Geschäftsbericht 2004

Wirtschaftliche Lage

Beschaffung

Die Beschaffungsaktivitäten des Konzerns konzentrieren sich schwerpunktmäßig auf Rohstoffe und Energieträger zur Stahlerzeugung sowie Halbzeug für die Röhrenproduktion. Der Bezug von Stahlprodukten durch den Handel vollzieht sich im Absatzmarkt der eigenen Stahl- und Röhrenherstellung und wird hier nicht betrachtet.

Preisentwicklung frei Werk ausgewählter Rohstoffe und Energieträger

Preisentwicklung frei Werk ausgewählter Rohstoffe und Energieträger

Der gewaltige Rohstoffbedarf in China beeinflusste die Rohstoff- und Frachtenmärkte auch im Geschäftsjahr 2004 gravierend. Trotz erheblicher Engpässe auf wichtigen Rohstoffmärkten ist es gelungen, die Versorgung jederzeit in vollem Umfang sicherzustellen, wenngleich Preiserhöhungen gegenüber dem Vorjahr unvermeidlich waren.

So ist die hohe Erznachfrage dafür ausschlaggebend gewesen, dass die Salzgitter Flachstahl GmbH (SZFG) Preissteigerungen auf USD-Basis um 20% fob Ladehafen akzeptieren musste. Die gesamte Erzbezugsmenge der SZFG in 2004 betrug 5,7 Mio. t, die – je nach Sorte – in Schweden, Kanada, Venezuela, Brasilien und Südafrika kontrahiert war.

Da der Erzbedarf in 2005 weiterhin sehr groß sein wird, ist auch für dieses Jahr ein sehr enger Markt zu erwarten, insbesondere bei der Versorgung mit Pellets und Stückerz. Aus diesem Grunde wird für 2005 wiederum mit erheblichen Erzpreissteigerungen gerechnet.

Im Jahr 2004 zeigte sich der Weltmarkt für Kokskohle sehr angespannt. Infolge der starken Nachfrage stiegen weltweit die fob-Jahrespreise in USD für Langfristverträge im "Kohlejahr 2004/2005" (01.04.2004 -31.03.2005) um 20% im Vergleich zum Vorjahr. Die Weltmarktsituation wurde durch Förder- und Lieferprobleme bei einigen großen Lieferanten zusätzlich verschärft. Diese Faktoren waren der Auslöser dafür, dass qualitativ hochwertige Kokskohle auf dem Spotmarkt nur im geringen Umfang und zu stark erhöhten Preisen verfügbar war. Im Kalenderjahr 2004 bezog die SZFG insgesamt 1,9 Mio. t Kokskohle. Lieferländer waren Deutschland, Australien, Kanada, USA und Polen.

Für das "Kohlejahr 2005/2006" erwarten wir, nach ersten Abschlüssen Ende 2004, gravierende Preissteigerungen von über 100% auf fob-Basis. Der drastische Preisanstieg für Kokskohle ergibt sich aus der aktuellen Marktlage, derzufolge die erwartete Nachfrage das Angebot in 2005 deutlich übersteigen wird. Die Ankündigungen einiger Produzenten, ihre Produktionsmengen zu erhöhen und die Hafenkapazitäten zu erweitern, werden sich voraussichtlich erst in 2 bis 3 Jahren auswirken.

Der Seefrachtenmarkt für Eisenerz und Kokskohle verzeichnete im 1. Quartal 2004 Ratenerhöhungen in einer bisher nie da gewesenen Form. Für nahezu alle Relationen stiegen die Frachtraten auf historische Höchstwerte. Verursacht wurde diese außergewöhnliche Entwicklung ebenfalls vom anhaltenden Nachfrageboom in China sowie langen Wartezeiten in verschiedenen Ladehäfen. Nach einer leichten Beruhigung des Marktes im Verlauf des Jahres zogen die Preise im 4. Quartal wieder stark an und erreichten am Jahresende nahezu die Rekordmarken vom Jahresbeginn. Da unser Bedarf an Frachtkapazitäten für Erz und Kohle in 2004 zu einem Großteil über günstigere Langfrist-Verträge abgedeckt war, konnte der negative Einfluss auf die Einstandskosten in Grenzen gehalten werden.

Für 2005 ist – mindestens für die erste Jahreshälfte – von einem weiterhin festen Markt mit Frachtraten auf hohem Niveau auszugehen. Um diesem Trend zu begegnen, hat die SZFG auch für das Geschäftsjahr 2005 Langfrist-Frachtverträge abgeschlossen, die deutlich unter dem aktuellen Frachtratenniveau liegen.

Der enorme Bedarf auf dem chinesischen Markt ließ die Kokspreise in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 2004 weiterhin bis auf einen Höchststand von fast 500 USD fob Ladehafen für einen Spotmarktkauf in China steigen. In der zweiten Jahreshälfte entspannte sich der Koksmarkt deutlich. Dies führte zu gesunkenen Preisen und wieder größerer Verfügbarkeit auf dem Weltmarkt. Für SZFG stiegen die Fremdkokspreise gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um mehr als das Doppelte.

