Geschäftsbericht 2004

Ausblick

Im Jahr 2005 dürfte sowohl die gesamtwirtschaftliche Entwicklung als auch die Produktion in den Industrieländern weiter expandieren; wenngleich mit geringeren Raten als 2004. Die konjunkturelle Dynamik in den USA schwächt sich voraussichtlich ab, und in China weist die Entwicklung auf ein weniger stürmisches Wachstum von Produktion und Nachfrage hin. Die chinesische Importnachfrage soll 2005 zwar schwächer zunehmen, der Weltwirtschaft aber immer noch spürbare Impulse geben. Insgesamt scheinen die konjunkturellen Auftriebskräfte so gefestigt zu sein, dass trotz des Ölpreisanstiegs und der nachlassenden Stimulanz durch die Geld- und Finanzpolitik ein Abgleiten in einen Abschwung nicht zu erwarten ist.

Die Weltwirtschaft dürfte 2005 real um 3,2% wachsen, nach einem mit 4,8% sehr kräftigen Anstieg im zurückliegenden Jahr.

Auch in der Europäischen Union wird die konjunkturelle Expansion 2005 voraussichtlich flacher verlaufen. Dabei wird erwartet, dass die Zuwachsraten vor allem in Großbritannien und in den neuen Mitgliedsländern spürbar zurückgehen.

Die für die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands bestimmenden außenwirtschaftlichen Impulse werden 2005 in dem Maße schwächer, wie der globale Aufschwung – insbesondere in den Kraftzentren USA und China – an Fahrt verliert. Gleichzeitig scheint die Ausweitung der Inlandsnachfrage, die im ausgehenden Jahr 2004 einsetzte, nicht stark genug, um geringere Exportzuwächse auszugleichen. Alles in allem soll das reale Bruttoinlandsprodukt 2005 gemäß Sachverständigenrat nur noch um etwa 1% zunehmen nach 1,6% Wachstum im Jahr zuvor.

Die künftige Entwicklung auf den globalen Stahlmärkten wird besonders vom weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung in China beeinflusst. Aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung, der wachsenden Kaufkraft der Bevölkerung und dem notwendigen Ausbau der Infrastruktur ist auch für 2005 von einem anhaltenden Wachstum des chinesischen Stahlbedarfs auszugehen. Andere bevölkerungsreiche Staaten wie beispielsweise Indien und Russland werden 2005 vermutlich ebenfalls Impulse für die weltweite Marktversorgung mit Stahl geben. Wenngleich sich die Steigerungsraten von Marktversorgung und Rohstahlerzeugung 2005 auch abflachen dürften, sollte der absolute Zuwachs jedoch beachtlich sein. Das International Iron and Steel Institute (IISI) erwartet ein Wachstum der weltweiten Marktversorgung in Höhe von knapp 5%, wobei hohe Wachstumsraten neben China (9,8%) auch für Mittel- und Südamerika (5,5%) und Indien (6,8%) prognostiziert werden. Die Rohstahlproduktion dürfte weltweit um etwa 4% zulegen. Für die EU wird auch 2005 mit einer Zunahme der Stahlverwendung gerechnet. Der voraussichtliche Anstieg bleibt mit 2,5% aber hinter demjenigen des Jahres 2004 (4%) zurück. Maßgeblich hierfür ist das als Folge der nachlassenden Auslandsnachfrage moderater wachsende Aktivitätsniveau der meisten europäischen Stahlverarbeiter.

Verbunden mit der Einschätzung der weltweiten Stahlmarktentwicklung wird auch die Lage bei den Rohstoffen als weiterhin angespannt beurteilt.

Die Preise für Eisenerz, Kohle, Koks, Schrott und die übrigen Einsatzstoffe der Stahlerzeugung werden voraussichtlich auf hohem Level bleiben oder ansteigen; eine Entspannung ist kurzfristig nicht in Sicht.

Die Stahlrohrindustrie sollte auch im Jahr 2005 gut beschäftigt bleiben, da sämtliche Indikatoren auf eine noch länger anhaltende Hochphase hindeuten. Vor allem der bereits zu Jahresbeginn erreichte Auftragsbestand, der eine hohe Auslastung bei gleichzeitiger guter Erlösqualität für die kommenden Monate sichert, bildet die Grundlage der optimistischen Prognose für das laufende Jahr. Die Erwartung, dass die Zyklen sowohl der Flachstahl- als auch der Röhrenkonjunktur voraussichtlich auch in 2005 parallel verlaufen werden, sollte abermals zu einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Vormaterial führen. Damit dürfte das Angebot an Röhren aus Warmbreitband oder Grobblech begrenzt bleiben.

