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„Wir machen den Stahl von morgen“
Ohne Innovationen keine Zukunft: Die Salzgitter Mannesmann
Forschung (SZMF) gehört weltweit zu den führenden Instituten
der Stahlbranche. Es entstand 2004 als Zusammenschluss aus
Teilen des Werkstoffzentrums der Salzgitter Flachstahl GmbH
und dem Mannesmann Forschungsinstitut (MFI), das in diesen
Tagen sein 75-jähriges Bestehen feiert. Für STIL Anlass genug,
die SZMF ausführlich vorzustellen – und ihre Menschen
Sandrine Bremer „Stahl ist alt – aber modern!“
| Tätigkeit: |
Werkstoffentwicklerin |
| Abteilung: |
Neue Werkstoffe & Technologien in Salzgitter |
| Ausbildung: |
Dipl.-Ing. Maschinenbau |
| Aktuelle Projekte: |
Entwicklung der Stahlgüten X60 für sauergasbeständige Werkstoffe und X80, ein mikrolegierter Stahl für Gashochdruckleitungen – beides zusammen mit dem Kooperationspartner POSCO, Südkorea |
Faszination des Werkstoffs Stahl: |
„Obwohl Stahl schon 4000 Jahre alt ist, ist ein Ende des Entwicklungspotenzials immer noch nicht abzusehen.“ |
| Reiz an der Forschung? |
„Spannende Tätigkeit, gute internationale Kontakte.“ |
| Hobbys: |
„Mein Islandpferd Kappi.“ |
Forschung und Entwicklung bilden eine wesentliche
Basis für unsere Gesamtstrategie, als erfolgreicher
Nischenplayer zu agieren.“ Das, was Professor Wolfgang
Leese, Vorstandsvorsitzender der SZAG, 2007
bei der Präsentation des neuen Technikums (SZMF)
in Salzgitter sagte, gilt bis heute: Dem Bereich Forschung
wird im Konzern ein unvermindert großes Augenmerk
zuteil. Mit über 300 Mitarbeitern, davon 100 Wissenschaftler,
gehört die SZMF mit den Standorten Salzgitter und Duisburg
zu den führenden europäischen Einrichtungen im Stahlbereich.
Das Unternehmen entstand 2004 als Zusammenschluss aus
dem Mannesmann Forschungsinstitut (MFI), das dieses Jahr
75-jähriges Bestehen feiert, sowie Teilen des Werkstoffzentrums
der Salzgitter Flachstahl GmbH. Geschäftsführer der SZMF ist
seit dem Zusammenschluss Prof. Matthias Niemeyer. Seit 2004
wurden an beiden Standorten mehr als 20 Millionen Euro investiert.
Bernd Schneiders
„Ich liebe die ständige Herausforderung“Tätigkeit: Techniker
Abteilung: Mechanische Prüfung und Bruchmechanik in Duisburg
Ausbildung: Maschinenbautechniker
Aktuelle Projekte:
Umlaufbiegeversuche an Bohrrohren am Spannfeld zur Charakterisierung der Ermüdungseigenschaften. Schneiders, der seit 2006 bei der SZMF arbeitet, ist für zwei weitere Prüffelder und die Wartung des Abteilungs-Maschinenparks zuständig.
Faszination desWerkstoffs Stahl:
„Die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten
von Stahl –von der Schraube bis zur Offshore-Pipeline.“
Reiz an der Forschung?
„Ständige Herausforderung durch neue Fragestellungen.“
Hobbys:
„Familie, Lesen, Radeln, Wandern.“
Dr. Charles Stallybrass
„Immer wieder Neues“Tätigkeit: Werkstoffentwickler
Abteilung: Werkstoffentwicklung in Duisburg
Ausbildung: Ing. Werkstoffwissenschaften
Aktuelle Projekte:
Untersuchung der Grundwerkstoffeinflüsse auf die Zähigkeit
in der Wärmeeinflusszone von längsnahtgeschweißten Großrohren;
Entwicklung hochfester Großrohrgüten mit besonderer Zähigkeit bei Tiefsttemperaturen
Faszination des Werkstoffs Stahl:
„Dass man immer noch neue Eigenschaften
und Anwendungsmöglichkeiten entdecken kann.“
Reiz an der Forschung?
„Die tägliche Herausforderung.“
Hobbys:
„Sport, Geige spielen.“
Eckhard Maiwald
„Das Warum ergründen“Tätigkeit: Umformversuche/ Prototyping
Abteilung: Anwendungstechnik/ Umformtechnik in Salzgitter
Ausbildung: Industriemechaniker
Aktuelle Projekte:
Grenzformänderungsanalysen bei HSD®-Stählen. Eckhard Maiwald ist Experte an der 1000-Tonnen-Presse, die im Technikum steht.
Faszination des Werkstoffs Stahl:
„Stahl ist ein Werkstoff wie kein anderer:
mit fast unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten und zu 100 Prozent
recycelbar.“
Reiz an der Forschung?
