BeschaffungDie Beschaffungsaktivitäten des Konzerns sind schwerpunktmäßig auf Rohstoffe und Energieträger zur Stahlerzeugung sowie Halbzeug für die Röhrenproduktion fokussiert. Der Bezug von Stahlprodukten durch unsere Handelsgesellschaften vollzieht sich im Absatzmarkt der eigenen Stahl- und Röhrenherstellung und ist hier nicht Gegenstand der Betrachtung. Die enorme weltweite Rohstoffnachfrage beeinflusste die Beschaffungsmärkte auch im Geschäftsjahr 2005 wesentlich. Trotz erheblicher Engpässe auf den meisten Rohstoffmärkten ist es gelungen, die Versorgung der Stahl- und Röhrengesellschaften volumen- und zeitgerecht zu sichern; in Teilbereichen waren jedoch erhebliche Preiszugeständnisse erforderlich. Preisentwicklung ausgewählter Rohstoffe und Energieträger
Die äußerst angespannte Situation auf dem Erzmarkt führte nach schwierigen Verhandlungen zu Preissteigerungen von 71,5% für Feinerz sowie bis zu 86 % bei Pellets und Stückerz fob Ladehafen. Die Erzbezugsmenge in 2005 betrug 5,9 Mio. t. Auch für 2006 erwarten wir insbesondere wegen des hohen chinesischen Bedarfs eine weiter steigende Erznachfrage. Preiserhöhungen können daher nicht ausgeschlossen werden. Die weltweite Nachfrage nach Kokskohle war auch 2005 größer als das Angebot. Demzufolge mussten Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr von 118% fob Ladehafen akzeptiert werden. In der ersten Jahreshälfte waren qualitativ hochwertige Kokskohlenmengen auf dem Spotmarkt nur gering verfügbar. Die Situation entspannte sich während der zweiten Jahreshälfte, als vermehrt Mengen auf Spotbasis gehandelt wurden. Die Produktions- und Hafenkapazitätserweiterungen brachten zusätzliche Mengen auf den Markt. Im Kalenderjahr 2005 betrug die bezogene Kokskohlemenge insgesamt 2,0 Mio. t, davon wurden 1,4 Mio. t importiert. Für das Kohlejahr 2006/2007 erwarten wir, je nach Qualität, stabile bis leicht sinkende Preise. In der ersten Hälfte des Kalenderjahres 2005 betrieb SZFG drei Hochöfen. Als Folge der Neuzustellung des Hochofens A im 3. Quartal reduzierte sich der Koksbedarf, so dass aufgrund der durchlaufenden Produktion der konzerneigenen Kokerei Lagerbestände aufgebaut wurden. Dies hat zur Folge, dass im Kalenderjahr 2006 nicht die volle Menge von 350 Tt Fremdkoks beschafft werden muss. Entgegen der Entwicklung der Kokskohlenpreise reduzierten sich die Hochofenkokspreise gravierend. Anfang des Jahres 2005 war ein leichter Abwärtstrend erkennbar, der sich Mitte des Jahres rapide fortsetzte. Ende 2005 befanden sich die Preise auf dem Niveau vom Dezember 2003. Dieser Abwärtstrend entstand durch eine aggressive Preispolitik der Chinesen. In den chinesischen Häfen lagerten Mitte des Jahres große Mengen Koks, die den Markt stark beeinflussten. Dies führte zu erheblichen Preisreduzierungen. Für 2006 erwarten wir eine Stabilisierung auf dem jetzigen Niveau. Der Bedarf 2006 ist weitestgehend durch Langfristverträge gesichert. Nachdem im Dezember 2004 der Spot-Seefrachtenmarkt für Capesize-Schiffe sein absolutes Hoch mit Raten für die Relation Tubarao/Rotterdam von 25 US-$/t erreichte, verzeichnete der Markt in der 1. Jahreshälfte − genau wie im Vorjahr − einen kräftigen Abschwung und zeigte für die vorgenannte Relation im Juli einen Tiefststand von 11 US-$/t. Hintergrund waren Maßnahmen der chinesischen Behörden, den Importmarkt besser zu organisieren, stetig zurückgehende Wartezeiten in den Lade- und Löschhäfen sowie zusätzliche Neubauten, die auf den Markt drängten. Seit August ist wieder ein Anstieg der Raten zu beobachten, jedoch mit wesentlich moderateren Schritten als in der jüngsten Vergangenheit. Mitte Dezember wurden für Capesize-Schiffe in der Relation Tubarao/Rotterdam 13 US-$/t gezahlt. Insgesamt gab dieser Markt im Vergleich zum Vorjahresdurchschnitt um 3 US-$ je Ladungstonne nach. Es wird damit gerechnet, dass sich die Raten auf dem jetzigen Niveau festigen, natürlich mit den üblichen jahreszeitlichen Schwankungen. Die erwarteten Neubauten dürften ausreichen, um den Zusatzbedarf zu decken. Kohleverschiffungen verzeichneten generell eine ähnliche Entwicklung. Dabei waren die Preise der Panamax-Einheiten in der 2. Jahreshälfte wesentlich stabiler als diejenigen für größere Schiffseinheiten. Für Bunkeröl mussten in 2005 durchschnittlich 100 US-$ mehr für die Tonne gezahlt werden als im Vorjahr. Das Niveau von 250 US-$ Ende Dezember entspricht nicht nur dem Jahresdurchschnitt, sondern auch den Erwartungen für das laufende Jahr. Der Einfluss des Spot-Seefrachtenmarktes auf unsere Einstandskosten war gering, da die Erz- und Kohlefrachten überwiegend mit günstigeren Langfristverträgen abgedeckt waren. Auch für 2006 sind die Erz- und Kohlebezugsmengen