des Werkstoffs Stahl: „Dass man immer noch neue Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten entdecken kann.“ Reiz an der Forschung? „Die tägliche Herausforderung.“ Hobbys: „Sport, Geige spielen.“ Eckhard Maiwald
Tätigkeit: Umformversuche/ Prototyping Abteilung: Anwendungstechnik/ Umformtechnik in Salzgitter Ausbildung: Industriemechaniker Aktuelle Projekte: Grenzformänderungsanalysen bei HSD®-Stählen. Eckhard Maiwald ist Experte an der 1000-Tonnen-Presse, die im Technikum steht. Faszination des Werkstoffs Stahl: „Stahl ist ein Werkstoff wie kein anderer: mit fast unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten und zu 100 Prozent recycelbar.“ Reiz an der Forschung? „Weil ich das Warum einer Sache ergründen kann.“ Hobby: „Basteln an meinem Trecker.“ Innovationen haben Tradition in Salzgitter:„Künftige Innovationssprünge sind nur mit mehr Grundlagenforschung zu erwarten“Interview mit Prof. Matthias Niemeyer, Geschäftsführer der Salzgitter Mannesmann Forschung
Neue Dimensionen
Professor Niemeyer in der Oberflächentechnik
am Standort Salzgitter. Das neue Technikum
wurde im Jahr 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Damit ist Forschen in neuen Dimensionen
möglich stil Welchen Stellenwert hat die Forschung für ein Unternehmen wie die Salzgitter AG? prof. niemeyer Die Aufgabe der Salzgitter Mannesmann Forschung besteht vorrangig darin, dem Konzern die Innovationsfähigkeit und damit den Absatz auch in Zukunft zu sichern. In diesem Zusammenhang sind die sogenannten Pionierrenten wichtig: Die fährt ein Unternehmen immer dann ein, wenn es eine bestimmte Idee früher hat als andere und diese praktisch umsetzt. Allgemein gilt: Da wir in Deutschland ein rohstoffarmes Land sind, müssen wir die Rohstoffe, die wir einführen, so wertig wie möglich machen. Auch wenn ich eine Binsenweisheit wiederhole: Unsere wichtigste Ressource ist das Wissen. stil Welche unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte existieren an den Standorten Salzgitter und Duisburg? prof. niemeyer Schwerpunkte in Duisburg sind Metallurgie/Werkstofftechnik und die Ingenieurtechnik, beides in den Produktgruppen Rohr, Profil und Grobblech sowie der Systemtechnik. In Salzgitter wird hauptsächlich im Bereich der Anwendungsund der Oberflächentechnik sowie insbesondere an der Werkstoff- und Prozessentwicklung für Kalt- und Warmband gearbeitet. stil Rekrutiert sich Ihr Kundenstamm ausschließlich aus den Gesellschaften der SZAG? prof. niemeyer Keinesfalls. Aufträge kommen auch aus der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Energietechnik und der Bauindustrie. stil Reagieren Sie bei der Forschung nur auf Markterfordernisse – oder schaffen Sie auch Bedarf? prof. niemeyer Beides. Zum einen forschen wir natürlich auf konkrete Anfragen hin. Zwei Beispiele: 2004 fragte Mercedes bei uns an, ob wir für die nächste Generation der E-Klasse einen Stahl als Alternative zum teuren Aluminium entwickeln könnten. Das Ergebnis ist der sogenannte lufthärtende Stahl, aus dem heute der gesamte Integralträger in der aktuellen E-Klasse gefertigt ist. Und bei den Rohren für die Ostsee-Pipeline haben wir für den Hersteller Europipe den Stahl so modifiziert, dass er resistent gegen das leicht saure Tiefenwasser der Ostsee ist. stil Und wie sieht es mit der Schaffung von Bedarf aus? prof. niemeyer Wir führen die neuesten wissenschaftlichen Trends mit Produkt- und Prozesswissen zusammen und gleichen sie mit Marktbedürfnissen ab. Dies gelingt auch, weil wir eine Schnittstelle zu einem internationalen Netzwerk aus Universitäten, Instituten und industriellen Partnern sind. Die daraus resultierenden Forschungskooperationen ziehen wir dem Zukauf von Know-how übrigens entschieden vor (siehe dazu auch die Seiten 14/15; Anm. d. Red.). stil Ein Beispiel, bitte. prof. niemeyer Nehmen Sie die neue Bandgießanlage, die in Peine bis 2011 entsteht. Sie