„Weil ich das Warum einer Sache ergründen kann.“
Hobby:
„Basteln an meinem Trecker.“
Innovationen haben Tradition in Salzgitter:
Nachdem z. B. 2002
und 2007 mit Konzeptstudien wie „Atlas“ und „Scalight“ und 2006
mit der Entwicklung lufthärtender LH®-Stähle im Automobilleichtbau
für Aufsehen gesorgt wurde, sind es zurzeit hochmanganhaltige
HSD®-Stähle, auf die Kunden in aller Welt warten.
Diese HSD®-Stähle, die ab 2011 auf einer ebenfalls vom SZMF
gemeinsam mit SMS Siemag und der TU Clausthal entwickelten
Bandgießanlage in Peine produziert werden, vereinigen wie
keine Stähle zuvor gegenläufige Materialeigenschaften wie Festigkeit
und Dehnbarkeit. Hans Fischer, Vorstand Stahl der Salzgitter
AG: „Mit dem HSD®-Projekt festigt Salzgitter seine Position als
Premiumlieferant und unterstreicht damit seine Fähigkeit, Marktanforderungen
der Zukunft zu erfüllen.“ Und: „Die SZMF trägt
entscheidend zu unserem übergeordneten Konzernziel bei: Sicherung
der unternehmerischen Eigenständigkeit durch Profitabilität
und Wachstum. “
„Künftige Innovationssprünge sind nur mit mehr Grundlagenforschung zu erwarten“
Interview mit Prof. Matthias Niemeyer, Geschäftsführer der Salzgitter Mannesmann Forschung
Neue Dimensionen
Professor Niemeyer in der Oberflächentechnik
am Standort Salzgitter. Das neue Technikum
wurde im Jahr 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Damit ist Forschen in neuen Dimensionen
möglich
Seit 2004 leitet Professor Matthias
Niemeyer, 42, die Salzgitter
Mannesmann Forschung. Der
Vater von zwei Kindern studierte
Maschinenbau an der Universität
Hannover, wo er promovierte
und 2005 zum außerordentlichen Professor
ernannt wurde. Das Interesse am Werkstoff
Stahl und der Technik scheint Prof. Niemeyer
in die Wiege gelegt: Vater, Großvater
und Urgroßvater waren Schmiede.
stilWelchen Stellenwert hat die Forschung
für ein Unternehmen wie die Salzgitter AG?
prof. niemeyer Die Aufgabe der Salzgitter
Mannesmann Forschung besteht vorrangig
darin, dem Konzern die Innovationsfähigkeit
und damit den Absatz auch in Zukunft
zu sichern. In diesem Zusammenhang sind
die sogenannten Pionierrenten wichtig:
Die fährt ein Unternehmen immer dann
ein, wenn es eine bestimmte Idee früher
hat als andere und diese praktisch umsetzt.
Allgemein gilt: Da wir in Deutschland ein
rohstoffarmes Land sind, müssen wir die
Rohstoffe, die wir einführen, so wertig wie
möglich machen. Auch wenn ich eine Binsenweisheit
wiederhole: Unsere wichtigste
Ressource ist das Wissen.
stilWelche unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte
existieren an den Standorten
Salzgitter und Duisburg?
prof. niemeyer Schwerpunkte in Duisburg
sind Metallurgie/Werkstofftechnik und die
Ingenieurtechnik, beides in den Produktgruppen
Rohr, Profil und Grobblech sowie
der Systemtechnik. In Salzgitter wird
hauptsächlich im Bereich der Anwendungsund
der Oberflächentechnik sowie insbesondere
an der Werkstoff- und Prozessentwicklung
für Kalt- und Warmband
gearbeitet.
stilRekrutiert sich Ihr Kundenstamm ausschließlich
aus den Gesellschaften der SZAG?
prof. niemeyer Keinesfalls. Aufträge kommen
auch aus der Automobilindustrie,
dem Maschinen- und Anlagenbau, der
Energietechnik und der Bauindustrie.
stilReagieren Sie bei der Forschung nur auf
Markterfordernisse – oder schaffen Sie auch
Bedarf?
prof. niemeyer Beides. Zum einen forschen
wir natürlich auf konkrete Anfragen hin.
Zwei Beispiele: 2004 fragte Mercedes bei uns
an, ob wir für die nächste Generation der
E-Klasse einen Stahl als Alternative zum
teuren Aluminium entwickeln könnten. Das
Ergebnis ist der sogenannte lufthärtende
Stahl, aus dem heute der gesamte Integralträger
in der aktuellen E-Klasse gefertigt ist.
Und bei den Rohren für die Ostsee-Pipeline
haben wir für den Hersteller Europipe den
Stahl so modifiziert, dass er resistent gegen
das leicht saure Tiefenwasser der Ostsee ist.
stilUnd wie sieht es mit der Schaffung von
Bedarf aus?
prof. niemeyer Wir führen die neuesten wissenschaftlichen
Trends mit Produkt- und
Prozesswissen zusammen und gleichen sie
mit Marktbedürfnissen ab. Dies gelingt
auch, weil wir eine Schnittstelle zu einem
internationalen Netzwerk aus Universitäten,
Instituten und industriellen Partnern sind.
