Geschäftsbericht 2004

Schutz der Umwelt

Unsere unternehmerische Strategie ist auf kontinuierliche Gewinnerwirtschaftung sowie Wertsteigerung und damit nachhaltig angelegt. Auf Nachhaltigkeit setzen wir auch bei unseren umfangreichen Aktivitäten zum Schutz der Umwelt. Wir fühlen uns dem Ziel einer möglichst ressourcenschonenden und sicheren Produktion verpflichtet, das wir durch ständige Optimierung und Weiterentwicklung unserer Prozesse und Organisationsstrukturen verfolgen. Das Erreichte ist uns gleichzeitig Ansporn für stetige Verbesserungen. Dabei sind wir uns bewusst, dass dies nicht zum Nulltarif möglich ist. So liegen wir bei den spezifischen Umweltschutzaufwendungen zusammen mit anderen deutschen Stahlunternehmen weltweit an der Spitze. Auf Dauer ist unsere Zielsetzung aber nur zu erreichen, wenn Ansprüche zum Schutz der Umwelt nicht an Werkstoren oder nationalen Grenzen enden. Gerade die jüngsten Diskussionen zur Einführung des Emissionshandels haben wieder gezeigt, dass eine Produktion mit höchsten Standards für die Umwelt nur dann dauerhaft sichergestellt ist, wenn die Wirtschaftlichkeit und der Erhalt von Arbeitsplätzen gewährleistet bleiben. Insbesondere globale Themen wie der Klimaschutz erfordern einen globalen Ordnungsrahmen, um unternehmerische Aufgaben auch zukünftig aktiv und zielführend gestalten zu können.

Auch das Jahr 2004 war wieder durch umfangreiche Aktivitäten und Erfolge bei der Einführung und Zertifizierung von Umweltmanagementsystemen gekennzeichnet. Nach der erfolgreichen Zertifizierung der meisten inländischen Gesellschaften des Röhrenbereiches im Jahr 2003 wurden 2004 plangemäß drei Pilotbetriebe (Kokerei, Sinteranlage, Bandbeschichtung II) des integrierten Hüttenwerkes Salzgitter erstzertifiziert. Die komplette Zertifizierung ist bis 2006 vorgesehen. Wichtig ist dabei, dass es nicht nur bei Maßnahmen und Anordnungen bleibt. Wir wollen die Mitarbeiter aller Ebenen in den Prozess integrieren und das Bewusstsein für den Stellenwert des Umweltschutzes bei ihnen verankern. Auf Basis der Umweltmanagementsysteme werden jährlich Ziele und Kennzahlen festgelegt und auf ihre Einhaltung überprüft. Mit allen Maßnahmen sollen auch Ressourcen gespart und Kosten gesenkt werden. Unsere zielgerichtete Umsetzung zeigt hierbei, dass ökologische und ökonomische Aspekte durchaus Hand in Hand gehen können.

Einen Schwerpunkt unserer Aktivitäten bildeten Maßnahmen zur Emissionsminderung. So führte die Peiner Träger GmbH beim Neubau der Beam-Blank-Anlage, die Vorprofile im Stranggussverfahren herstellt, umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen durch. Damit konnten wir einen weiteren Beitrag zur Verbesserung der Situation im Stadtgebiet von Peine leisten.

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für die Betriebsaufnahme des Hochofens C in Salzgitter (November 2004) wurde eine gutachterliche Immissionsprognose im Hinblick auf eventuelle Zusatzbelastungen erstellt. Diese Prognose und die intensiven Vorbelastungsmessungen lagen bei allen Werten deutlich unter den Immissionsrichtwerten der TA Luft. Das Einhalten dieser Vorsorgewerte stellt sicher, dass von dem Betrieb des neuen Hochofens keine Nachteile oder Belästigungen ausgehen werden.