beruht auf Erfahrungen, die wir mit einer Pilotanlage an der TU Clausthal gesammelt haben. Diese neue Technologie, bei der wir weltweit führend sind, bietet zwei große Vorteile: Zum einen sind die Investitions- und Betriebskosten bedeutend niedriger als bei der bisherigen Technik. Zum anderen können Werkstoffe hergestellt werden, die mit konventioneller Technik gar nicht oder nur sehr eingeschränkt erzeugt werden können. Mit dem Direct Strip Casting, wie das Verfahren auch genannt wird, können neue Stahlwerkstoffe mit besonders hoher Festigkeit und sehr gutem Umformvermögen gleichzeitig hergestellt werden. Darum werden sich die Kunden reißen. Diese HSD®-Stähle (High Strength and Ductility, siehe dazu auch Seite 11, Anm. d. Red.) sind von strategischer Bedeutung für die Weiterentwicklung der Salzgitter AG als Premiumlieferant. stil Welche drei Erfindungen der SZMF in den vergangenen Jahren halten Sie für die wichtigsten? prof. niemeyer Da nenne ich die eben angesprochenen HSD®-Stähle, die Bandgießtechnologie und den lufthärtenden Stahl. stil Was wird Stahl 2020 können? prof. niemeyer Im Prinzip wird es darum gehen, Stähle zu entwickeln, die noch einmal eine Verdoppelung der Festigkeit bei ähnlicher Verformbarkeit wie heute bieten. Prinzipiell gilt: Um künftig wirklich Innovationssprünge zu machen, müssen wir uns auch wieder mehr der Grundlagenforschung zuwenden. Wir müssen bestimmte Mechanismen verstehen. Warum diffundiert Wasserstoff in den Stahl hinein, und was macht er dort? Wenn ich das verstanden habe, kann ich gezielt einen Werkstoff entwickeln, der das verhindert. stil Sehen Sie die Integration der Forschungsstandorte Salzgitter und Duisburg als gelungen an oder bestehen noch unterschiedliche Mentalitäten? prof. niemeyer Die unterschiedlichen Mentalitäten bestehen durchaus noch. Um die Zusammenarbeit zu fördern, tauschen wir regelmäßig Mitarbeiter zwischen den Standorten aus und machen gemeinsame Projekte. Wichtig ist aber auch, dass wir im Konzern unser geballtes Stahlwissen für gesellschaftsübergreifende Projekte nutzen. stil Worin bestehen für Sie die größten Herausforderungen an den Konzern? prof. niemeyer Das ist für mich zum Beispiel das Wissensmanagement. Wissen muss so gelenkt werden, dass man es sinnvoll und zielgerichtet einsetzen kann. Wir haben zum Beispiel 800 000 Seiten aus dem Duisburger Archiv digitalisiert, um sie allen Mitarbeitern zur Verfügung stellen zu können. Und mit WiDaS haben wir unsere eigene kleine Wikipedia-Version mit im Moment 3500 Seiten geschaffen. stil Was persönlich reizt Sie an der Forschung? prof. niemeyer Die handelnden Menschen, Neues zu erfinden und damit Geld zu verdienen. stil Was ist Stahl für Sie in einem Wort, bitte! prof. niemeyer Sexy. Unternehmenskennzahlen Salzgitter Mannesmann Forschung
SZMF: Zwei Standorte, ein Ziel Der Bilderbogen aus Salzgitter und Duisburg zeigt Atmosphäre – und die beiden größten Investitionen
1 Tradition und Moderne: Der Eingangsbereich des Standortes Duisburg wurde einladend gestaltet 2 In der Duisburger Bibliothek stehen u. a. die kompletten Jahrgänge des Fachblattes „Stahl und Eisen“ – seit 1896 3 Wichtigste Neu-Investition in Salzgitter: die 1000-Tonnen-Presse 4 Wichtigste Neu-Investition in Duisburg: der Warmwalzsimulator Warum HSD®-Stähle so einmalig sindDie Seite für alle, die es ein bisschen genauer wissen möchtenDie extrem hohen Festigkeiten und die gegenüber herkömmlichen Stählen geringere Dichte der neuen HSD®-Güten ermöglichen bei gleichzeitig großer Verformbarkeit deutliche Gewichtseinsparungen an Stahlbauteilen. So konnten an beispielhaften Untersuchungen an Musterbauteilen für Automobile Gewichtseinsparungen um bis zu 30 Prozent erreicht werden. Gewichtsreduzierte Fahrzeuge ermöglichen die Erschließung großer Energie- und CO2-Emissionseinsparpotenziale, nicht nur bei der Produktion, sondern insbesondere im Betrieb.
