Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Thieme

Bericht des Aufsichtsrats

Das Jahr 2009 wird für die Salzgitter AG als eines der schwierigsten Geschäftsjahre in die über 150-jährige Unternehmensgeschichte des Konzerns eingehen. Infolge der weltweiten Wirtschaftskrise ging die Wirtschaftsleistung Deutschlands um rund 5 % zurück, obwohl umfangreiche Konjunkturförderprogramme in Kraft gesetzt wurden. Die Stahlindustrie, die bis Mitte 2008 noch floriert hatte, wurde von der heftigen Rezession beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen.

Insbesondere während des ersten Halbjahres musste auch die Salzgitter AG die Folgen eines dramatischen Einbruchs der Nachfrage auf den Stahlmärkten verkraften. Neben den drastischen Produktionseinbrüchen in fast sämtlichen Kundengruppen erzeugte der Abbau weit überhöhter Materialvorräte der Stahlverarbeiter und Händler zusätzlich erheblichen Druck auf die Marktsituation.

Dank seiner soliden und breiten Aufstellung sowie der gesunden Finanzsituation meisterte unser Unternehmen die mit der Krise verbundenen Herausforderungen vergleichsweise gut. Ein vom Vorstand initiiertes Sofortprogramm brachte erfreuliche Beiträge zur Ergebnisstabilisierung und Liquiditätssicherung. Darüber hinausgehende tiefgreifende Restrukturierungen und harte Einschnitte konnten bislang vermieden werden. In diesem Zusammenhang erwies sich unser permanenter Fokus auf die Kosten- und Ertragslage sowie unsere in der Vergangenheit bei Akquisitionen geübte Zurückhaltung als richtig. Mit dem Abschluss des Geschäftsjahres 2009 musste die Salzgitter AG dennoch den größten Verlust ihrer Geschichte verkraften.

Zum Beginn des zweiten Halbjahres zeigten sich erste Zeichen einer allmählichen Marktstabilisierung, allerdings auf sehr niedrigem Niveau. Der Verlauf des Geschäftsjahres 2010 wird aus unserer Sicht stark davon abhängen, inwieweit es vor allem Europa und Nordamerika gelingt, zu einem kontinuierlichen Wachstum zurückzukehren. Die dezentrale Struktur des Salzgitter-Konzerns wird uns weitgehend flexible Reaktionen auf die weitere Marktentwicklung ermöglichen.

Überwachung und Beratung des Vorstands bei der Geschäftsführung

Wir haben den Konzern-Vorstand während seiner Geschäftsführung regelmäßig überwacht und beraten. Unser Gremium erhielt sowohl schriftlich als auch mündlich Berichte über die Geschäfts-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft sowie die verfolgte Geschäftspolitik.

Ferner bekamen wir zeitnahe und umfassende Informationen bezüglich der bestehenden Risiken der Gesellschaft sowie der Abweichungen des Geschäftsverlaufs von den aufgestellten Plänen und Zielen. Die Ursachen der Abweichungen wurden eingehend erläutert und diskutiert. Wir waren in alle Entscheidungen von besonderer Bedeutung für das Unternehmen eingebunden und nutzten die Möglichkeit, diese gemeinsam mit dem Vorstand ausführlich zu erörtern.

Der Aufsichtsrat hat die aktuelle Lage und Entwicklung des Konzerns auf der Grundlage der Berichterstattung des Vorstands in vier ordentlichen und einer außerordentlichen Sitzung beraten. Die durchschnittliche Präsenzquote der Aufsichtsratsmitglieder betrug 90 % – eine kurzfristig anberaumte außerordentliche Sitzung mit einbezogen. Darüber hinaus fanden neun Präsidiumssitzungen und eine Sitzung des Nominierungsausschusses statt. Der Prüfungsausschuss beriet sich viermal.

Der Aufsichtsratsvorsitzende koordinierte die Arbeit des Aufsichtsrats und hielt mit dem Vorstand, insbesondere mit dem Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr.-Ing. E. h. Wolfgang Leese, regelmäßig Kontakt und beriet mit ihm die aktuelle Lage der Gesellschaft, ihre Weiterentwicklung sowie wichtige Geschäftsvorfälle.

Beratungsschwerpunkte im Aufsichtsrat

Die Beratungen des Aufsichtsrats betrafen insbesondere die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf unser Unternehmen und die eingeleiteten Gegenmaßnahmen. Daneben ließen wir uns über den Fortschritt der in den Vorjahren begonnenen umfangreichen Investitionsvorhaben berichten. Ferner haben wir auf Basis einer Ermächtigung der Hauptversammlung vom 27. Mai 2009 der Begebung einer Wandelschuldverschreibung zugestimmt.