Die weitere Entwicklung des Stahlrohrmarktes in 2005 bleibt eng mit der Lage der Weltwirtschaft verbunden. Die Nachfrage nach Stahlrohren für den Energiebereich dürfte weiter von den in Realisierung befindlichen Investitionsprogrammen der Ölkonzerne zum Ausbau der Förder- und Transportsysteme profitieren. Außerdem betreiben viele Energiekonzerne die Modernisierung und Erweiterung ihrer Kraftwerksinfrastruktur. Im Bereich der Rohre für den Maschinen- und Anlagenbau sollte die verstärkte Investitionstätigkeit eine weiterhin stabile Nachfrage sichern. Der deutliche Anstieg der Bestellungen zum Jahresende 2004 könnte eine spürbare Zunahme der Automobilproduktion in 2005 einleiten, sodass die Nachfrage nach Rohren für die Automobilindustrie auf dem guten Niveau des Vorjahres erwartet wird.

Vor diesem Hintergrund kann für die europäische Stahlrohrindustrie im Jahr 2005 eine mindestens vergleichbar positive Entwicklung wie im abgelaufenen Jahr prognostiziert werden.

Eine große Gefahr für das Exportgeschäft der europäischen Stahlrohrhersteller stellt allerdings auch 2005 der gegenüber dem Euro weiterhin schwache US-Dollar dar. Hier bleibt abzuwarten, inwieweit Japan und andere asiatische Staaten dauerhaft eine Aufwertung ihrer Währungen gegenüber dem US-Dollar verhindern.

Für die einzelnen Unternehmensbereiche des Salzgitter-Konzerns erwarten wir im Geschäftsjahr 2005 die nachfolgend dargestellte Entwicklung.

Der Unternehmensbereich Stahl plant für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinn etwa auf dem Niveau von 2004. Dies wird im Wesentlichen getragen von Beiträgen der SZFG und der ILG, während PTG und SZGR jeweils einstellige Millionengewinne erwarten.

Die geplante Entwicklung bei SZFG resultiert aus positiveren Erlösansätzen, erhöhtem Brammenzukauf und größeren Instandhaltungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Hochofenzustellung. Steigenden Seefrachten und spürbaren Preiserhöhungen für dollarkursabhängige Einsatzstoffe stehen positive Einflüsse aus der veränderten Währungsrelation des Euro im Vergleich zum US-Dollar und die Wirkung zahlreicher Maßnahmen des EVP gegenüber.

Nach Eliminierung der 38,5 Mio. € außerplanmäßigen Abschreibungen aus dem Ergebnis 2004 der PTG ergibt sich ein leicht positives Resultat, das in vergleichbarer Größenordnung auch für 2005 erwartet wird. Eine etwas schwächere Beschäftigung soll durch verbesserte Margen kompensiert werden.

Bei ILG leitet sich die Planung eines mittleren zweistelligen Millionengewinns aus einer hohen Auslastung, verbessertem Erlösniveau und gegenläufig deutlich gestiegenen Vormaterialpreisen ab.

SZGR rechnet für das Jahr 2005 mit einem gegenüber dem Vorjahr verbesserten, wieder positiven Ergebnis.

Der Unternehmensbereich Handel erwartet im Geschäftsjahr 2005 eine Normalisierung der Margen des Lagergeschäftes. Einhergehend mit einer Stabilisierung der Stahlpreise auf auskömmlichem Level dürfte der Einfluss der im Geschäftsjahr 2004 maßgeblichen Effekte des Verkaufs zu niedrigen Einstandspreisen beschaffter Bestände stark rückläufig sein.

Dennoch plant die SHD-Gruppe einen gegenüber 2004 zwar wesentlich geringeren, aber im langjährigen Vergleich vorzeigbaren zweistelligen Millionengewinn, der primär von den Gesellschaften SSH, SCB und SID erwirtschaftet werden soll.

Während der Lager haltende Grobblechspezialist UES eine der SSH parallele Ergebnisentwicklung erwartet, die auf einen einstelligen Millionengewinn führt, soll das Resultat 2005 des Stahl-Service- Centers HLG auf dem Niveau des Vorjahres auskommen. RSA rechnet bei sich aufgrund von Bewertungseinflüssen verengenden Margen mit einem geringeren Gewinn als im Geschäftsjahr 2004.

Der Ergebnisbeitrag des Unternehmensbereiches Dienstleistungen bleibt im Jahr 2005 voraussichtlich etwas unterhalb des Vorjahreswertes. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Ergebnisallokation zwischen einigen Dienstleistungsgesellschaften und deren Hauptkunden im Konzern, den Unternehmen des Stahlbereiches.

So wird sich das Ergebnis der VPS im neuen Geschäftsjahr reduzieren, da die vorgesehene Hochofenzustellung transportmengenmindernd ist und eintretende Kostensteigerungen nicht mittels Tariferhöhungen an Konzernkunden weitergegeben werden.

Auch bei DMU vermindert sich der Gewinn wahrscheinlich, weil die Lagerspanne im Schrotthandel zurückgehen dürfte.