Klassifizierung der Stähle nach Liefereigenschaften - Liefereigenschaften nach Duktilität/Festigkeit Die neue Technik kommt ohne Gießpulver ausNach der Erstarrung des Stahlfilmes durchläuft das 8 bis 15 Millimeter dicke Band eine Sekundärkühlzone, sodass das anschließende Warmwalzen bei für die Einstellung der Werkstoffeigenschaften geeigneten Temperaturen erfolgen kann. Die nachgeschaltete Kühlstrecke und Aufwickeleinheit sind Stand der Technik. Durch die Einführung der DSC-Technik können bei der Herstellung von Stahlband erhebliche Energie- und Kosteneinsparungen gegenüber der konventionellen Strangguss- oder Dünnbrammentechnik erreicht werden. Die konventionelle diskontinuierliche Herstellung von Brammen mit Abmaßen, die weit von denen des Endproduktes entfernt sind, erfordert das wiederholte Aufwärmen des Materials und zahlreiche Umformstufen. Die Einsparpotenziale durch Nutzung der Gießwärme und Reduzierung des Umformgrades liegen auf der Hand. Weitere Einsparpotenziale ergeben sich durch die mögliche Nutzung gesteigerter Schrottanteile, ohne dass die bekannten unerwünschten Effekte durch hohe Begleitelementanteile aufträten. DSC unter Schutzgas und beschleunigter Erstarrung vermeidet dieses Problem und erschließt die in Zukunft verstärkt auftretenden Schrotte mit zu hohen Gehalten an Begleitelementen als Rohstoffressource sogar für besonders innovative Produkte wie HSD®-Stahl. Bei der Entwicklung von HSD®-Stählen kooperiert Salzgitter seit 2005 mit Corus. Ein Rückblick: 75 Jahre Stahlforschung in Duisburg-HuckingenVom Hüttenlabor zum Entwicklungszentrum. Von Prof. Dr. Horst A. Wessel, Düsseldorf
Am 1. Juni 1934, vor 75 Jahren, nahm die zentrale Forschungsanstalt der Mannesmannröhren-Werke ihre Arbeit auf
Vorher hatte es bereits eine metallurgische
Abteilung gegeben. Die drei Mitarbeiter,
ein Wissenschaftler, ein Techniker
und ein Hilfsarbeiter, arbeiteten in
einem Raum; die Apparateausstattung
bestand aus einem alten Mikroskop. In
den größeren Mannesmannröhren-Werken
bestanden kleinere Werkslaboratorien
zur Berechnung von Leitungsprojekten,
zur Durchführung von Druckversuchen
und von Spannungsmessungen.
Bei der Herstellung von Sonderstählen, die Anfang der 1930er-Jahre aufgenommen worden war, hinkte das Unternehmen mangels wissenschaftlicher Einrichtungen und fehlender Forschungsarbeit hinter der Entwicklung her und musste sogar wirtschaftliche Nachteile hinnehmen. Der schließlich gefasste Entschluss, ein eigenes Forschungsinstitut zu errichten, wurde zwar durch die Weltwirtschaftskrise verzögert, konnte jedoch bis Mitte 1934 realisiert werden. In unmittelbarer Nähe des heutigen Standorts konnte die personell verstärkte und auch apparatemäßig besser ausgestattete metallurgische Abteilung einen Neubau beziehen. Die als Versuchsanstalt konzipierte Einrichtung entwickelte sich rasch zu einer zentralen Forschungseinrichtung für den Konzern. Sie wurde durch physikalische und chemische Abteilungen sowie durch Laboratorien für Röntgenuntersuchungen, Schweißtechnik, Korrosion, Schwingungsprüfungen und Verzunderung erweitert. Für die bauliche Erweiterung und die Beschaffung der Apparateausstattung, darunter ein Kaltwalzwerk und ein Hochfrequenzofen, wurden finanzielle Mittel in zuvor nicht gekannten Umfang bereit gestellt. Dadurch wurde nicht nur die Stellung des Unternehmens im Wettbewerb verbessert und langfristig gesichert, sondern zugleich auch den Anforderungen entsprochen, die die nationalsozialistische Autarkiepolitik an die Eisenund Stahlindustrie stellte. Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 15 Wissenschaftler, 19 Techniker und Laboranten sowie 40 Lohnempfänger. Die Arbeiten betrafen bereits anspruchsvolle und patentfähige Entwicklungsarbeiten.