In 2005 erwarten wir Preiserhöhungen, die naturgemäß aus dem Preisanstieg für Kokskohle resultieren werden. Unser mengenmäßiger Bedarf für das Geschäftsjahr 2005 ist weitestgehend durch Langfrist-Verträge gesichert.

Trotz des um 35% gestiegenen Rohölpreises ist der Preis für schweres Heizöl zum Einsatz als Reduktionsmittel in die Hochöfen der SZFG im Geschäftsjahr 2004 gegenüber dem Vorjahr um 8% gesunken. Ursache hierfür war der milde Winter und die dadurch bedingte relativ geringe Nachfrage. Im Geschäftsjahr 2005 rechnen wir wieder mit leichten Preisanstiegen.

Die Erdgasbezugskosten sind im Kalenderjahr 2004 für den Stahlbereich im Vergleich zum Vorjahr um 9% gesunken. Ursächlich dafür war der relativ geringere Preis für schweres Heizöl in den Referenzmonaten, die maßgebend für die Erdgasabrechnung sind. Für das Kalenderjahr 2005 wird – verglichen mit dem abgelaufenen Jahr – mit relativ konstanten Preisen gerechnet.

Der Preisanstieg für Strom setzte sich auch in 2004 fort. Für den Unternehmensbereich Stahl führte diese Entwicklung zu einer Erhöhung der reinen Strombeschaffungskosten gegenüber dem Vorjahr um 7%. In 2005 werden die Stromkosten nochmals um 21% steigen.

Die Preisentwicklung im Bereich der Ferro-Legierungen war bis in das 3. Quartal des Berichtsjahres 2004 von massiven Erhöhungen geprägt. Bei einzelnen Massenlegierungen mussten wir Preissteigerungen um mehr als 100%, bei Ferro-Molybdän sogar um 340% gegenüber dem Geschäftsjahresanfang akzeptieren. Die Börse für Metalle wurde in 2004 sehr stark von Investmentfonds beeinflusst. Zu Beginn 2004 wurde Nickel mit Notierungen jenseits der 17.000 USD/t gehandelt. Nach kurzfristigem Rückgang Mitte des Jahres haben sich die Börsennotierungen Ende 2004 auf einem Niveau zwischen 13.000 USD/t und 15.000 USD/t eingependelt. Eine ähnliche Entwicklung war beim Zink festzustellen. Mit langfristigen Preisabsicherungen für Teilmengen unseres Zinkbedarfs zu relativ günstigen Börsennotierungen konnten deutliche Einsparungen erzielt werden. Für das Jahr 2005 erwarten wir etwas fallende Preise.

Infolge des schwachen US-Dollars wurden die exorbitanten Rohstoffpreiserhöhungen teilweise kompensiert.

Aufgrund der weltweit starken Auslastung der Stahlindustrie und der damit verbundenen hohen Nachfrage nach Stahlschrott lag der Einkaufspreis für SZFG (+65%) und PTG (+50%) erheblich über den Vorjahreswerten. Die Schrottbezugsmenge der SZFG betrug im Geschäftsjahr 2004 0,4 Mio. t und die der PTG 1,0 Mio. t. Für 2005 erwarten wir einen Durchschnittspreis für Schrott, der nochmals um 20% höher ausfallen wird.

Für die Gesellschaften des Unternehmensbereiches Röhren ist die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM) in Duisburg wichtigster Vormateriallieferant. Im Geschäftsjahr 2004 lieferte sie 0,8 Mio. t Brammen zur Herstellung von Grobblechen beziehungsweise Warmbreitband für die Produktion geschweißter Rohre – Großrohre, Mittlere Leitungsrohre und Präzisrohre. HKM ist mit 1,0 Mio. t auch Hauptlieferant von Röhrenrund zur Erzeugung nahtloser Rohre bei dem assoziierten Unternehmen Vallourec & Mannesmann Tubes S.A. (V&M), das wiederum den Präzisrohrbereich mit Luppen zur Herstellung nahtloser Präzisrohre versorgt. Darüber hinaus kauften die Gesellschaften des Röhrenbereiches, die geschweißte Rohre aus Warmbreitband herstellen, Warmbreitband von anderen Salzgitter-Konzerngesellschaften zu.

Aufgrund der gestiegenen Preise für Erz, Kohle, Schrott und Legierungsmittel erhöhte sich auch der verrechnete Vormaterialpreis für Röhrenrund und Brammen ex HKM sowie für Warmbreitband signifikant.

Die Kosten für den Strombezug nahmen in 2004 gegenüber dem Vorjahr um 9% zu, während sie für den Erdgasbezug um 7% zurückgingen.

Die Einkaufspreise für Dienstleistungen und sonstige Materialien konnten im Wesentlichen stabil gehalten werden.


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