Der Vorstand (v.l.): Wolfgang Eging, Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg Fuhrmann, Prof. Dr.-Ing. E. h. Wolfgang Leese, Johannes Nonn, Heinz Groschke, Peter-Jürgen Schneider

Vorwort des Vorstands

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem in beinahe jeder Unternehmenspublikation zu lesenden Gemeinplatz, dass „auch wir uns der Krise nicht haben entziehen können”, möchten wir Sie nicht behelligen. Das können Sie sich denken. Sie wissen auch, wie die Krise entstanden ist und dass wir sie nicht verursacht haben. Interessieren dürfte Sie aber, wie wir sie bewältigen.

Da wir, wie an dieser Stelle in Vorjahren mehrfach zu lesen war, nicht mit einem jahrzehntelangen Fortdauern des Stahlbooms, sondern mit einem zyklischen Abschwung beträchtlichen Ausmaßes gerechnet haben, waren wir gut vorbereitet. Wir sind nicht der Verlockung erlegen, fernab unserer Kernaktivitäten extrem aufwändige und riskante Engagements einzugehen, sondern haben auf die Modernisierung bestehender Standorte und gezielte Akquisitionen zur Diversifikation des Konzernportfolios gesetzt. Dank unserer finanziellen und bilanziellen Stabilität waren wir nicht – wie zahlreiche Industrieunternehmen – gezwungen, hochverzinsliche Kredite und Anleihen aufzunehmen.

Als Reaktion auf die Krise haben wir zur Jahreswende 2008/2009 ein umfassendes Maßnahmenprogramm zur Ergebnis- und Liquiditätsstabilisierung initiiert und sodann zügig und mit Erfolg umgesetzt. Unsere Gesellschaften haben auf diese Weise 276 Mio. € aktive Einsparungen erzielt. Dies war mehr als ursprünglich geplant und lässt von uns nicht beeinflussbare Marktpreisschwankungen wie etwa von Rohstoffen vollständig außen vor. Wir haben mit Augenmaß gehandelt; die Anpassung des Personalaufwands an die Beschäftigung erfolgte schwerpunktmäßig über Kurzarbeit und Zeitkonten, und zukunftssichernde Investitionen wurden in der Regel ohne Verzug realisiert. Alles andere hätte bedeutet, dass wir einen Teil unserer Zukunft „wegsparen”.

Dennoch sehen wir es als unsere Pflicht an, selbst einen kritischen Blick auf unsere Aktivitäten zu richten. Dort, wo zur Erreichung unserer Renditeziele über das kurzfristig angelegte Sofortprogramm hinaus nachhaltige organisatorische und strukturverbessernde Maßnahmen erforderlich sind, haben wir sie eingeleitet. Den größten Teil der dafür aufzuwendenden Mittel – 73 Mio. € – haben wir im Jahresabschluss 2009 verkraftet, ebenso wie nicht liquiditätswirksame 263 Mio. € außerplanmäßige Abschreibungen. Die Effekte daraus werden bereits die Ergebnisse des laufen den Geschäftsjahres entlasten.

Das nach Eliminierung dieser Einmalaufwendungen verbleibende operative Vorsteuerergebnis des Konzerns beträgt – 160 Mio. €. Es ist absolut betrachtet nicht gut, aber in Relation zu zahlreichen Wettbewerbern im In- und Ausland wie auch vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten in zahlreichen Abnehmerbranchen unserer Produkte noch erträglich. Mit 60 Mio. € Gewinnbeitrag nach Steuern hat unsere Beteiligung an der Aurubis AG einen erfreulichen Beitrag zu unserem Konzernergebnis geleistet; das kurz vor Übergreifen der Finanzmarktkrise auf die übrige Wirtschaft begründete Engagement weist schon heute eine wirklich positive Bilanz auf.

Auch dieser – zunächst von manchen Beobachtern negativ kommentierte – Schritt macht eines deutlich: Nur wer sich vom Wettbewerb differenziert, hat überhaupt die Chance, besser zu sein, sonst ist er günstigstenfalls gleich gut.

Aber es sind nicht immer nur die schwergewichtigen weitreichenden Entscheidungen – es sind oft die kleinen Dinge, die den großen Unterschied ausmachen! Dieser Erkenntnis ist die Bildstory des Geschäftsberichts 2009 gewidmet. Erfahren Sie, was ein unvoreingenommener Blick, ein neuartiger Ansatz für ein bekanntes Thema, ein Partikel Legierung, aber auch ein kleines bisschen wertschätzender Umgang miteinander bewirken können.

Etwas muss es ja bewirkt haben; sonst hätte unsere Aktie im zurückliegenden Jahrzehnt nicht ihren Wert vervielfacht und damit den Durchschnitt des Wettbewerbs weit hinter sich gelassen. Dies sollten Sie auch in Ihre Bewertung der 0,25 € Dividende pro Aktie einbeziehen, die wir trotz des massiven Konzernverlustes ausschütten möchten. Zuletzt haben wir eine Dividende in dieser Höhe für das Geschäftsjahr 2003 gezahlt, das immerhin mit Gewinn abschloss.

Auch wenn für uns relevante Absatz- und Beschaffungsmärkte zu erratischen Schwankungen tendieren und die Konjunktur noch keinen eindeutigen starken Aufwärtstrend zeigt, rechnen wir für 2010 mit einem wesentlich verbesserten Konzernergebnis.

In diesem Sinne danken wir Ihnen, den Aktionären und Geschäftspartnern der Salzgitter AG, auch im Namen unserer engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für das unserem Unternehmen entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichem Gruß und einem herzlichen Glückauf!

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