Wirtschaftliche LageWirtschaftliche RahmenbedingungenDie Weltwirtschaft expandierte im Jahr 2005 trotz des starken Anstiegs der Rohölpreise weiter kräftig. Die Zunahme der Weltproduktion dürfte nach den jüngsten Einschätzungen des IWF mit über 4% abermals höher ausgefallen sein als im mittelfristigen Trend. Ein wichtiger Motor der Weltkonjunktur war erneut China, wo das Wachstumstempo − im Gegensatz zu dem in vielen anderen Schwellenländern − unverändert hoch blieb (+9,3%). Auch in den Industrieländern verlangsamte sich die Konjunktur im Jahresverlauf nur wenig; allerdings waren deutliche regionale Unterschiede zu verzeichnen. Während sich der Aufschwung in den Vereinigten Staaten fortgesetzt hat, auch wenn der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (+3,5%) etwas geringer ausgefallen ist als im Jahr zuvor, nahm die wirtschaftliche Aktivität in der Europäischen Union nur verhalten zu (+1,5%). Nachdem die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr − gedämpft durch den Ölpreisanstieg und die vorausgegangene Aufwertung des Euro − nur schwach expandiert hatte, zeigten sich erst ab der Jahresmitte zunehmend Zeichen einer konjunkturellen Erholung. Impulse kamen dabei insbesondere von der Auslandsnachfrage. Gesamtwirtschaftliche Indikatoren Deutschland
1) Quelle: Statistisches Bundesamt
2) Quelle: Deutsche Bundesbank Die günstige außenwirtschaftliche Entwicklung hatte auch einen wesentlichen Anteil am positiveren Gesamtbild des deutschen Konjunkturverlaufs. Vor allem die Exporte erhöhten sich rasch und dürften im Jahresdurchschnitt um 6,2% gestiegen sein. Neben der Abwertung des Euro machte sich bemerkbar, dass eine Reihe von Ölförderländern ihre drastisch gestiegenen Einnahmen zum Kauf von deutschen Investitionsgütern verwendeten. Daneben ist es in der zweiten Jahreshälfte im Inland zu stärkeren Wachstumsimpulsen gekommen. Die Anschaffungen von Maschinen und Ausrüstungen verzeichneten ein deutliches Plus, und auch die Bauinvestitionen stiegen erstmals seit längerem wieder an, wenngleich das Vorjahresniveau insgesamt unterschritten wurde. Den Schwachpunkt bildete der private Konsum. Dabei spielte eine Rolle, dass infolge der drastischen Verteuerung von Öl ein größerer Teil des verfügbaren Einkommens für Energieträger aufgewendet werden musste. Insgesamt wuchs das deutsche BIP im Jahr 2005 um 0,9% (Vorjahr 1,6%). Stahl blieb 2005 weltweit ein nachgefragtes Gut, obwohl die Wachstumsraten von Produktion und Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr − aufgrund der geringeren konjunkturellen Dynamik in den Industrieländern − geringer ausfielen. Weltweit wurden 2005 etwa 1.130 Mio. t Rohstahl erzeugt (+5,9%). Der Stahlverbrauch verfehlte mit 998 Mio. t (+2,7%) die Milliarden-Tonnen-Grenze nur knapp. An der Spitze der Entwicklung stand einmal mehr Asien und hier insbesondere China, wo der Stahlverbrauch auf 300 Mio. t (+10,3%) wuchs. Hingegen schrumpfte er in den USA unter dem Druck hoher Bestände um gut 5%, und auch die Europäische Union verzeichnete einen Rückgang (−1,5%). Rohstahlproduktion Welt
Quelle: International Iron & Steel Institute
Für die europäische Stahlindustrie war 2005 im Vergleich zum nachfragegetriebenen Boomjahr 2004 ein herausforderndes Jahr. Angesichts des verhaltenen Konjunkturverlaufs bildeten ein nur mäßig wachsender realer Stahlverbrauch, Lagerbestände auf Rekordniveau sowie der massive Anstieg der Drittlandimporte in die EU die Rahmenbedingungen für die Bemühungen der Hersteller um die Balance von Angebot und Nachfrage. In der überhitzten Atmosphäre des Jahres 2004 hatten Stahlverbraucher und Handel bei rasch und drastisch steigenden Stahlpreisen weit über ihren Bedarf hinaus disponiert. Nachdem sich die Konjunktur im Herbst 2004, insbesondere in China und Asien, abzukühlen begann, erreichten die Lagerbestände zu Beginn des Jahres 2005 ein historisches Hoch. Als Folge fielen die Auftragseingänge der europäischen Stahlhersteller in der ersten Jahreshälfte um mehr als 20% hinter das Vorjahresniveau zurück, da zunächst die Lagerbestände reduziert wurden. Bei Flachstahl betrug der Rückgang 26%; die