1936 wurde in der Nähe des Institutsgebäudes
eine auch äußerlich ansprechende
Neuanlage mit Hauptgebäude
und Hallen errichtet, die 1937 bezogen
wurde – dabei handelte es sich um den
heutigen „Altbau“. Nun konnten die Abteilungen
zentral untergebracht werden.
Neben der systematischen Qualitätsverbesserung
stellte die befohlene Umstellung
der Werke auf Ersatzwerkstoffe hohe
Anforderungen an das Institut und seine
Mitarbeiter. So gelang es, trotz fehlender
Zuschlagstoffe Stahlqualitäten besonderer
Güten zu entwickeln. Die Mannesmannröhren-
Werke waren z. B. als einzige in
der Lage, Stähle mit hoher Sicherheit
gegen Laugensprödigkeit herzustellen.
Am 1. Juli 1948 wurde das Forschungsinstitut
rechtlich verselbstständigt. Ab Herbst 1949 durften wieder Forschungsarbeiten
durchgeführt werden. Der mit
der Währungsumstellung einsetzende
Wirtschaftsaufschwung stellte Mittel zur
Verfügung, die zur Beseitigung der
Kriegsverluste und zur Neuanschaffung
von Geräten genutzt wurden. Die Aufnahme
neuer Arbeitsgebiete wie Wärme-,
Strömungs-, Verformungs- und Kunststofftechnik
wurde geplant und später
nach Ausbau des Dachgeschosses im
Hauptgebäude und einiger Neubauten
realisiert. Mitte der 1950er-Jahre hatte
der Personalstand die Vorkriegsstärke
wieder erreicht. Das Institut hatte sich
inzwischen von einem beinahe reinen
Werkstoffinstitut zu einer Einrichtung für
betriebliche Forschung und Entwicklung
für den Konzern gewandelt. Mit seinen
spezialisierten Fachbereichen war die
Grundlage für die Lösung auch komplexerer
Probleme gegeben. Grundlegend
waren die Untersuchungen zur Versprödung
von Chromstählen und zur Bildung
der sigma-Phase sowie zur Kornzerfallneigung
bestimmter legierter Stähle, das
Frischen mit Sauerstoff und insbesondere
die industrielle Umsetzung des Vergießens
von flüssigem Stahl im Strang. Anfang
der 1960er-Jahre beschäftigte das
Institut mehr als 350 Mitarbeiter. Einige
von ihnen qualifizierten sich durch ihre
Arbeit für führende Positionen an anderen
Stellen des Konzerns.
Durch die Arbeitsteilung mit Thyssen 1970 fielen einige Arbeitsbereiche weg, andere, insbesondere die Rohrentwicklung, wurden noch intensiviert. Durch die Eingliederung von mehr als hundert neuen Mitarbeitern wuchs die Belegschaft auf knapp 500 Personen. Auf der linken Frontseite des Hauptgebäudes entstand ein Neubau, der zunächst zweistöckig ausgeführt wurde, und dahinter eine weitere Halle. Ende der 1970er-Jahre erreichte das Institut seine größte räumliche Ausdehnung durch die Aufstockung des Neubaus und die Errichtung neuer Hallen. Seitdem präsentiert es sich nach außen hin so, wie wir es kennen.