Die daraus resultierenden Forschungskooperationen
ziehen wir dem Zukauf von
Know-how übrigens entschieden vor (siehe
dazu auch die Seiten 14/15; Anm. d. Red.).
stilEin Beispiel, bitte.
prof. niemeyer Nehmen Sie die neue Bandgießanlage,
die in Peine bis 2011 entsteht.
Sie beruht auf Erfahrungen, die wir mit
einer Pilotanlage an der TU Clausthal
gesammelt haben. Diese neue Technologie,
bei der wir weltweit führend sind, bietet
zwei große Vorteile: Zum einen sind die
Investitions- und Betriebskosten bedeutend
niedriger als bei der bisherigen Technik.
Zum anderen können Werkstoffe hergestellt
werden, die mit konventioneller Technik gar
nicht oder nur sehr eingeschränkt erzeugt
werden können. Mit dem Direct Strip
Casting, wie das Verfahren auch genannt
wird, können neue Stahlwerkstoffe mit
besonders hoher Festigkeit und sehr gutem
Umformvermögen gleichzeitig hergestellt
werden. Darum werden sich die Kunden
reißen. Diese HSD®-Stähle (High Strength
and Ductility, siehe dazu auch Seite 11,
Anm. d. Red.) sind von strategischer
Bedeutung
für die Weiterentwicklung der
Salzgitter AG als Premiumlieferant.
stilWelche drei Erfindungen der SZMF in
den vergangenen Jahren halten Sie für die
wichtigsten?
prof. niemeyer Da nenne ich die eben angesprochenen
HSD®-Stähle, die Bandgießtechnologie
und den lufthärtenden Stahl.
stilWas wird Stahl 2020 können?
prof. niemeyer Im Prinzip wird es darum
gehen, Stähle zu entwickeln, die noch einmal
eine Verdoppelung der Festigkeit bei
ähnlicher Verformbarkeit wie heute bieten.
Prinzipiell gilt: Um künftig wirklich Innovationssprünge
zu machen, müssen wir
uns auch wieder mehr der Grundlagenforschung
zuwenden. Wir müssen bestimmte
Mechanismen verstehen. Warum diffundiert
Wasserstoff in den Stahl hinein, und was
macht er dort? Wenn ich das verstanden
habe, kann ich gezielt einen Werkstoff entwickeln,
der das verhindert.
stilSehen Sie die Integration der Forschungsstandorte
Salzgitter und Duisburg als gelungen
an oder bestehen noch unterschiedliche
Mentalitäten?
prof. niemeyer Die unterschiedlichen Mentalitäten
bestehen durchaus noch. Um die
Zusammenarbeit zu fördern, tauschen wir
regelmäßig Mitarbeiter zwischen den Standorten
aus und machen gemeinsame Projekte.
Wichtig ist aber auch, dass wir im Konzern
unser geballtes Stahlwissen für gesellschaftsübergreifende
Projekte nutzen.
stilWorin bestehen für Sie die größten Herausforderungen
an den Konzern?
prof. niemeyer Das ist für mich zum Beispiel
das Wissensmanagement. Wissen muss
so gelenkt werden, dass man es sinnvoll und
zielgerichtet einsetzen kann. Wir haben zum
Beispiel 800 000 Seiten aus dem Duisburger
Archiv digitalisiert, um sie allen Mitarbeitern
zur Verfügung stellen zu können. Und
mit WiDaS haben wir unsere eigene kleine
Wikipedia-Version mit im Moment 3500
Seiten geschaffen.
stilWas persönlich reizt Sie an der Forschung?
prof. niemeyer Die handelnden Menschen,
Neues zu erfinden und damit Geld zu verdienen.
stilWas ist Stahl für Sie in einem Wort, bitte!
prof. niemeyer Sexy.
Unternehmenskennzahlen Salzgitter Mannesmann Forschung
| Gründung | 1934/2004 |
| Umsatz | 34,3 Mio. Euro (GJ 2008) |
| Mitarbeiter | 313 (31. 12. 2008) |
| Investitionen | 2004–2008 21,5 Mio. Euro |
| Büro-/Laborflächen SZ: | ca. 3500 m2 |
| DU: | ca. 8600 m2 |
| Zertifikate/ | ISO 17025:2000; |
| Akkreditierung | ISO/TS 16949/ISO 9001 |
QUELLE: SZMF
SZMF: Zwei Standorte, ein Ziel Der Bilderbogen aus Salzgitter und Duisburg zeigt Atmosphäre – und die beiden größten Investitionen
1 Tradition und Moderne: Der Eingangsbereich des Standortes Duisburg wurde einladend gestaltet
2 In der Duisburger Bibliothek stehen u. a. die kompletten Jahrgänge des Fachblattes „Stahl und Eisen“
– seit 1896
3 Wichtigste Neu-Investition in Salzgitter: die 1000-Tonnen-Presse
4 Wichtigste Neu-Investition in Duisburg: der Warmwalzsimulator
Warum HSD®-Stähle so einmalig sind
Die Seite für alle, die es ein bisschen genauer wissen möchten
HSD® (High Strength
and Ductility)-Stähle
stellen aufgrund ihrer
herausragenden mechanischen
Eigenschaften
eine eigene
Klasse von Stahlwerkstoffen mit sehr
großen Potenzialen dar. Sie besitzen bei
sehr hohen Festigkeiten gleichzeitig eine
hohe Duktilität. Zu erklären sind die
Werkstoffeigenschaften durch die Vorgänge
beim Auftreten des TRIP- und des
TWIP-Effekts. Beim sogenannten TRIPEffekt
(TRansformation Induced Plasticity),
ist der Stahl nach Abkühlung auf
Raumtemperatur weitgehend austenitisch.