Trägerbestellungen brachen regelrecht ein und notierten 30% unter den Vergleichswerten des Vorjahres. Dagegen verlief die Entwicklung beim Quartoblech weit weniger einschneidend, da die internationale Nachfrage im anspruchsvollen Gütensegment der wichtigen Abnehmergruppen Energiegewinnung, -erzeugung sowie -transport (Pipelines, Schiffbau) während des gesamten Jahres 2005 fest blieb. Lediglich im Bereich der einfachen Handelsgüten führte die erhöhte Materialverfügbarkeit zu verschärftem Wettbewerb und sinkenden Preisen. Erst nachdem der Bestandsabbau in der zweiten Jahreshälfte weiter vorangekommen war, belebte sich die Ordertätigkeit, so dass sich im Gesamtjahresvergleich der Auftragsrückgang gegenüber 2004 deutlich verringerte. Auf diese Marktlage reagierten die Stahlerzeuger mit weit reichenden Kürzungen der Produktion, um sie der Auftragslage anzupassen. Ihre Bemühungen, Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen, wurden jedoch infolge drastisch steigender Importe − insbesondere während der ersten Hälfte des Jahres − erschwert. Die bis zum Herbst die Nachfrage übersteigende Materialverfügbarkeit führte in der zweiten Jahreshälfte zu deutlich sinkenden Preisen. Gleichwohl wurde mit der marktgerechten Angebotspolitik der europäischen Hersteller ein Einbruch der Preise auf ein aus früheren Zyklen bekanntes Niveau vermieden. Der Wendepunkt im Spätsommer befand sich daher auf einem höheren Level als in den Zyklen der Vergangenheit. Für die Stahlrohrindustrie wiesen die absatzrelevanten Branchen im Jahr 2005 eine differenzierte Entwicklung auf. Das Wachstum der Bauindustrie in Westeuropa und den USA blieb gegenüber dem des Vorjahres zurück, während es für Japan und China darüber lag. Die chemische Industrie wies insbesondere in Deutschland und China positive Wachstumsraten aus. Der Maschinenbau konnte das Wachstum des Vorjahres nicht erreichen. Auch in der Automobilindustrie überragte der positive Wachstumswert Chinas alle anderen Länder. So überstiegen die Exporte von Automobilen die Importe; dies ist ein Meilenstein für die einheimischen Produzenten auf dem Weg zu einem der führenden Hersteller auf dem Weltmarkt. Der große Wachstumsmotor des Jahres 2005 war die Energiebranche. Der gestiegene Ölpreis, mit einem Höchststand von knapp unter 70 US-$/bbl Brent, hat sich nicht nur auf die Exploration, sondern auch auf den Bau von Leitungen ausgewirkt. Die Investitionen in neue Kraftwerksprojekte − bedingt durch den gestiegenen Energiebedarf − hatten 2005 ebenfalls positive Auswirkungen auf die Stahlrohrnachfrage. Die Anfang des Jahres gut gefüllten Händlerläger haben sich im Laufe des Jahres wieder auf ein normales Niveau reduziert. Die Preissituation stellte sich unterschiedlich dar. Nahtlose Rohre verzeichneten stabile Preise auf hohem Niveau. Die Lage für geschweißte Rohre bis 406,4 mm Durchmesser ist differenziert. Während im Projektgeschäft die Preise weiterhin relativ stabil blieben, sind sie im Handelsgeschäft durch sinkende Bandpreise und den Abbau von Lagerbeständen unter Druck geraten. Bei Großrohren sind die Preise aufgrund der starken Nachfrage noch stabil. Die Weltstahlrohrproduktion hat 2005 mit 83 Mio. t den bisher höchsten Stand erreicht. Hierzu haben alle Herstellverfahren beigetragen. Den größten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr verzeichneten die nahtlosen Rohre mit 8%. Die geschweißten Rohre, sowohl im kleinen als auch im großen Abmessungsbereich, stiegen jeweils um 4% an. Stahlrohrproduktion Welt
Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre
Die Steigerung der Weltstahlrohrproduktion um 4 Mio. t ist in erster Linie auf China zurückzuführen, wo gegenüber dem Vorjahr 3,5 Mio. t (17%) mehr erzeugt wurden. Den größten Zuwachs verzeichneten hier die geschweißten Rohre bis 406,4 mm Durchmesser mit +2,3 Mio. t (20%), gefolgt von nahtlosen Rohren mit +1,1 Mio. t (12%) und geschweißten Großrohren mit +0,1 Mio. t (11%). In den anderen Regionen der Welt haben sich die Produktionsmengen gegenüber dem Vorjahr nur relativ wenig verändert. |
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