Unternehmensbereich Stahl
1) Inklusive Umsatz mit anderen Unternehmensbereichen Nach dem starken Einbruch der globalen Stahlmärkte zu Jahresbeginn hat sich die Weltrohstahlproduktion seit Anfang des zweiten Quartals stetig erhöht und lag zuletzt nur noch 0,6 % unter dem Vorjahreswert. Dabei zeigten die einzelnen Regionen durchaus unterschiedliche Entwicklungen: Während China im 9-Monats-Vergleich ein Wachstum von 7,5 % aufwies – im September sogar plus 28,7 %, verzeichneten die USA und Japan deutliche Rückgänge. Insgesamt fiel die globale Rohstahlerzeugung in der Berichtsperiode um 16,4 % auf 866 Mio. t. Für die europäischen Stahlverarbeiter verdichten sich die Anzeichen einer beginnenden moderaten Erholung. Allerdings stellt sich das Bild nicht einheitlich dar. So hat sich im Straßenfahrzeugbau die Lage des Pkw-Segments infolge der Absatzhilfen stabilisiert, während die Situation beispielsweise des Nutzfahrzeug- und Trailergeschäfts noch extrem schwierig bleibt. In anderen wichtigen Branchen, insbesondere dem Maschinenbau sowie bei Haushaltswaren und Stahlrohren, ist bislang bestenfalls eine Bodenbildung auszumachen. Dennoch sanken die Lagerbestände des Distributionssektors und der Verarbeiter deutlich, was aber in erster Linie auf den drastischen Rückgang der Marktversorgung mit Stahl im ersten Halbjahr und nicht auf eine durchgreifende Nachfragerholung zurückzuführen ist. Damit einhergehend haben sich auch die Lagerreichweiten wieder normalisiert, sodass der bremsende Einfluss des Lagerbestandsabbaus auf die Stahlnachfrage spürbar nachließ. Vor diesem Hintergrund nahmen die Flachstahlbestellungen merklich zu. Die Auftragsbestände rangieren mittlerweile auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Infolge der wiederbelebten Orderaktivitäten zogen die Rohstahlerzeugung sowie die Produktion von Warmbreitband ab Beginn des zweiten Quartals wieder an, seither verringern sich die Abstände zu den freilich rückläufigen Vorjahreswerten monatlich. Aktuell notiert die Produktion von Rohstahl circa 24 % und von Warmbreitband rund 17 % unter den Werten des Jahres 2008. Nachdem die Preise zum Ende des ersten Halbjahres ihren bisherigen Tiefstand erreichten – sie sanken im Vergleich zum Jahresanfang für das Referenzprodukt Warmband um etwa 18 % – setzte mit der Nachfragebelebung eine moderate Aufwärtsbewegung ein. Aktuell notieren sie für Flachstahl 40 €/t bis 50 €/t über ihren diesjährigen Tiefständen. Der deutsche Stahlmarkt entwickelte sich analog zum europäischen Geschehen. Mit 22,6 Mio. t stellten die deutschen Hütten in der Berichtsperiode 37,5 % weniger Rohstahl her als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Auch die September-Rohstahlproduktion lag noch deutlich unter dem Vorjahreswert (-21,7 %), erreichte jedoch das höchste Niveau seit November 2008 und stieg saisonbereinigt den fünften Monat nacheinander an. Die aufgezeigte heterogene Entwicklung der Stahlmärkte mit Produktionsrekorden in China und massiven Einbrüchen in westlichen Industrieländern hatte maßgeblichen Einfluss auf die internationalen Beschaffungsmärkte: Zu Jahresbeginn führten die Verhandlungen über die Eisenerz-Weltmarktpreise zwischen den bedeutenden Produzenten Vale, BHP Billiton und Rio Tinto mit ihren Großkunden auf Seiten der Stahlindustrie zu ermäßigten Abschlüssen für das Lieferjahr 2009. Die Preisabschläge beliefen sich auf 28 % bis 34 % für Feinerz, 45 % für Stückerz sowie 48 % bei Pellets. Während des zweiten und dritten Quartals wurde dieses Preisniveau durch