Geschäftsbericht 2004

Wirtschaftliche Lage

Entwicklung von Konjunktur, Stahl- und Rohrmarkt

Aufgrund der zum Teil sehr dynamischen Entwicklung der Weltwirtschaft – insbesondere in den Wachstumszentren USA und China – startete die Europäische Union (EU) schwungvoll in das Jahr 2004.

In Europa wurde die wirtschaftliche Expansion im weiteren Verlauf vor allem von den EU-Beitrittsländern und von Großbritannien getragen. Im Gefolge des weltwirtschaftlichen Aufschwungs gewann auch die Konjunktur in Deutschland spürbar an Fahrt. Die Nachfrage aus dem Ausland nach deutschen Industrieprodukten stieg besonders in der ersten Jahreshälfte äußerst kräftig. Dennoch blieben Tempo und Ausmaß der Erholung - über das Jahr betrachtet - im Vergleich zu früheren Aufschwungphasen gering. Bei erheblicher Zunahme der Ausfuhr belebte sich die Binnennachfrage in der EU insgesamt nur sehr verhalten. Die Investitionsdynamik war trotz günstiger Absatzperspektiven auf den Auslandsmärkten gering, in Deutschland in der ersten Jahreshälfte 2004 sogar rückläufig.

Gesamtwirtschaftliche Indikatoren Deutschland

Gesamtwirtschaftliche Indikatoren Deutschland
1) Quelle: Statistisches Bundesamt
2) Quelle: Deutsche Bundesbank

Der bis dahin vitale weltwirtschaftliche Aufschwung verlor nach der Jahresmitte an Kraft, insbesondere weil der außerordentlich hohe Rohölpreis die wirtschaftliche Aktivität in vielen Industrie- und Schwellenländern dämpfte. Zudem schwenkte die Wirtschaftspolitik in den Ländern, die den Aufschwung anführten, auf einen weniger expansiven Kurs. So suchte die Regierung in China angesichts von Engpässen in einigen Sektoren die kräftige wirtschaftliche Expansion zu beruhigen. In den USA liefen die starken finanzpolitischen Impulse aus. Insgesamt wuchs die Weltwirtschaft im Jahr 2004 um annähernd 5%.

Die Konjunktur im Euroraum – und hier insbesondere in Deutschland – büßte während der zweiten Jahreshälfte als Folge der Abschwächung der Exporte an Dynamik ein. Für das Gesamtjahr erreichten die Wachstumsraten des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Euroraum 1,8% und in Deutschland 1,6%, wobei letztere schon eine erfreuliche Belebung darstellen, nachdem Deutschland im Jahr 2003 eine Rate von -0,1% verzeichnete.

Im Zuge des weltwirtschaftlichen Aufschwungs erlebte die Stahlindustrie 2004 den stärksten Boom der letzten fünfzehn Jahre. Erstmalig überschritt die Weltrohstahlproduktion (1.055 Mio. t) die 1-Milliarde- Tonnen-Grenze. Die Walzstahlproduktion lag jenseits 900 Mio. t – ebenfalls ein neuer Rekord.

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Rohstahlproduktion Welt

Rohstahlproduktion Welt
Quelle: International Iron & Steel Institute

Im Mittelpunkt des Stahlbooms stand die Entwicklung in China. Dort stieg die Rohstahlerzeugung um mehr als 50 Mio. t auf 272 Mio. t. Dabei blieb der Importbedarf nahezu ungebrochen. Nach 40 Mio. t im Jahr 2003 wurden 2004 30 Mio. t Walzstahl eingeführt. Aber auch neben China haben sich industrielle Wachstumszentren mit hohem Stahlbedarf herausgebildet. Im NAFTA-Raum ist die Stahlnachfrage im zurückliegenden Jahr um 11,5%, in der EU-25 um 3,8% und im übrigen Asien um 3,7% gewachsen. Auch in der GUS – insbesondere in Russland – war der Stahlverbrauch 2004 deutlich aufwärts gerichtet. Mit der Steigerung des weltweiten Stahlbedarfs ging ein Nachfragesog nach Rohstoffen einher. Er führte zu Engpässen beim Angebot von Erz, Kohle, Koks und Schrott – mit dem Ergebnis außergewöhnlicher Preissteigerungen: Auf USD-Basis gerechnet verteuerten sich die für die Stahlerzeugung wesentlichen Rohstoffe 2004 im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 35%. Als Folge der hohen Stahlnachfrage bei gleichzeitiger Rohstoffknappheit wurde Stahl auf den Weltmärkten ein knappes Gut. Die Walzstahlpreise kletterten im Jahresverlauf auf Rekordhöhen; in der EU schlossen sie Ende 2004 zu denjenigen in den USA, die bis dahin das weltweit höchste Niveau markierten, auf.