weitestgehend durch langfristige Seefrachtverträge gedeckt. Die Marktentwicklung im Bereich der Ferrolegierungen und Metalle stellte sich 2005 für die einzelnen Materialgruppen unterschiedlich dar. Bei den Metallen nahm der Markt der hauptsächlich benötigten Materialien Nickel und Zink einen gegensätzlichen Verlauf. Nachdem Nickel in der ersten Jahreshälfte extrem hohe Notierungen von über 17.000 US-$/t an der London Metal Exchange (LME) verzeichnete, entspannte sich die Lage während der zweiten Jahreshälfte. Im November 2005 notierte die Börse bei 11.500 US-$/t. Die Börsenentwicklung 2006 ist maßgeblich von der Konjunkturlage für Edelstähle abhängig. Angebotsseitig steht den Verbrauchern nach Studien der International Nickel Study Group (INSG) ausreichend Material zur Verfügung. Mit einem Mengendefizit ist nach heutigen Erkenntnissen nicht zu rechnen. Zink hingegen hat sich im 4. Quartal 2005 an der Börse massiv verteuert. Die Dezember-Notierung lag über 1.800 US-$/t nach dem Jahrestiefststand (Juli 2005) von 1.165 US-$/t. Durch langfristige Preissicherungen zu günstigen Notierungen wurden die Preissteigerungen weitgehend aufgefangen. Die Entwicklung der Zinknotierung im laufenden Kalenderjahr ist nicht zu prognostizieren. Die Massenlegierungen (Mangan- und Siliziumträger) verzeichneten 2005 − nach den hohen Preisen des Vorjahres − nahezu eine Preishalbierung. Es ist allerdings davon auszugehen, dass dieses Niveau 2006 nicht gehalten werden kann. Eine Preiserhöhung wird wahrscheinlich moderat ausfallen. Die Marktlage der Edellegierungen − maßgeblich Ferro-Vanadium und Ferro-Molybdän − hat sich im Laufe des Geschäftsjahres nach Höchstpreisen für Ferro-Molybdän von 100.000 US-$/t reines Molybdän (Mai 2005) deutlich entspannt und 67.000 US-$/t erreicht. Das Preisniveau bei Ferro-Vanadium liegt gegen Ende des Jahres 2005 im Bereich von 45.000 US-$/t reines Vanadium, nach Preisnotierungen von 130.000 US-$/t (Mai 2005). Es kann davon ausgegangen werden, dass die aktuellen Preise auch für das kommende Jahr gelten. Die Stahlgesellschaften SZFG und PTG haben 2005 410 Tt beziehungsweise 950 Tt Schrott bezogen. Der Durchschnittspreis reduzierte sich gegenüber dem Vorjahresniveau um 7%. Im Jahr 2006 wird wieder mit einem höheren Durchschnittspreis gerechnet. Die Preise für flüssige Reduktionsmittel, bestehend aus Heizöl „S” sowie Ersatzreduktionsmitteln (Schweröl, Tierfette) zum Einsatz in die Hochöfen des Werkes Salzgitter sind im Geschäftsjahr 2005 gegenüber dem Vorjahr um 37% gestiegen. Ursache der außerordentlich gestiegenen Heizöl „S”-Preise waren vor allem im ersten Halbjahr die durch Börsenspekulationen hochgetriebenen Rohölpreise. Insgesamt wurden 165 Tt Heizöl „S” im Geschäftsjahr 2005 eingesetzt. Im Geschäftsjahr 2006 wird erneut mit einem leichten Preisanstieg gerechnet. Der seit Anfang 2002 begonnene Preisanstieg für Strom setzte sich in 2005 massiv fort. Diese Entwicklung führte zu einer Erhöhung der reinen Strombeschaffungskosten (ohne Netznutzung, Erneuerbare- Energien-Gesetz, Kraft-Wärme-Koppelungsgesetz und Stromsteuer) im Kalenderjahr 2005 verglichen mit 2004 um 21%. 2006 werden die Strombeschaffungskosten im Vergleich zu 2005 voraussichtlich um weitere 17% steigen. Die Erdgasbezugskosten sind 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 5% gestiegen. Ursache ist die Verteuerung des Preises für schweres Heizöl „S” in den Referenzmonaten, die zeitverzögert in den Erdgaspreis einfließt. Für 2006 ist von einem massiven Erdgaspreisanstieg (+40%) auszugehen. Der wichtigste Vormateriallieferant für die Gesellschaften des Unternehmensbereiches Röhren ist die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM), Duisburg. Von HKM bezogen die MRW-Gesellschaften 0,9 Mio. t Brammen zur Herstellung von Grobblech für die Großrohrproduktion und zur Fertigung von Warmband als Vorprodukt für HFI-geschweißte Rohre und geschweißte Präzisrohre. Zur Herstellung nahtloser Präzisrohre lieferte HKM 60 Tt Röhrenrund an SMG. HKM ist mit weiteren 1,0 Mio. t auch Hauptlieferant von Röhrenrund zur Erzeugung nahtloser Rohre bei der inzwischen 100% Vallourec S.A. gehörenden Vallourec & Mannesmann Tubes S.A. Ferner kauften die Gesellschaften des Unternehmensbereiches Röhren, die geschweißte Rohre aus Warmbreitband herstellen, 142 Tt Warmbreitband von anderen Salzgitter-Konzerngesellschaften und Dritten. Die an die Gesellschaften des Röhrenbereiches auf Basis einer Referenzgüte verrechneten Vormaterialpreise ex HKM haben sich gegenüber dem Vorjahr erhöht. Dies ist im Wesentlichen auf gestiegene Preise für Reduktions- und Legierungsmittel zurückzuführen. |
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