Die übrigen Gesellschaften planen relativ konstante positive Ergebnisse.

Der Unternehmensbereich Verarbeitung dürfte nach einem – durch umfangreiche Sondermaßnahmen gestützten – nahezu ausgeglichenen Ergebnis im Geschäftsjahr 2004 in 2005 noch einen – operativ allerdings erheblich reduzierten – Verlust aufweisen.

HSP plant wegen der noch nicht entspannten Marktlage im Spundwandbereich in Verbindung mit hohen Vormaterialpreisen nochmals ein – jedoch gegenüber dem operativen Verlust 2004 vermindertes – negatives Ergebnis.

Aufgrund gestiegener Absatzmengen und stabiler Margen rechnet SZBE für 2005 mit einer Halbierung des Vorjahresverlustes (vor Forderungsverzicht und außerplanmäßigen Abschreibungen).

Während SZEP ein wiederum positives, aber im Vergleich zu 2004 niedrigeres Ergebnis 2005 plant, soll SZAE bei erhöhtem Umsatz und damit besserer Auslastung der reduzierten Kapazitäten nahe Break-even abschließen.

Für den Unternehmensbereich Röhren wird in 2005 mit einem zwar gegenüber dem Vorjahr geringeren, aber im Mehrjahresvergleich sehr zufrieden stellenden höheren zweistelligen Millionengewinn gerechnet. Diese Planung basiert auf der bestehenden Unternehmensstruktur; Einflüsse aus dem vorgesehenen Verkauf der 45%-Beteiligung an der V&M Tubes S.A. (V&M) sind hier nicht berücksichtigt.

Die in die Planung eingeflossenen Ergebniserwartungen für den Bereich Nahtlose Rohre (V&M und Vallourec) liegen etwas unterhalb der Istresultate des Jahres 2004. Bei guter Nachfrage vor allem nach Öl- und Gasfeldrohren sowie Kesselrohren für Kraftwerke wirken sich neben Rohstoffverteuerungen sowohl sehr stabile Erlöse und Währungseinflüsse als auch investitionsbedingte Produktionseinbußen auf das Ergebnis aus.

Die Produzenten kaltgefertigter Rohre, MHP und DMV, erwarten in Anbetracht der befriedigenden bis guten Mengenkonjunktur und auch in diesen Sektoren stabiler Margen eine mindestens gleich bleibend positive Ergebnissituation.

Analog verläuft die für den Bereich Mittlerer Leitungsrohre geplante Entwicklung. Sowohl MLP als auch RGF erwarten auskömmliche Gewinne etwas oberhalb der Resultate des Geschäftsjahres 2004, wobei das Ergebnis der RGF in 2005 erstmalig voll konsolidiert wird.

Vor dem Hintergrund einer insgesamt eher guten Auslastung der Produktionskapazitäten plant der Produktbereich Großrohre (Europipe und MRM) einen im Vergleich zu 2004 (vor 12,1 Mio. € außerplanmäßigen Abschreibungen der MRM) spürbar höheren Gewinn.

Die in diesem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2005 dargestellten Markterwartungen sind zusammen mit weiteren Rahmenbedingungen und vorgesehenen internen Maßnahmen vor Beginn des Geschäftsjahres in einem konzernumfassenden Prozess zu einer Gesamtplanung des Konzerns zusammengeflossen. Auf Basis dieses Informationsstandes rechnen wir für das laufende Geschäftsjahr wiederum mit einem – allerdings gegenüber dem Vorjahr verminderten – dreistelligen Millionengewinn vor Steuern.

Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Chancen und Risiken aus aktuell nicht absehbaren Erlös-, Vormaterialpreis- und Beschäftigungsentwicklungen sowie Veränderungen von Währungsparitäten vor allem den Verlauf der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2005 erheblich beeinflussen können. Weitere positive oder negative Effekte können sich aus der Vorratsbewertung gemäß geänderter IFRS-Standards beziehungsweise deren Handhabung ergeben. Die daraus resultierende Schwankungsbreite des Konzernergebnisses vor Steuern liegt ebenfalls im dreistelligen Millionenbereich.

Das Konzernergebnis ergibt sich entsprechend als Summe der Einzelplanungen der Tochtergesellschaften unter Einschluss der Holding sowie von Konsolidierungseffekten. Für die Dividendenfähigkeit des Konzerns ist hingegen der nach deutschem Handelsrecht (HGB) zu erstellende Einzelabschluss der Salzgitter AG maßgebend. Dabei ist auch entscheidend, dass nur ein Teil der Tochtergesellschaften direkt und zeitgleich zum dividendenfähigen Ergebnis der SZAG beiträgt. Insgesamt erscheint aus heutiger Sicht die Ausschüttung einer angemessenen, aus dem operativen Ergebnis stammenden Dividende auch für das Geschäftsjahr 2005 realistisch.


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