maßgebliche Abschlüsse in die europäischen Märkte übernommen. Die Entwicklung auf dem Weltmarkt für Kokskohle war zu Beginn der Berichtsperiode durch eine stark rückläufige Nachfrage und damit verbundene Preisabschläge gekennzeichnet. Mitte des Jahres korrigierte sich dieser Trend aufgrund der starken Importtätigkeit der Chinesen, die den schwachen Markt für massive Zukäufe auf Spot-Basis nutzten. Mit der Erholung der weltweiten Stahlproduktion ab dem dritten Quartal zog auch die Nachfrage traditioneller Importländer nach Kokskohle binnen kürzester Zeit wieder an. Demzufolge stiegen in den vergangenen Wochen die Spot-Preise auf ein Niveau von 170 USD/t FOB, was einer Steigerung gegenüber dem Benchmarkpreis (128 USD/t FOB) von einem Drittel entspricht. Nach dem drastischen Einbruch der Raten Ende 2008 erholte sich der Seefrachtenmarkt bis zur Jahresmitte. Treibende Kraft war hier insbesondere China infolge verstärkter Importe an Eisenerz und Kokskohle. Seitdem ist ein deutlich schwächerer Markt zu beobachten. Nachdem die Referenzrate Tubarao-Rotterdam Mitte Juni noch bei knapp 30 USD/t gelegen hatte, fiel sie bis September auf etwa 13 USD/t, wozu die chinesische Stahlindustrie durch eine veränderte Erzbezugsstruktur beitrug: Bezog sie im ersten Halbjahr Material noch überproportional aus Brasilien, so werden seit Jahresmitte verstärkt Erze aus Australien importiert. Dies führt zu einer kürzeren Bindung von Frachtraum, der dem Markt schneller wieder zur Verfügung steht. Der merkliche Auftragsrückgang der deutschen Stahl- und Gießereiindustrie und damit einhergehende geringere Bestellmengen drückten den Stahlschrottpreis in den ersten zwei Quartalen des laufenden Jahres. Trotz der schlechten Marktlage waren Stahlschrotte knapp, das Aufkommen an hochwertigem Neuschrott ging aufgrund der gedrosselten Stahlverarbeitung deutlich zurück. Daher kam es bei temporären Nachfrageerhöhungen sehr schnell zu zyklischen Preisschwankungen. Mit der sich ab Juni wieder allmählich erholenden Stahlproduktion stiegen die Preise kontinuierlich bis September an. Dann jedoch führte ein Wegbrechen der Nachfrage im Tiefseegeschäft wieder zu rückläufigen Schrottpreisen. Die Marktentwicklung der Metalle und Legierungen stellte sich für die einzelnen Materialgruppen sehr unterschiedlich dar. Nachdem die Preise für Legierungen während des ersten Halbjahres nachgaben, zeigten sie anschließend einen Aufschwung, der bereits im September wieder an Fahrt verlor. Die börsennotierten Metalle wie zum Beispiel Nickel und Zink entwickelten sich seit April bei steigender Tendenz sehr volatil, um ab Ende Juli stark anzuziehen. Hintergrund dessen dürften Käufe des staatlichen chinesischen Reservebüros sowie spekulative Eindeckungen von Rohstofffonds sein.
Der Unternehmensbereich Stahl wies die nachfolgende Entwicklung auf: Die Differenz bei den Produktionsmengen war ebenso ausgeprägt. So rangieren sowohl die Rohstahl- (-33 %) als auch die Walzstahlerzeugung (-38 %) merklich unter Vorjahr. Infolge der insgesamt schwachen Nachfrage unterschritt auch der Versand die Tonnage der ersten neun Monate 2008 spürbar, Segment- und Außenumsatz blieben zusätzlich preisbedingt weit hinter den Vergleichswerten zurück. Das Vorsteuerresultat kam bei -213,4 Mio. € aus (9 Monate 2008: +520,3 Mio. €). Den fallenden Rohstoffkosten und der Erlösentwicklung auf den Spotmärkten folgend, sind bilanzielle Anpassungen der Vorratsbewertungen im ersten und zweiten Quartal enthalten, welche die Folgeperioden bis Geschäftsjahresende entlasten.