In der Sitzung vom 10. Dezember 2009 erörterten wir ausführlich die vom Vorstand vorgelegte und erläuterte Unternehmensplanung für die Geschäftsjahre 2010 bis 2012 einschließlich der Investitions-, Finanz- und Personalplanung. Dabei stimmten wir zugleich dem Investitionsplan des Konzerns für das Geschäftsjahr 2010 und dessen Finanzierung zu.

Jahresabschluss- und Konzernabschlussprüfung

In der Sitzung vom 25. März 2010 befassten wir uns eingehend mit dem Jahresabschluss der Salzgitter AG und dem Konzernabschluss jeweils zum 31. Dezember 2009 sowie dem gemeinsamen Lagebericht der Aktiengesellschaft und des Konzerns für das Geschäftsjahr 2009. Zuvor hatte der von der Hauptversammlung gewählte Abschlussprüfer, die PricewaterhouseCoopers Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hannover, beide Abschlüsse geprüft und mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen. Er testierte die Übereinstimmung der Bilanzierung, Bewertung und Konsolidierung im Konzernabschluss mit den International Financial Reporting Standards (IFRS). Darüber hinaus stellte der Abschlussprüfer im Rahmen seiner Beurteilung des Risikomanagementsystems fest, dass der Vorstand die nach dem Aktiengesetz geforderten Maßnahmen getroffen hat, um Risiken frühzeitig zu erkennen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden könnten.

Des Weiteren hatte sich der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats zuvor Einzelheiten der Abschlüsse vom Vorstand und vom Abschlussprüfer erläutern lassen und sich ergebende Fragen diskutiert. Er schlug dem Aufsichtsrat vor, die Abschlüsse zu billigen.

Der Jahresabschluss der Salzgitter AG, der Konzernabschluss, der gemeinsame Lagebericht der Gesellschaft und des Konzerns, der Vorschlag des Vorstands für die Verwendung des Bilanzgewinns sowie die Prüfungsberichte des Abschlussprüfers haben den Mitgliedern des Aufsichtsrats zur Prüfung vorgelegen. An der Beratung des Jahres- und des Konzernabschlusses in der Aufsichtsratssitzung am 25. März 2010 nahmen die Vertreter des Abschlussprüfers teil und erläuterten die wesentlichen Ergebnisse ihrer Prüfung.

Die Prüfung des Jahresabschlusses, des Konzernabschlusses sowie des gemeinsamen Lageberichts durch den Aufsichtsrat ergab keine Einwände. Wir stimmten dem Ergebnis der Prüfung seitens des Abschlussprüfers daher zu und billigten den Jahresabschluss und den Konzernabschluss. Der Jahresabschluss ist damit festgestellt. Dem Vorschlag des Vorstands bezüglich der Verwendung des Bilanzgewinns schlossen wir uns nach eingehender Prüfung an.

Veränderungen in Aufsichtsrat und Vorstand

Herr Friedrich-Wilhelm Tölkes, Arbeitnehmervertreter, legte sein Aufsichtsratsmandat zum 15. Januar 2009 nieder. An seine Stelle rückte Herr Ulrich Kimpel, bisher gewähltes Ersatzmitglied, mit Wirkung ab 16. Januar 2009 nach.

Die aktuellen Mitglieder des Aufsichtsrats sind im Konzernlagebericht mit einem Hinweis auf ihre jeweils anderweitig wahrgenommenen Mandate genannt.

Herr Dipl.-Ing. Hans Fischer schied auf eigenen Wunsch zum 31. Dezember 2009 aus dem Vorstand aus, um Aufgaben in einem anderen Unternehmen zu übernehmen. Der Aufsichtsrat bestellte am 16. November 2009 Herrn Dipl.-Wirtsch.-Ing. Johannes Nonn, bisher Mitglied des Vorstands der Führungsgesellschaft des Unternehmensbereiches Stahl, Salzgitter Stahl GmbH, und Vorsitzender der Geschäftsführung der Salzgitter Flachstahl GmbH, Salzgitter, mit Wirkung ab 1. Januar 2010 zum Mitglied des Vorstands, zuständig für den Unternehmensbereich Stahl.

Wir danken dem Vorstand und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Konzerns für die von ihnen geleistete Arbeit und ihren Einsatz im Geschäftsjahr 2009.

Salzgitter, 25. März 2010

Der Aufsichtsrat

Rainer Thieme
Vorsitzender
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