Anfang 1987 wurde das Institut von der
Mannesmann AG auf die Tochtergesellschaft
Mannesmannröhren-Werke
(MRW), für die es zu mehr als 90 Prozent
arbeitete, übertragen; der Name Mannesmann
Forschungsinstitut blieb wegen des
hohen Bekanntheitsgrads erhalten. MRW
befand sich wegen der weltweiten Überkapazitäten
und der durch Staatssubventionen
verzerrten Wettbewerbslage in einer
fast ausweglosen Situation. Innerhalb
weniger Jahre musste die Belegschaft um
fast die Hälfte reduziert werden. Das hatte
Auswirkungen auch auf das Institut, das
drastische Mittelkürzungen hinnehmen
und die Zahl seiner Mitarbeiter erst um
ein Viertel, schließlich um mehr als 40
Prozent kürzen musste. Im Übrigen setzte
man alles daran, MRW im internationalen
Wettbewerb zu stärken – durch
Sicherung
und Verbesserung der Qualität,
Reduzierung der Produktionskosten und
Erhöhung der Liefersicherheit. Dennoch
war in diesen Jahren die Existenz der
Gesellschaft
mehrfach akut gefährdet.
Durch die Übernahme von MRW durch die Salzgitter AG änderte sich für die Gesellschaft und das Forschungsinstitut die Lage grundlegend zum Positiven. Das Mannesmann Forschungsinstitut wurde im Oktober 2000 bei unveränderter Aufgabenstellung in der neu gegründeten Mannesmann Forschungsinstitut GmbH, Duisburg (SZMF), verselbstständigt. 2004 wurde es in Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH umfirmiert und der Sitz nach Salzgitter verlegt. Nach der Vereinigung mit dem Werkstoffzentrum der Salzgitter Flachstahl GmbH wurden beide Forschungsstandorte großzügig ausgebaut. Dabei wurden nicht nur die in der Vergangenheit entstandenen Lücken ausgefüllt, sondern das Institut hinsichtlich Personal und Einrichtung so ausgestattet, dass es auch künftig noch wachsenden Ansprüchen zu entsprechen vermag. Die SZMF gehört zum Kreis der führenden Stahlforschungsunternehmen in Europa. Forschung früherWasserstoffspeicher, 1987: Im Rahmen eines Forschungsvorhabens „Alternative Energien im Straßenverkehr“ unter Führung von Daimler- Benz hat sich Mannesmann schon 1987 an der Entwicklung von sogenannten Hydridspeichern zur Speicherung von Wasserstoff beteiligt. Hierbei wird Wasserstoff von in Rohren befindlichem Metallpulver absorbiert, es entstehen sogenannte Hydride. Beim Betankungsvorgang wird Wärme abgegeben, bei der Entnahme Wärme aufgenommen. Der Wasserstoffspeicher ist deshalb als Wärmetauscher ausgebildet, die Wärmeabfuhr erfolgt mit Wasser, die Wärmezufuhr aus den heißen Abgasen eines Motors. Als Folge der Entwicklung entstand eine eigenständige Gesellschaft, HWT Gesellschaft für Hydrid- und Wasserstofftechnik mbH, die die Fertigung der Speicher vornahm. Die Erprobung in Fahrzeugen von Daimler-Benz führte damals bis zur Serienreife, scheiterte aber am noch nicht aufnahmebereiten Umfeld. Inzwischen hat diese Technologie aber auch Verwendung im Bau von Unterseebooten gefunden. Ein neues Anwendungsgebiet erschloss sich mit der Reinigung von Gasen, wobei höchste Reinheitsgrade erreicht werden können. Zusammen mehr erreichen: Fünf Beispiele für erfolgreiche KooperationenPOSCO: Partner von Welt aus Korea
POSCO hat nach Salzgitter-Vorbild eine Feuerverzinkung gebaut
Ein Ergebnis der Zusammenarbeit ist beispielsweise die lizenzierte Produktion von isotropem Stahl (I-Stahl) bei POSCO. Dabei wendet POSCO auch die bei der Salzgitter AG verwendete PRETEX-Technologie zur Oberflächentexturierung an. Ein weiteres Beispiel für die bereits realisierten Projekte im Bereich der Stähle für den Automobilbau ist die Entwicklung von Mehrphasenstählen mit ausgezeichneten Bake-Hardening-Eigenschaften. Im Zuge der Globalisierung auf den Automobilmärkten können hierdurch beide Partner ihre Stärken und ihr Know-how einbringen, um die weitere Entwicklung im