Mit 2.314 Tt Rohstahl produzierte die Salzgitter Flachstahl GmbH (SZFG) in den ersten neun Monaten des Jahres knapp ein Drittel weniger als im Vergleichszeitraum, was auf die bis zum Sommer andauernde äußerst unbefriedigende Beschäftigungslage zurückzuführen ist. Die sich anschließende Belebung des Auftragseingangs mündete in eine Ausweitung der Produktionsmenge. Aufgrund des schwierigen ersten Halbjahres blieben die Auftragseingänge und -bestände per Ende September spürbar hinter den Tonnagen der ersten drei Quartale 2008 zurück, entsprechend liegt auch die Versandleistung deutlich unter den letztjährigen Rekordwerten. Sowohl die über weite Teile des Berichtszeitraums unauskömmliche Absatz- und Beschäftigungssituation als auch die deutlich gefallenen Erlöse bewirkten einen massiven Rückgang des Umsatzes und ein negatives Vorsteuerergebnis. Die hohen Wertberichtigungen von Rohstoffen und Halbzeugen im ersten und zweiten Quartal entlasteten die Folgemonate signifikant. Ab Anfang Juli erstmals wieder durchsetzbare Preiserhöhungen schlugen sich im September in einzelnen Produktergebnissen nieder; damit dürfte diesbezüglich die Talsohle durchschritten sein. Die ungünstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen haben im Berichtszeitraum auch beim Quartoblech mit einer gewissen Zeitverzögerung zu einem drastischen Nachfrage- und Preiseinbruch geführt. Dies ging von nahezu allen Kundenbranchen aus, lediglich die Beschäftigung der Windanlagenindustrie und des Stahlbaus blieb relativ stabil. In diesem schwierigen Umfeld federten ein hoher Auftragsbestand aus dem Jahr 2008, langfristige Kundenbeziehungen und ab Juni erhöhte Bestellungen des Konzernhandels den Rückgang für die Ilsenburger Grobblech GmbH (ILG) deutlich ab. Dennoch fielen Auftragseingang und Orderbestand in den ersten neun Monaten um rund ein Fünftel. Produktionsmenge und Versand gingen entsprechend zurück und mündeten zusammen mit verminderten Erlösen in einer überproportionalen Umsatzreduzierung. Nachdem hierauf kurzfristig mit dem Abbau von Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit reagiert wurde, führte die Auftragsbelebung des dritten Quartals wieder zu einem auskömmlichen, fast dem Vorjahresvergleichszeitraum entsprechenden Erzeugungsniveau. Obwohl die in der Berichtsperiode spürbar gesunkenen Vormaterialkosten und das eingeleitete Ergebnis- und Liquiditätssicherungsprogramm den gravierenden Erlösverfall und spürbaren Mengenrückgang nur zu einem geringen Teil kompensieren konnten, wurde ein insgesamt sehr zufriedenstellendes positives Ergebnis erzielt. Das Marktumfeld der Peiner Träger GmbH (PTG) ist auch weiterhin als sehr schwierig zu bezeichnen. So spiegeln sich die nach wie vor fehlenden großen Bauprojekte insbesondere in der extrem geringen Nachfrage nach schwereren Profilen wider. Lediglich bei den kleinen Trägern hat sich die Ordertätigkeit infolge eines inzwischen reduzierten Handelslager-Bestandsniveaus und wegen angekündigter Schrottpreissteigerungen für August und September zwischenzeitlich etwas erholt. Auch die Sommerstillstände der Profilstahlhersteller wirkten entlastend auf die Marktverhältnisse. Allerdings besteht für alle Produkte nach wie vor ein hoher Preisdruck, der sich durchgängig vom Verbraucher und Händler bis hin zum Produzenten bemerkbar macht. Der Auftragseingang blieb im Berichtszeitraum spürbar hinter dem Vergleichswert zurück. Bedingt durch länger andauernde Produktionsstillstände während des dritten Quartals aufgrund von Umbaumaßnahmen im Rahmen des Investitionsprogramms „PTG 2010” stellte sich der Orderbestand hingegen fast auf Vorjahresniveau. Der schwierigen Auftragssituation entsprechend fielen die Erzeugungszahlen für alle Bereiche merklich niedriger aus als in den ersten neun Monaten 2008. Die stark verminderte Versandleistung sowie gesunkene Durchschnittserlöse ließen den Umsatz fast um zwei Drittel schrumpfen. Vor dem Hintergrund der dargestellten Rahmenbedingungen war ein Fehlbetrag unvermeidbar. Infolge der auf unter ein Drittel der Vergleichsperiode eingebrochenen Spundwandnachfrage rangierte die Auslastung der HSP Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP) weiterhin deutlich unter den Werten des Vorjahres. Die daraus resultierende unauskömmliche Versandmenge führte in Verbindung mit extrem niedrigen Erlösen zu einem stark rückläufigen Umsatz sowie einem negativen Ergebnis der Gesellschaft. Auch die Salzgitter Bauelemente GmbH (SZBE) sah sich mit einer starken Zurückhaltung ihrer Kunden konfrontiert. Zahleiche Großprojekte wurden verschoben, was zu einem drastischen Einbruch der Absatz- und Versandmengen an Dach- und Wandelementen im Industriebau führte. Infolge eines Einmaleffektes konnte trotz entsprechend verminderter Umsätze ein leicht positives Ergebnis erreicht werden Der im Vergleich zum Vorjahr nach wie vor geringere Absatz sowie an die Kunden weitergegebene Preisreduzierungen des Vormaterials führten bei der Salzgitter Europlatinen GmbH (SZEP) zu sinkenden Umsatzzahlen und einem geringeren aber dennoch positiven Ergebnis. |
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