Dieser Zustand ist allerdings metastabil,
und bei Verformung wandelt
Austenit in Martensit um, was mit einer
hohen Verfestigung verbunden ist. Beim
TWIP-Effekt, der im oberen Mangangehaltsspektrum
dominiert, resultiert
das Verfestigungspotenzial aus der verformungsinduzierten
Zwillingsbildung.
Hierdurch werden noch höhere Dehnungen,
allerdings bei etwas geringerer,
aber immer noch außerordentlich hoher
Festigkeit erreicht.
Die extrem hohen Festigkeiten und
die gegenüber herkömmlichen Stählen
geringere Dichte der neuen HSD®-Güten
ermöglichen bei gleichzeitig großer Verformbarkeit
deutliche Gewichtseinsparungen
an Stahlbauteilen. So konnten an
beispielhaften Untersuchungen an Musterbauteilen
für Automobile Gewichtseinsparungen
um bis zu 30 Prozent erreicht
werden. Gewichtsreduzierte Fahrzeuge
ermöglichen die Erschließung großer
Energie- und CO2-Emissionseinsparpotenziale,
nicht nur bei der Produktion,
sondern insbesondere im Betrieb.
Klassifizierung der Stähle nach Liefereigenschaften - Liefereigenschaften nach Duktilität/Festigkeit
Die neue Technik kommt ohne Gießpulver aus
Voraussetzung für die Herstellung von
HSD®-Stählen ist die neue Direct Strip
Cast- oder Dünnbandgießtechnik (DSC).
Bei diesem Bandgießen wird der flüssige
Stahl über ein Zuführsystem auf ein umlaufendes,
von unten intensiv mit Wasser
gekühltes Gießband aus Stahl gegossen.
Weil der Stahl direkt auf das mitlaufende
Gießband gegossen wird, kann auf den
Einsatz von Gießpulver verzichtet werden,
welches in klassischen Prozessen zur Verringerung
der Reibung eingesetzt wird.
Nach der Erstarrung des Stahlfilmes
durchläuft das 8 bis 15 Millimeter dicke
Band eine Sekundärkühlzone, sodass das
anschließende Warmwalzen bei für die
Einstellung der Werkstoffeigenschaften
geeigneten Temperaturen erfolgen kann.
Die nachgeschaltete Kühlstrecke und Aufwickeleinheit
sind Stand der Technik.
Durch die Einführung der DSC-Technik
können bei der Herstellung von Stahlband
erhebliche Energie- und Kosteneinsparungen
gegenüber der konventionellen
Strangguss- oder Dünnbrammentechnik
erreicht werden. Die konventionelle diskontinuierliche
Herstellung von Brammen
mit Abmaßen, die weit von denen
des Endproduktes entfernt sind, erfordert
das wiederholte Aufwärmen des Materials
und zahlreiche Umformstufen. Die Einsparpotenziale
durch Nutzung der Gießwärme
und Reduzierung des Umformgrades
liegen auf der Hand.
Weitere Einsparpotenziale ergeben sich
durch die mögliche Nutzung gesteigerter
Schrottanteile, ohne dass die bekannten
unerwünschten Effekte durch hohe Begleitelementanteile
aufträten. DSC unter
Schutzgas und beschleunigter Erstarrung
vermeidet dieses Problem und erschließt
die in Zukunft verstärkt auftretenden
Schrotte mit zu hohen Gehalten an Begleitelementen
als Rohstoffressource sogar
für besonders innovative Produkte
wie HSD®-Stahl.
Bei der Entwicklung von HSD®-Stählen
kooperiert Salzgitter seit 2005 mit Corus.
Ein Rückblick: 75 Jahre Stahlforschung in Duisburg-Huckingen
Vom Hüttenlabor zum Entwicklungszentrum. Von Prof. Dr. Horst A. Wessel, Düsseldorf
Der Standort Duisburg
der Salzgitter Mannesmann
Forschung
(SZMF) nahm am
1. Juni 1934 als zentrale
Forschungsanstalt
der Mannesmannröhren-Werke
ihre Arbeit auf. Wenige Jahre zuvor hatte
das Unternehmen das Blechwalzwerk
im Süden Duisburgs zu einem Hüttenwerk
mit Roheisen- und Stahlerzeugung
ausgebaut. Das Arbeitsprogramm der
neuen Einrichtung
umfasste die Erforschung
der Roheisenerzeugung, die Verbesserung
der Qualität bekannter und
die Entwicklung neuer Stähle sowie
die Berechnung von Rohrkonstruktionen
und die Untersuchung fertiger
Erzeugnisse.