Die gesamten Aufwendungen des Unternehmensbereiches Stahl für den Umweltschutz betrugen im Geschäftsjahr 2004 132 Mio. €. Hiervon betrafen 46% Maßnahmen zur Luftreinhaltung, 23% den Gewässerschutz, 19% die Reststoffwirtschaft und 12% den Lärmschutz. Bei den inländischen Gesellschaften im Unternehmensbereich Röhren erreichten die Aufwendungen für den Umweltschutz eine Größenordung von 10 Mio. €. Dabei wurden für die Bereiche Luftreinhaltung 4%, Gewässerschutz 54%, Reststoffwirtschaft 32% und Lärmschutz 10% der Gesamtsumme aufgewendet.

Umweltschutzausgaben Unternehmensbereich Stahl 2004
Umweltschutzausgaben Unternehmensbereich Stahl 2004

Seit dem 1. Januar 2005 werden im Rahmen des Emissionshandels unter anderem für den Betrieb von Anlagen der Stahlerzeugung kontingentiert zugeteilte CO2-Emissionsberechtigungen gesetzlich verlangt. Aufgrund des von der Politik vorgegebenen, sehr ehrgeizigen Zeitplanes war das Jahr 2004 durch einen Gesetzgebungsprozess gekennzeichnet, den wir von Beginn an eng begleitet haben. Unser Ziel war es dabei, auf die bereits erreichten CO2-Ausstoßminderungen hinzuweisen und das Erfordernis einer wirtschaftsverträglichen Ausgestaltung des Zuteilungssystems zu verdeutlichen. Denn abweichend von anderen Wirtschaftsbereichen ist die CO2-Entstehung in der Stahlindustrie nicht Verbrennungsprozessen, sondern Reduktionsprozessen, die physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten unterliegen, zuzuordnen.

Umweltschutzausgaben Inländische Gesellschaften Unternehmensbereich Röhren 2004
Umweltschutzausgaben Inländische Gesellschaften Unternehmensbereich Röhren 2004

Bei der Stahlherstellung gibt es naturgesetzlich bestimmte Minima an Kohlenstoffverbrauch und damit CO2-Emissionen. Unsere Prozesse der Rohstahlproduktion sind so weit optimiert, dass wir uns an dem technisch machbaren Limit bewegen. Zu den bereits erreichten CO2-Minderungen in Deutschland konnte der Stahlbereich der Salzgitter AG Überdurchschnittliches beitragen: Er hat die spezifischen CO2-Emissionen seit 1990 um rund 25% gemindert.

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Spezifische CO2-Emissionen1) je t Rohstahl der Salzgitter Stahl GmbH

Spezifische CO2-Emissionen<sup>1)</sup> je t Rohstahl der Salzgitter Stahl GmbH
1) Die CO2-Emissionen aus Fremdstrombezug wurden mit den spezifischen Werten des RWI bewertet

Nach Durchführung des gesetzlich vorgeschriebenen Antragsverfahrens zum Erhalt kostenloser Emissionsberechtigungen für den Zeitraum 2005 bis 2007 wurden uns Mitte Dezember 2004 die Zuteilungsbescheide durch die Bundesbehörde übermittelt. Unseren Anträgen wurde dabei in den wesentlichen Zügen gefolgt.

Im Jahr 2004 sind die Diskussionen um die so genannte Integrierte Produktpolitik (IPP) auf europäischer Ebene fortgeführt worden. IPP hat zum Ziel, den Ressourcenverbrauch und die Umweltwirkungen der Erzeugnisse über ihren gesamten Lebenszyklus "von der Wiege bis zur Bahre" zu betrachten. Diese Betrachtungsweise umfasst alle Aspekte von der Produktkonzeption über die Herstellung, den Handel und die Nutzung bis zur Wiederverwendung oder Entsorgung. Regelungen und Anreize sollen auf der Nachfrageseite für möglichst umweltschonende Produkte sorgen. Die Salzgitter AG begreift Integrierte Produktpolitik als Chance. Bereits heute wird Stahl zu erheblichem Anteil aus recyceltem Schrott erzeugt. So liegt beispielsweise die Wiederverwertungsquote von Stahl beim Automobilrecycling in einer Größenordnung von über 90%. Mit seiner Recyclingfähigkeit und Innovationskraft ist Stahl einer der zukunftsfähigsten und umweltfreundlichsten Werkstoffe.


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