Vergleich des tatsächlichen mit dem prognostizierten Geschäftsverlauf
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unseres 2008er Jahresabschlusses bestanden immense Unsicherheiten
bezüglich der Weiterentwicklung der konjunkturellen Rahmenbedingungen. Daher haben wir
auf der Bilanzpressekonferenz auf eine detaillierte, quantifizierte Prognose für das Konzernergebnis
des Geschäftsjahres 2009 verzichtet. Jedoch gingen wir bereits damals davon aus, dass in den ersten
sechs Monaten des Jahres kein Gewinn zu erzielen sei, da sich die krisenhafte Walzstahl-Marktsituation
entsprechend in den Resultaten niederschlagen würde. Ferner war nicht zu erwarten, dass dies von
den anderen Aktivitäten des Salzgitter-Konzerns aufgefangen werden könnte. Für den Fall einer spürbaren
Belebung der Walzstahlmärkte im weiteren Laufe des Jahres erschien uns aber ein in etwa ausgeglichenes
Jahresergebnis noch denkbar.
Vor dem Hintergrund der anhaltenden weltweiten Konjunkturschwäche entsprach das Ergebnis des ersten Halbjahres (– 195,2 Mio. € EBT) unserer Prognose. Mit diesem Resultat waren allerdings auch umfangreiche bilanzielle Anpassungen von Vorratsbewertungen schwerpunktmäßig im Unternehmensbereich Stahl verkraftet worden, sodass der Konzern nach diesem Zwischenabschluss weitgehend frei von stillen Lasten aus der Vorratsbewertung war. Trotz einer gewissen Aufhellung der Lage war zu Beginn des zweiten Halbjahres kein durchgreifender und nachhaltiger Turnaround der Verhältnisse am Stahlmarkt erkennbar. Lediglich für einzelne Produktgruppen ergaben sich Erholungstendenzen bei Auftragseingängen und Erlösen. Daher avisierten wir im August auch für den Rest des Jahres 2009 einen Vorsteuerverlust, der allerdings geringer als der der ersten sechs Monate ausfallen sollte. Somit war klar, dass unser Konzern das Gesamtjahr mit einem spürbar negativen Ergebnis abschließen würde. Nach Abschluss der ersten neun Monate konnten wir im November bei einer anhaltenden Aufhellung der Geschäftssituation immerhin davon ausgehen, dass sich das Konzern-Vorsteuerergebnis der letzten drei Monate des Geschäftsjahres weiter in Richtung eines etwa ausgeglichenen Resultats bewegt. Insbesondere die zum Schluss immer stärkere Erholung des Flachstahlmarktes übersetzte sich in schließlich wieder anziehenden Resultaten. Auch in anderen Teilbereichen des Konzerns verbesserte sich die Performance, sodass im vierten Quartal wieder ein niedriger operativer Konzerngewinn erzielt wurde. Somit haben sich die operativen Ergebnisse des Salzgitter-Konzerns wie prognostiziert entwickelt. Nach Aufwendungen für Restrukturierung und Impairment-Abschreibungen ergab sich jedoch insgesamt ein deutlicher Verlust. Wie in den vergangenen Jahren haben wir mit unseren Veröffentlichungen auf Chancen und Risiken hingewiesen, die den Abschluss des Geschäftsjahres 2009 beeinflussen können. Wir haben erläutert, dass sich möglicherweise zusätzliche positive oder negative Effekte aus strukturellen und methodischen Veränderungen ergeben, die ein beträchtliches Ausmaß in negativer wie auch positiver Richtung annehmen können. Hierzu zählen insbesondere Bewertungsansätze gemäß IFRS-Standards und deren Handhabung. In den Abschluss des Geschäftsjahres 2009 sind 73,4 Mio. € Aufwendungen für strukturverbessernde Maßnahmen und 262,7 Mio. € Impairment-Abschreibungen eingeflossen. Unter Einbeziehung dessen schloss der Salzgitter-Konzern das Geschäftsjahr 2009 mit 496,5 Mio. € Verlust vor Steuern ab. Bei der Interpretation dieses Resultats ist zu beachten, dass die bilanziellen Einmaleffekte einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung künftiger Perioden leisten werden. Vor dem Hintergrund des schon Ende 2008 massiv eingetrübten wirtschaftlichen Umfelds hatten wir für den Unternehmensbereich Stahl einen deutlichen Umsatzrückgang und ein erheblich niedrigeres Ergebnis als im Vorjahr prognostiziert. Diese Entwicklung trat wie vorhergesagt ein und ist für die einzelnen Produktgruppen zu differenzieren. Bereits zum Jahresanfang wurde die Flachstahlerzeugung mit voller Wucht von der Krise erfasst. Die