Geschäftsbericht 2004

Forschung und Entwicklung

Innovationen sind wesentliche Voraussetzungen für Wachstum und schaffen die Möglichkeit der aktiven Zukunftsgestaltung. Die enge Kooperation der am Markt agierenden Unternehmen mit unserer zentralen Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft kombiniert die Aspekte Markterfolg und technische Neuerung im Innovationsprozess. Mit der Neustrukturierung der FuE-Einheiten in der Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH (SZMF) wird diese Organisation zusätzlich gestärkt.

Die SZMF vereint nun die FuE-Einheiten aus den Unternehmensbereichen Stahl und Röhren. Um das Ziel "Konzentration auf unsere Entwicklungsschwerpunkte" erfolgreich auf die neue Gesellschaft zu übertragen, fand gleichzeitig eine Straffung des Aufbaus statt. Der intensive Wissensaustausch unter einem Dach hat bereits im ersten Jahr beachtliche Synergien erschlossen. So schöpfen wir etwa bei der Entwicklung neuer Werkstoffe für Flachprodukte aus den Erfahrungen der Rohrentwicklung und vice versa - ein zusätzlicher Nutzeffekt, der uns vom Wettbewerb differenziert.

Forschungs- und Entwicklungsaufwand für Flachprodukte
Forschungs- und Entwicklungsaufwand für Flachprodukte

Im Jahr 2004 hat der Salzgitter-Konzern 57 Mio. € für FuE-Aktivitäten und FuE-nahe Qualitätsmanagementmaßnahmen aufgewendet. 701 Mitarbeiter waren mit diesen Aufgaben beschäftigt.

Eine wesentliche Grundlage für zeitlich und finanziell effizient erarbeitete technologische Entwicklungen ist ein ausgeprägtes Netzwerk zu führenden Hochschulinstituten, öffentlichen Forschungseinrichtungen und Partnerfirmen. Dieses Netz pflegen wir unter anderem durch unsere aktive Teilnahme an der Entwicklung akademischer Einrichtungen.

So beteiligt sich die SZMF an der Produktionstechnisches Zentrum Hannover GmbH (PZH) der Universität Hannover. Die PZH ist eine Public-Private-Partnership, die die Forscher der großen hannoverschen Maschinenbauinstitute mit der Industrie an einen Tisch bringt.

An der Technischen Universität Braunschweig ist seit 2003 die von der Salzgitter AG getragene Stiftungsprofessur "Institut für Bauwerkserhaltung und Tragwerk" eingerichtet. In mehreren gemeinsamen Forschungsprojekten stehen Mitarbeiter des Instituts und des Salzgitter-Konzerns im engen Dialog über neue Entwicklungen und Trends für den "Einsatz von Stahl in der Bauindustrie". Dazu gehören Problemstellungen wie: Kleben im Stahlbau, innovative Bauprodukte oder Bauen im Bestand.

Bei der Entwicklung des Dünnbandgießverfahrens (DSC - Direct Strip Casting) und der damit zu erzeugenden neuen Klasse an Stählen, die einen Quantensprung zu den herkömmlichen Stählen darstellen, arbeiten wir sehr eng mit der Technischen Universität Clausthal zusammen.

Ein weiteres Beispiel ist die Übernahme eines Stipendiums im Rahmen der International Max Planck Research School. Im Forschungsschwerpunkt "Surface and Interface Engineering in Advanced Materials" fördern wir Promotionsstipendiaten, die durch modernste Nanostrukturierung maßgeschneiderter Oberflächen die Brücke zwischen fundamentalen wissenschaftlichen Fragestellungen und ingenieurwissenschaftlichen Lösungsansätzen schlagen.