Am 1. Juni 1934, vor 75 Jahren, nahm die zentrale Forschungsanstalt der Mannesmannröhren-Werke ihre Arbeit auf
Vorher hatte es bereits eine metallurgische
Abteilung gegeben. Die drei Mitarbeiter,
ein Wissenschaftler, ein Techniker
und ein Hilfsarbeiter, arbeiteten in
einem Raum; die Apparateausstattung
bestand aus einem alten Mikroskop. In
den größeren Mannesmannröhren-Werken
bestanden kleinere Werkslaboratorien
zur Berechnung von Leitungsprojekten,
zur Durchführung von Druckversuchen
und von Spannungsmessungen.
Bei der Herstellung von Sonderstählen,
die Anfang der 1930er-Jahre aufgenommen
worden war, hinkte das Unternehmen
mangels wissenschaftlicher Einrichtungen
und fehlender Forschungsarbeit
hinter der Entwicklung her und musste
sogar wirtschaftliche Nachteile hinnehmen.
Der schließlich gefasste Entschluss,
ein eigenes Forschungsinstitut zu errichten,
wurde zwar durch die Weltwirtschaftskrise
verzögert, konnte jedoch bis
Mitte 1934 realisiert werden. In unmittelbarer
Nähe des heutigen Standorts konnte
die personell verstärkte und auch apparatemäßig
besser ausgestattete metallurgische
Abteilung einen Neubau beziehen.
Die als Versuchsanstalt konzipierte Einrichtung
entwickelte sich rasch zu einer
zentralen Forschungseinrichtung für den
Konzern. Sie wurde durch physikalische
und chemische Abteilungen sowie durch
Laboratorien für Röntgenuntersuchungen,
Schweißtechnik, Korrosion, Schwingungsprüfungen
und Verzunderung erweitert.
Für die bauliche Erweiterung und
die Beschaffung der Apparateausstattung,
darunter ein Kaltwalzwerk und ein Hochfrequenzofen,
wurden finanzielle Mittel
in zuvor nicht gekannten Umfang bereit
gestellt. Dadurch wurde nicht nur die
Stellung des Unternehmens im Wettbewerb
verbessert und langfristig gesichert,
sondern zugleich auch den Anforderungen
entsprochen, die die nationalsozialistische
Autarkiepolitik an die Eisenund
Stahlindustrie stellte. Die Zahl der
Mitarbeiter stieg auf 15 Wissenschaftler,
19 Techniker und Laboranten sowie 40
Lohnempfänger. Die Arbeiten betrafen
bereits anspruchsvolle und patentfähige
Entwicklungsarbeiten.
1936 wurde in der Nähe des Institutsgebäudes
eine auch äußerlich ansprechende
Neuanlage mit Hauptgebäude
und Hallen errichtet, die 1937 bezogen
wurde – dabei handelte es sich um den
heutigen „Altbau“. Nun konnten die Abteilungen
zentral untergebracht werden.
Neben der systematischen Qualitätsverbesserung
stellte die befohlene Umstellung
der Werke auf Ersatzwerkstoffe hohe
Anforderungen an das Institut und seine
Mitarbeiter. So gelang es, trotz fehlender
Zuschlagstoffe Stahlqualitäten besonderer
Güten zu entwickeln. Die Mannesmannröhren-
Werke waren z. B. als einzige in
der Lage, Stähle mit hoher Sicherheit
gegen Laugensprödigkeit herzustellen.
Am 1. Juli 1948 wurde das Forschungsinstitut
rechtlich verselbstständigt. Ab Herbst 1949 durften wieder Forschungsarbeiten
durchgeführt werden. Der mit
der Währungsumstellung einsetzende
Wirtschaftsaufschwung stellte Mittel zur
Verfügung, die zur Beseitigung der
Kriegsverluste und zur Neuanschaffung
von Geräten genutzt wurden. Die Aufnahme
neuer Arbeitsgebiete wie Wärme-,
Strömungs-, Verformungs- und Kunststofftechnik
wurde geplant und später
nach Ausbau des Dachgeschosses im
Hauptgebäude und einiger Neubauten
realisiert. Mitte der 1950er-Jahre hatte
der Personalstand die Vorkriegsstärke
wieder erreicht. Das Institut hatte sich
inzwischen von einem beinahe reinen
Werkstoffinstitut zu einer Einrichtung für
betriebliche Forschung und Entwicklung
für den Konzern gewandelt. Mit seinen
spezialisierten Fachbereichen war die
Grundlage für die Lösung auch komplexerer
Probleme gegeben. Grundlegend
waren die Untersuchungen zur Versprödung
von Chromstählen und zur Bildung
der sigma-Phase sowie zur Kornzerfallneigung
bestimmter legierter Stähle, das
Frischen mit Sauerstoff und insbesondere
die industrielle Umsetzung des Vergießens
von flüssigem Stahl im Strang. Anfang
der 1960er-Jahre beschäftigte das
Institut mehr als 350 Mitarbeiter. Einige
von ihnen qualifizierten sich durch ihre
Arbeit für führende Positionen an anderen
Stellen des Konzerns.