Die Stahlverwendung in der EU legte 2004 gegenüber dem Vorjahr um fast 4% zu. Das Jahr war von einer günstigen Entwicklung bei den meisten Stahlverarbeitern gekennzeichnet: allen voran standen der Maschinenbau, die Röhrenhersteller, der Schiffsbau und der Straßenfahrzeugbau – insbesondere der Nutzfahrzeugbau. Sie profitierten in einigen EU-Ländern von der hohen Binnennachfrage (Spanien, Großbritannien) und andererseits – wie in Deutschland – von kräftigen Auslandsorders. Die Bilanz der Bauwirtschaft in der EU wurde hingegen insbesondere durch die schlechte Situation in Deutschland beeinträchtigt. In der zweiten Jahreshälfte verlor auch die traditionell dynamische spanische und britische Bauwirtschaft an Schwung. Unter der Schwäche des europäischen Bausektors litt in besonderem Maße das Geschäft mit Trägern. Den europäischen Herstellern von Flachstahl und Quartoblechen dagegen brachte das Jahr 2004 volle Auftragsbücher und eine im Durchschnitt deutlich höhere Kapazitätsauslastung als noch vor Jahresfrist. Das kommt auch in der gestiegenen Rohstahlproduktion (+5,0% in der EU-25, +3,5% in Deutschland) zum Ausdruck.

Die Stahlrohrbranche zählt zu den exportintensivsten Industrien in Europa - allein rund 76% der deutschen Produktion werden ins Ausland verkauft – und konnte damit in besonderem Maße am überwiegend von Investitionen getriebenen internationalen Konjunkturaufschwung partizipieren. Auch stark steigende Vormaterialkosten konnten den zu Jahresbeginn 2004 einsetzenden Aufschwung der Branche nicht entscheidend hemmen. Begünstigt wurde dies insbesondere durch die sehr hohen Öl- und Gaspreise. Die Ölkonzerne nahmen 2004 – neben den aufgrund des Irak-Konflikts zunächst verschobenen Projekten – vermehrt auch Erschließungsvorhaben in Angriff, die einige Monate zuvor noch nicht wirtschaftlich waren. Dies trug zu einer nachhaltigen Stabilisierung des Röhrenbedarfs im Explorations- und Energieleitungssegment bei. Darüber hinaus profitierten die Stahlrohrhersteller von beträchtlichen Kraftwerksinvestitionen in China und dem damit zusammenhängenden Bedarf an Wärmetauscher- und Kesselrohren. Entsprechend dem gestiegenen Investitionsvolumen erhöhte sich der Bedarf an Rohren im Segment Maschinen- und Anlagenbau ebenfalls. Auch der Rohrbedarf der Automobilindustrie wuchs bei nahezu konstanter Produktion, da zahlreiche neue Modelle mit höherem Stahlrohranteil auf den Markt kamen. Die Nachteile für die Stahlrohrindustrie aus rasant steigenden Vormaterialkosten – Warmbreitband hat sich im Jahresverlauf um mehr als 200 EUR/t auf zuletzt rund 500 EUR/t verteuert – sowie aus einer weiteren massiven Abwertung des US-Dollars um 7% auf 1,36 USD/EUR konnten größtenteils durch Preiserhöhungen aufgefangen werden.

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Stahlrohrproduktion Welt

Stahlrohrproduktion Welt
Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre

Die Weltstahlrohrproduktion stieg 2004 auf 79,5 Mio. t und damit im Vergleich zum Vorjahr um 9% an, wobei sich erneut Veränderungen der regionalen Produktionsanteile ergaben. China verbuchte mit +20% auf 21,2 Mio. t den größten Produktionszuwachs. Auch alle maßgeblichen Länder der westlichen Welt verzeichneten in 2004 wieder deutliche Zuwachsraten, wobei die USA mit +15% auf 4,8 Mio. t vor Deutschland mit +11% auf 3,5 Mio. t, Frankreich mit +9% auf 1,4 Mio. t und Japan mit +7% auf 8,7 Mio. t den höchsten Anstieg aufwiesen. Die Stahlrohrproduktion in Brasilien stieg um +3% auf 1,8 Mio. t. Unter den bedeutenden Stahlrohrnationen partizipierte lediglich Russland mit -1% auf 6,1 Mio. t nicht an dem weltweiten Wachstum.

Im Bereich der nahtlosen Rohre konnte die Produktion global um +16% auf 23,9 Mio. t gesteigert werden. Geschweißte Rohre mit einem äußeren Durchmesser bis 406 mm verzeichneten mit einer Erzeugung von 46,2 Mio. t eine Ausweitung um +6%, und die Produktion von Großrohren wuchs nach einer Stagnation 2003 im Jahr 2004 ebenfalls um +6% auf 9,4 Mio. t.


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