Ein Beispiel für die Umsetzung unseres Anspruchs, anwendungsorientierte Lösungen mit großer Marktnähe zeit- und kosteneffizient zu entwickeln, ist die µPhos®-Mikrophosphatierung - ein Markenzeichen der Salzgitter-Gruppe. So ermöglichen wir insbesondere unseren Automobilkunden, ihre hohen Anforderungen an Blechteile wirtschaftlich zu realisieren. Die amorphe µPhos®-Beschichtung mit einer Schichtdicke im Bereich der Nanoskala (300-mal dünner als ein menschliches Haar) setzt neue Maßstäbe bei den Umformeigenschaften. Sie bietet die Vorteile herkömmlicher, deutlich dickerer Phosphatierungen auch bei mehrstufigen Umformprozessen. Zusammen mit ihren korrosionsschützenden Eigenschaften stellt µPhos® damit einen Meilenstein für unsere Automobilkunden dar.

Forschungs- und Entwicklungsaufwand für Rohrprodukte
Forschungs- und Entwicklungsaufwand für Rohrprodukte

Mit neu entwickelten Werkstoffvarianten für Hochdruckrohre in Dieselmotoren trägt die MHP Mannesmann Präzisrohr GmbH zur weiteren Effizienzsteigerung von Dieselmotoren bei. Diese Rohre halten Betriebsdrücken bis zu 1.800 bar stand und übertreffen die Leistungen ihrer Vorgänger damit um etwa 10%. Entsprechende Verbesserungen des Wirkungsgrades von Verbrennungsmotoren erfüllen die Bedürfnisse des Marktes nach sparsameren und leichteren Fahrzeugen mit gesenktem CO2-Ausstoß. Die schnelle Freigabe des Werkstoffes durch die Automobilbauer bestätigt die von uns sehr positiv eingeschätzten Marktchancen dieser Präzisionsrohre.

Des Weiteren wurden neue hochfeste Dualphasenstähle in verzinkter Ausführung für den Automobilbau entwickelt und erfolgreich in den Markt eingeführt. Die Besonderheit der Stähle ist, dass sie trotz ihrer Festigkeit eine sehr gute Verformbarkeit aufweisen und damit auch für Bauteile mit komplexer Form geeignet sind. Diese Eigenschaften erlauben es unseren Kunden aus der Automobilindustrie, die erforderlichen Bauteilfestigkeiten bei gesenktem Gewicht zu erzielen. So können die heutigen Anforderungen an Leichtbau und Fahreigenschaften erfüllt werden.

Neuartige veredelte Stahlbleche für Haushaltsgeräte wurden in einem Konsortium mit vier Partnern vom Endabnehmer über eines unserer Stahl-Service-Center, dem Blechproduzenten bis zur FuE-Gesellschaft entwickelt. Die Bleche erhalten ihren vollständigen Schichtaufbau bereits in der Produktion bei der Salzgitter Flachstahl GmbH. Die Beschichtung zeichnet sich durch ihr unverwechselbares Aussehen und hohen Glanz aus, wobei Anforderungen an Korrosionsbeständigkeit und Oberflächenqualität die Standards der Automobilindustrie noch übertreffen. Unser Produkt wird bereits für hochwertige Küchengeräte verwendet.

Im Bereich Röhren ermöglichen innovative Verfahren der Produktion längsnahtgeschweißter Rohre deutlich verbesserte Eigenschaften für die Tiefseeverlegung.

Das kommt vor allem dem Tiefsee-Transport von Erdöl und Erdgas zugute, der, auch wegen der Erschließung neuer Lagerstätten in immer größeren Wassertiefen, rasant an Bedeutung gewinnt. Die hohen Anforderungen an das Material beruhen hierbei auf der Verformung beim Verlegen unter der gleichzeitigen Wirkung des hydrostatischen Außendrucks des Wassers. Neben numerischen Untersuchungen führt SZMF Experimente in ihrer 2004 in Betrieb genommenen, weltgrößten Kollapsprüfanlage durch, um die Druckbeständigkeit und Leistungsfähigkeit der Rohre zu prüfen und zu optimieren.

Die Erfolge unserer Produktinnovationen am Markt bestätigen das Leistungsvermögen der eigenen FuE. Kundenorientierung, Innovationsfähigkeit und Technologiekompetenz bilden auch weiterhin die Maßstäbe, um einen Beitrag zur Zukunftssicherung des Salzgitter-Konzerns zu leisten.


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