Durch die Arbeitsteilung mit Thyssen
1970 fielen einige Arbeitsbereiche weg,
andere, insbesondere die Rohrentwicklung,
wurden noch intensiviert. Durch
die Eingliederung von mehr als hundert
neuen Mitarbeitern wuchs die Belegschaft
auf knapp 500 Personen. Auf der linken
Frontseite des Hauptgebäudes entstand
ein Neubau, der zunächst zweistöckig
ausgeführt wurde, und dahinter eine weitere
Halle. Ende der 1970er-Jahre erreichte
das Institut seine größte räumliche
Ausdehnung durch die Aufstockung
des Neubaus und die Errichtung neuer
Hallen. Seitdem präsentiert es sich nach
außen hin so, wie wir es kennen.
Anfang 1987 wurde das Institut von der
Mannesmann AG auf die Tochtergesellschaft
Mannesmannröhren-Werke
(MRW), für die es zu mehr als 90 Prozent
arbeitete, übertragen; der Name Mannesmann
Forschungsinstitut blieb wegen des
hohen Bekanntheitsgrads erhalten. MRW
befand sich wegen der weltweiten Überkapazitäten
und der durch Staatssubventionen
verzerrten Wettbewerbslage in einer
fast ausweglosen Situation. Innerhalb
weniger Jahre musste die Belegschaft um
fast die Hälfte reduziert werden. Das hatte
Auswirkungen auch auf das Institut, das
drastische Mittelkürzungen hinnehmen
und die Zahl seiner Mitarbeiter erst um
ein Viertel, schließlich um mehr als 40
Prozent kürzen musste. Im Übrigen setzte
man alles daran, MRW im internationalen
Wettbewerb zu stärken – durch
Sicherung
und Verbesserung der Qualität,
Reduzierung der Produktionskosten und
Erhöhung der Liefersicherheit. Dennoch
war in diesen Jahren die Existenz der
Gesellschaft
mehrfach akut gefährdet.
Durch die Übernahme von MRW
durch die Salzgitter AG änderte sich für
die Gesellschaft und das Forschungsinstitut
die Lage grundlegend zum Positiven.
Das Mannesmann Forschungsinstitut
wurde im Oktober 2000 bei unveränderter
Aufgabenstellung in der neu gegründeten
Mannesmann Forschungsinstitut
GmbH, Duisburg (SZMF), verselbstständigt.
2004 wurde es in Salzgitter Mannesmann
Forschung GmbH umfirmiert und
der Sitz nach Salzgitter verlegt. Nach der
Vereinigung mit dem Werkstoffzentrum
der Salzgitter Flachstahl GmbH wurden
beide Forschungsstandorte großzügig
ausgebaut. Dabei wurden nicht nur die
in der Vergangenheit entstandenen Lücken
ausgefüllt, sondern das Institut hinsichtlich
Personal und Einrichtung so
ausgestattet, dass es auch künftig noch
wachsenden Ansprüchen zu entsprechen
vermag. Die SZMF gehört zum Kreis der
führenden Stahlforschungsunternehmen
in Europa.
Forschung früher
KTB-Bohranlage, bis 1995: Die Tatsache,
dass eine Beteiligung von
MRW unter (oder wegen der) Mitarbeit
des Instituts an der Auslegung
des Bohrstrangs für das tiefste Bohrloch
Deutschlands (über 9000 m)
stattfand, zeigte erneut die herausragende
Stellung der Mannesmannröhren-
Werke als Lieferant für hochwertige
Gestängerohre. Bei der
Werkstoffauswahl und dem Konzept
für das Bohrgestänge waren neben
den hohen mechanischen Beanspruchungen
Temperaturen bis 300 °C
und extrem korrosive Bedingungen
zu berücksichtigen, die letztlich zu
einem niedrig legierten Vergütungsstahl
und innovativen Lösungen im
Design führten. Die entstandene
Leichtbaukonstruktion zeichnete
sich durch höchstes Festigkeits- und
Zähigkeitsniveau sowie eine hoch
tragfähige Gewindeverbindung aus.
Wasserstoffspeicher, 1987: Im Rahmen
eines Forschungsvorhabens
„Alternative Energien im Straßenverkehr“
unter Führung von Daimler-
Benz hat sich Mannesmann schon
1987 an der Entwicklung von sogenannten
Hydridspeichern zur Speicherung
von Wasserstoff beteiligt.