Bereich der Automobilstähle aktiv mitzugestalten. Bei Hochleistungs-API-Stählen für den Bau von Öl- und Erdgaspipelines, wie beispielsweise dem X80, wurde im Rahmen der gemeinsamen Aktivitäten wechselseitig Probematerial ausgetauscht. Das Material von POSCO wurde bei der Salzgitter Mannesmann Großrohr GmbH zu Stahlrohren verarbeitet, das Salzgitter-Material entsprechend in Korea. Ziel dieser Versuche war es, die unterschiedlichen Werkstoff- und Prozesskonzepte beider Partner und die resultierenden Auswirkungen auf die Rohreigenschaften beurteilen zu können, um hieraus beiderseitiges Optimierungspotenzial für die zukünftige Erzeugung ableiten zu können. Die Zusammenarbeit in diesem Feld sichert die Wettbewerbsposition beider Unternehmen als führende Lieferanten von Stählen höchster Festigkeit für die Ölund Gasindustrie. Neben der Durchführung von gemeinsamen Werkstoff-Entwicklungsprojekten umfasst die Zusammenarbeit auch den Bereich der Prozesstechnik. Beispielsweise hat POSCO eine Feuerverzinkungslinie gebaut, bei der die Erfahrungen und Kenntnisse aus dem Bau und Betrieb der Anlage in Salzgitter eingeflossen sind, wodurch die gemeinsame Produktentwicklung zielgerichtet unterstützt wird. Geprägt von einer offenen, interkulturellen Kommunikation gelingt es, die Stärken der Partner POSCO und Salzgitter gewinnbringend zusammenzuführen. Daraus resultierend können den Kunden beider Unternehmen bestmögliche Produkte zur Verfügung gestellt werden. Lufthärter in der neuen E-Klasse
Integralträger der neuen E-Klasse
Mit dieser Stahlsorte ist es möglich, höchstfeste Bauteile in komplexer und leichtgewichtiger Form zu fertigen, wie es bisher nicht bekannt war. LH®-Stähle sind daher eine echte Alternative zu Aluminium, wenn es z. B. darum geht, im Fahrzeugbau eine hohe Stabilität bei minimalem Gewicht zu realisieren. Weitere Eigenschaften und Vorteile: Ideal für laser- und hochfrequenzgeschweißte Rohre, hervorragend geeignet für Innen-Hochdruck-Umformungen. Erstes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz der LH®-Stähle: Bei der neuen E-Klasse von Mercedes sind die Integralträger komplett aus LH®800 gefertigt. Hochschulen: Köpfe & Forschung
Markus Rottwinkel von der SZAG im Gespräch mit einem Aachener Studenten
ICAMS: Sieben Partner aus Wirtschaft & WissenschaftDas Zentrum umfasst drei attraktiv ausgestattete Stiftungsprofessuren, die im ICAMS organisiert sind. Das auf fünf Jahre angelegte Anschubprogramm wird nach Ablauf der Gründungsphase von der Ruhr-Universität Bochum weitergeführt. Mit dem Zentrum erfährt die seit Jahren erfolgreiche Materialforschung an der RUB eine weitere Stärkung. „In der jetzigen Konstellation haben wir exzellente Voraussetzungen, um das Projekt am Standort Bochum zu einem Erfolg zu machen, für die Ruhr-Universität wie für die ganze Region und das Land Nordrhein-Westfalen“, sagte Professor Wagner, Rektor der RUB. WING: Vom Halbzeug zum Crash in der virtuellen WeltZiel des Projektes ist die Beschleunigung der Entwicklung und Markteinführung neuartiger Stähle. Die durchgängige, integrale Prozesskettensimulation wurde auf Basis bereits genutzter Simulationsprogramme entwickelt. Damit ist es möglich, insbesondere die orts- und prozessabhängige Entwicklung der Werkstoffeigenschaften durchgehend zu verfolgen. Ausgehend von der Kaltbandherstellung werden die Stahleigenschaften mikromechanisch modelliert und mithilfe eines virtuellen Labors an die Modellierung der Bauteilherstellung gekoppelt. Die Autohersteller können die Eigenschaften am fertigen Bauteil ortsbezogen ablesen, ohne dass teure Großversuche bis hin zum Prototypenteil nötig wären. |
9 Monate 2009AnsprechpartnerKonzernkommunikation Publikationen
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