Vorwort des VorstandesSehr geehrte Damen und Herren Aktionäre, "erstens kommt es anders – und zweitens, als man denkt"; diese zugegebenermaßen banale Aussage charakterisiert die letztjährige Entwicklung der internationalen Rohstoffmärkte im Allgemeinen und des Stahlmarktes im Besonderen durchaus zutreffend. Obwohl - aus der Rückschau betrachtet - schon 2002 oder 2003 mancherlei Hinweise auf ein sich mit einiger Wahrscheinlichkeit anbahnendes Ungleichgewicht von Nachfrage und Angebot an Rohstoffen, Energieträgern, Seefrachtkapazitäten und Stahlerzeugnissen deuteten, folgten nahezu sämtliche Experten und Verbände dem Prinzip der Gleichsetzung von Prognose und Trendextrapolation. Stattdessen erfasste ein Trendbruch auch die für die Salzgitter AG relevanten Märkte. Stahl- und Röhrenprodukte sowie die zu ihrer Herstellung benötigten Vormaterialien wurden zu Mangelwaren. Ursache dessen war die Dynamik des Wirtschaftswachstums nicht nur in China, sondern auch in Nordamerika und anderen Teilen der Welt. Während wir in Europa und speziell in Deutschland noch immer auf den Aufschwung warteten, war er andernorts schon längst eingetreten und strebt einer Hochkonjunktur entgegen. Davon haben die Salzgitter AG und ihre Aktionäre in beträchtlicher Weise profitiert; 322,8 Mio. € Vorsteuergewinn des Geschäftsjahres 2004 und 62% Steigerung des Aktienkurses trotz Ausschüttung einer wiederum überdurchschnittlichen Dividende sprechen für sich. Das, was wir Ihnen im Vorwort zum letzten Geschäftsbericht versprochen haben, nämlich "sich bietende Chancen nutzen und Risiken begrenzen zu können", haben wir gehalten. In diesem Zusammenhang legen wir Wert darauf, die Umsetzung unseres konzernweiten Ergebnisverbesserungsprogrammes – unabhängig von den in der Tat günstigen externen Rahmenbedingungen – mit gleicher Konsequenz und mit Erfolg weiter betrieben zu haben. Betont prozyklisches Handeln ist unsere Sache nicht, auch wenn es sich bisweilen leichter kommunizieren lässt. Wirklicher Mehrwert lässt sich eher durch antizyklische Vorgehensweise schaffen. Das gilt auch für die Verwendung des Erlöses aus dem beabsichtigten Verkauf der 45% Anteile am Nahtlosrohr-Joint-Venture Vallourec & Mannesmann Tubes, mit dem wir die zu komplexe und schwerfällige Struktur in diesem Bereich straffen wollen. Dem Druck immer wiederkehrender ungeduldiger Fragen nachzugeben und nahe dem Zyklushöhepunkt teure Engagements einzugehen, ginge auf Kosten unserer Aktionäre und wäre daher falsch. Wir haben in der Vergangenheit einigen Sinn für richtiges Timing bewiesen – beispielsweise im Jahr 2000 mit dem zügigen Erwerb der Mannesmannröhren-Werke – und bitten Sie, uns auch diesmal zu vertrauen. Die vorgeschlagene Erhöhung der Dividende um 60% kann sich im Wettbewerbsvergleich sehen lassen; vor allem, wenn man bedenkt, dass wir die Dividende für das Geschäftsjahr 2002 mittels eines kräftigen Griffs in die Reserven der Obergesellschaft dargestellt haben. Es ist das Gebot nachhaltigen Wirtschaftens, die ursprüngliche Substanz wiederherzustellen. Während sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach wie vor uneinheitlich präsentieren, bieten die Walzstahl- und Röhrenmärkte ein überwiegend positives Bild. Mit Indien steht ein weiterer potenzieller Großverbraucher von industriellen Vorprodukten wie Stahl im Wartestand. Das schließt freilich kurzfristige zyklische Überlagerungen nicht aus. Die Salzgitter AG blickt daher mit Zuversicht in das laufende Geschäftsjahr, ohne dabei Risiken etwa aus Währungsentwicklungen zu verkennen. Stahl ist unverzichtbar; dies gilt nicht nur für die meist im Vordergrund stehenden industriellen Anwendungen, sondern auch für die heiteren und entspannenden Momente im Leben. Die visuelle Umsetzung dessen ist Gegenstand der Bildstory des Geschäftsberichtes, dem wir erneut eine dezente, gleichzeitig aber unverwechselbare optische Note gegeben haben. Ihnen, unseren Aktionären und Geschäftspartnern, danken wir – auch im Namen unserer engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – für die positive Begleitung im zurückliegenden Geschäftsjahr und setzen auf die erfolgreiche Fortführung unserer Partnerschaft.
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