Hierbei wird Wasserstoff von in
Rohren befindlichem Metallpulver
absorbiert, es entstehen sogenannte
Hydride. Beim Betankungsvorgang
wird Wärme abgegeben, bei der Entnahme
Wärme aufgenommen. Der
Wasserstoffspeicher ist deshalb als
Wärmetauscher ausgebildet, die
Wärmeabfuhr erfolgt mit Wasser,
die Wärmezufuhr aus den heißen
Abgasen eines Motors. Als Folge der
Entwicklung entstand eine eigenständige
Gesellschaft, HWT Gesellschaft
für Hydrid- und Wasserstofftechnik
mbH, die die Fertigung der Speicher
vornahm. Die Erprobung in Fahrzeugen
von Daimler-Benz führte damals
bis zur Serienreife, scheiterte aber
am noch nicht aufnahmebereiten
Umfeld. Inzwischen hat diese Technologie
aber auch Verwendung im
Bau von Unterseebooten gefunden.
Ein neues Anwendungsgebiet erschloss
sich mit der Reinigung von
Gasen, wobei höchste Reinheitsgrade
erreicht werden können.
Zusammen mehr erreichen: Fünf Beispiele für erfolgreiche Kooperationen
POSCO: Partner von Welt aus Korea
POSCO hat nach Salzgitter-Vorbild eine Feuerverzinkung gebaut
Bereits seit 2003 besteht eine fruchtbare
Kooperation zwischen dem
koreanischen Stahlkonzern
POSCO und der Salzgitter AG. Neben
dem vielfältigen Informationsaustausch
ist die technische Zusammenarbeit ein
entscheidender Aspekt. Beginnend mit
gemeinsamen Entwicklungstätigkeiten
auf dem Feld von Hochleistungsstählen
für den Automobilbau ist die Kooperation
mittlerweile auch auf den Stahlrohrbereich
ausgeweitet worden. Über
die gemeinsame Neuentwicklung neuer
hochfester Stähle hinausgehend, ist auch
die Erarbeitung neuer technischer Konzepte
für eine effizientere Produktion
bestehender Stahlprodukte ein wesentlicher
Inhalt der Zusammenarbeit.
Ein Ergebnis der Zusammenarbeit ist
beispielsweise die lizenzierte Produktion
von isotropem Stahl (I-Stahl) bei POSCO.
Dabei wendet POSCO auch die bei der
Salzgitter AG verwendete PRETEX-Technologie
zur Oberflächentexturierung an.
Ein weiteres Beispiel für die bereits realisierten
Projekte im Bereich der Stähle für
den Automobilbau ist die Entwicklung
von Mehrphasenstählen mit ausgezeichneten
Bake-Hardening-Eigenschaften. Im
Zuge der Globalisierung auf den Automobilmärkten
können hierdurch beide
Partner ihre Stärken und ihr Know-how
einbringen, um die weitere Entwicklung
im Bereich der Automobilstähle aktiv
mitzugestalten.
Bei Hochleistungs-API-Stählen für
den Bau von Öl- und Erdgaspipelines,
wie beispielsweise dem X80, wurde im
Rahmen der gemeinsamen Aktivitäten
wechselseitig Probematerial ausgetauscht.
Das Material von POSCO wurde bei
der Salzgitter Mannesmann Großrohr
GmbH zu Stahlrohren verarbeitet, das
Salzgitter-Material entsprechend in
Korea. Ziel dieser Versuche war es, die
unterschiedlichen Werkstoff- und Prozesskonzepte
beider Partner und die
resultierenden Auswirkungen auf die
Rohreigenschaften beurteilen zu können,
um hieraus beiderseitiges Optimierungspotenzial
für die zukünftige
Erzeugung ableiten zu können. Die
Zusammenarbeit in diesem Feld sichert
die Wettbewerbsposition beider Unternehmen
als führende Lieferanten von
Stählen höchster Festigkeit für die Ölund
Gasindustrie.
Neben der Durchführung von gemeinsamen
Werkstoff-Entwicklungsprojekten
umfasst die Zusammenarbeit
auch den Bereich der Prozesstechnik.
Beispielsweise hat POSCO eine Feuerverzinkungslinie
gebaut, bei der die Erfahrungen
und Kenntnisse aus dem Bau
und Betrieb der Anlage in Salzgitter eingeflossen
sind, wodurch die gemeinsame
Produktentwicklung zielgerichtet unterstützt
wird.
Geprägt von einer offenen, interkulturellen
Kommunikation gelingt es, die
Stärken der Partner POSCO und Salzgitter
gewinnbringend zusammenzuführen.
Daraus resultierend können den Kunden
beider Unternehmen bestmögliche Produkte
zur Verfügung gestellt werden.
Lufthärter in der neuen E-Klasse
Integralträger der neuen E-Klasse
Lufthärtende Stähle sind höchstfeste
Stähle, die im Lieferzustand weich
und sehr gut umformbar sind. Sie
werden nach der Bauteil-Umformung
gehärtet und erlangen erst dann ihre sehr
hohe Festigkeit. Diese Stähle wurden in
enger Zusammenarbeit mit Daimler
entwickelt.
Mit dieser Stahlsorte ist es möglich,
höchstfeste Bauteile in komplexer und
leichtgewichtiger Form zu fertigen, wie
es bisher nicht bekannt war.