Auslastung der Anlagen lag im Tiefpunkt bei etwa 50 % der Nominalkapazität. Am 25. März setzten wir daher den kleinsten unserer drei Hochöfen still. Erst ab Ende Mai zeigten sich leichte Anzeichen einer Erholung des Auftragseingangs, allerdings verfielen die Verkaufserlöse bis in den Herbst hinein weiter. Das spätzyklische Produkt Grobblech war zeitverzögert ebenfalls mit Beschäftigungsproblemen konfrontiert und registrierte gleichermaßen einen stetigen Erlösverfall. In der zweiten Jahreshälfte verbesserte sich die Situation der Produktbereiche spürbar: Die Auslastung legte auf rund 80 % zu, und die Kurzarbeit in den Betrieben wurde beendet. Der Trägerbereich zeigte hingegen über den Jahresverlauf nur geringe Erholungstendenzen, sodass Kurzarbeit über das Jahr hinweg unvermeidlich war. Aufgrund der beschriebenen Entwicklung wies das Segment Stahl insgesamt einen operativen Verlust aus. Erforderliche Restrukturierungsaufwendungen und umfangreiche Impairment-Abschreibungen belasteten das Ergebnis zusätzlich. Für 2009 ging der Unternehmensbereich Handel von deutlich verringerten Absatzmengen und sinken den Roherträgen aus. Daher wurde mit einem wesentlich unter dem Vorjahreswert auskommenden Umsatz und Ergebnis gerechnet. Unsere Prognosen erwiesen sich als zutreffend: Nach den sehr schwierigen ersten sechs Monaten, in denen hochpreisige Vorräte aus 2008 zu stark fallenden Erlösen abgebaut werden mussten, verzeichnete der lagerhaltende Handel eine allmähliche Verbesserung. Hingegen waren die Aktivitäten des internationalen Tradings insbesondere im zweiten Halbjahr von einer rückläufigen Investitionstätigkeit in vielen Ländern und sonstigen ausbleibenden Nachfrageimpulsen belastet. Diese Marktsituation ließ den Umsatz des Segments stark sinken und zog ein in Summe negatives operatives Resultat nach sich, das zusätzlich mit Vorsorgeaufwendungen belegt wurde. Wegen der gut gefüllten Auftragsbücher avisierte der Röhrenbereich für 2009 vergleichsweise stabile Umsätze und ein zwar rückläufiges, aber positives Ergebnis. Die äußerst schwierige Lage auf dem Präzisrohrmarkt und Abkühlungstendenzen in den Produktbereichen Edelstahl- und HFI-geschweißte Rohre ließen den Umsatz ab Jahresmitte spürbar schrumpfen. Der nach wie vor gut beschäftigte Großrohrbereich erbrachte hingegen stabile Beiträge zum Segmentumsatz. Insgesamt erwirtschaftete der Unternehmensbereich Röhren wegen der nahezu konstanten Performance des Großrohrbereiches und unterstützt von Auslieferungen margenstarker Altaufträge in den Bereichen HFI-geschweißte Rohre und Edelstahlrohre im ersten Halbjahr einen erfreulichen operativen Gewinn. Das Gesamtergebnis wurde allerdings durch Restrukturierungsaufwendungen und Impairment-Abschreibungen deutlich geschmälert. Wie prognostiziert war das im Wesentlichen von der Beschäftigung der Stahlsparte abhängige Geschäft des Unternehmensbereiches Dienstleistungen entsprechend regressiv. So musste vor allem volumenbedingt ein deutlicher Umsatzrückgang verkraftet werden. Das erwirtschaftete Vorsteuerergebnis war positiv, konnte aber insbesondere wegen des dramatisch gesunkenen Stahlschrottabsatzes der DEUMU Deutsche Erz- und Metallunion GmbH (DMU) an den Vorjahreswert nicht anknüpfen. Der Unternehmensbereich Technologie sah sich bereits zu Jahresbeginn mit einer niedrigen Nachfrage konfrontiert. Daher wurde mit im Vergleich zum Vorjahr sinkenden Resultaten gerechnet. Zwar waren ab dem vierten Quartal erste Hinweise auf eine Erholung des Maschinenbausektors wahrnehmbar, aber infolge des bis dahin sehr niedrigen Auftragseingangs und eines extremen Preiswettbewerbs im Neuanlagengeschäft mussten im Geschäftsjahr 2009 ein merklich geringerer Umsatz und ein deutlicher operativer Verlust verbucht werden. Darüber hinaus wirkten die nach IFRS mit Erwerb der Mehrheitsbeteiligung an der Klöckner-Werke AG (KWAG) und dem Kauf der SIG-Beverages-Gruppe (jetzt PET-Gruppe) obligatorische Kaufpreisallokation sowie Restrukturierungsaufwendungen und Impairment-Abschreibungen zusätzlich ergebnismindernd. |
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