LH®-Stähle sind daher eine echte Alternative
zu Aluminium, wenn es z. B. darum
geht, im Fahrzeugbau eine hohe Stabilität
bei minimalem Gewicht zu realisieren.
Weitere Eigenschaften und Vorteile:
Ideal für laser- und hochfrequenzgeschweißte
Rohre, hervorragend geeignet
für Innen-Hochdruck-Umformungen.
Erstes Beispiel für den erfolgreichen
Einsatz der LH®-Stähle: Bei der neuen
E-Klasse von Mercedes sind die Integralträger
komplett aus LH®800 gefertigt.
Hochschulen: Köpfe & Forschung
Markus Rottwinkel von der SZAG im Gespräch mit einem Aachener Studenten
Die Studenten von heute sind die Mitarbeiter von morgen.
Mit dem Engagement der Salzgitter AG an Hochschulen
und Forschungseinrichtungen sollen das Interesse
an der Stahlbranche gesteigert und die Bildungsangebote
vermehrt auf die berufliche Praxis ausgerichtet werden. Mit
bundesweit 13 Universitäten hat die Salzgitter AG Kooperationen
geschlossen und fördert Angebote und Projekte in vielen
Studiengängen. So zum Beispiel an der TU Braunschweig, der
TU Clausthal, der TU Freiberg, der Universität Hannover und
der RWTH Aachen. Fachspezifische Exkursionen bieten Studierenden
zahlreiche Möglichkeiten, einen ersten Einblick in den
Salzgitter Konzern zu erhalten und mögliche Berufsfelder zu
erkunden. Praktika, Semesterarbeiten und Abschlussarbeiten
vertiefen die ersten Kontakte. Weitere Infos zu Praktika oder
dem Berufseinstieg:
www.salzgitter-ag.de/de/Jobs_Karriere
ICAMS: Sieben Partner aus Wirtschaft & Wissenschaft
Die theoretische Beschreibung und numerische Berechnung
von Werkstoffeigenschaften ist der derzeit wahrscheinlich
innovativste Gedanke der Werkstofftechnologie.
Der Ansatz der Multiskalensimulation verspricht eine marktorientierte,
zeit- und ressourceneffiziente Material- und Produktentwicklung.
Die Salzgitter AG fördert zusammen mit dem Land
Nordrhein-Westfalen und sechs weiteren Partnern aus Wirtschaft
und Wissenschaft das Forschungsinstitut Interdisciplinary Centre
for Advanced Materials Simulation (ICAMS). Das an der Ruhr-
Universität Bochum (RUB) angesiedelte Spitzenforschungszentrum
(in Public-Private-Partnership) hat 2008 seine Arbeit aufgenommen.
Das Zentrum umfasst drei attraktiv ausgestattete Stiftungsprofessuren,
die im ICAMS organisiert sind. Das auf fünf Jahre angelegte
Anschubprogramm wird nach Ablauf der Gründungsphase
von der Ruhr-Universität Bochum weitergeführt. Mit dem Zentrum
erfährt die seit Jahren erfolgreiche Materialforschung an der
RUB eine weitere Stärkung. „In der jetzigen Konstellation haben
wir exzellente Voraussetzungen, um das Projekt am Standort
Bochum zu einem Erfolg zu machen, für die Ruhr-Universität
wie für die ganze Region und das Land Nordrhein-Westfalen“,
sagte Professor Wagner, Rektor der RUB.
WING: Vom Halbzeug zum Crash in der virtuellen Welt
Der Bedarf nach weiterer Gewichtseinsparung im Automobilbau
stellt die Stahlindustrie weiter vor immer wieder
neue Herausforderungen. Aus diesem Grunde startete
die SZMF im November 2006 im BMBF-Rahmenprogramm
WING das Projekt „Bauteilbewertung auf der Basis integraler
Werkstoffmodellierung entlang der Prozesskette“ gemeinsam mit
der Daimler AG, Kirchhoff Automotive Deutschland GmbH,
dem Softwareentwickler DYNAmore GmbH und den renommierten
Forschungsstellen Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik
und dem Max-Planck-Institut für Eisenforschung.
Ziel des Projektes ist die Beschleunigung der Entwicklung und
Markteinführung neuartiger Stähle. Die durchgängige, integrale
Prozesskettensimulation wurde auf Basis bereits genutzter Simulationsprogramme
entwickelt. Damit ist es möglich, insbesondere
die orts- und prozessabhängige Entwicklung der Werkstoffeigenschaften
durchgehend zu verfolgen. Ausgehend von der
Kaltbandherstellung werden die Stahleigenschaften mikromechanisch
modelliert und mithilfe eines virtuellen Labors an die Modellierung
der Bauteilherstellung gekoppelt. Die Autohersteller
können die Eigenschaften am fertigen Bauteil ortsbezogen ablesen,
ohne dass teure Großversuche bis hin zum Prototypenteil
nötig wären.
© Salzgitter AG - Quelle: www.salzgitter-ag.de - 30.07.2010